MeLa: Agrarminister Backhaus warnt vor Pleiten in der Branche

Stand: 09.09.2022 18:03 Uhr

Am zweiten Tag der MeLa hat Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) angesichts hoher Energiepreise vor Pleiten in der Land- und Ernährungswirtschaft gewarnt. Auf Norddeutschlands größter Agrarmesse präsentieren sich bis Sonntag 800 Aussteller.

Die stark gestiegenen Energie- und Treibstoffpreise sind ein beherrschendes Thema auf der Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (MeLa) in Mühlengeez bei Güstrow. So war auch der Landesbauerntag mit "Ernährung sichern - um welchen Preis?" überschrieben. Minister Backhaus erklärte bei der Veranstaltung, dass die Land- und Ernährungswirtschaft systemrelevant seien: "Deswegen brauchen wir die Energiepreisbremse, sonst ist dieser Zweig nicht mehr wettbewerbsfähig." Würden die Bauern mit ihrer Produktion kein Geld mehr verdienen, seien sie pleite und müssten verkaufen.

Kurreck: Diskussion um "Teller, Trog oder Tank" scheinheilig

Landesbauernpräsident Detlef Kurreck forderte auf dem Bauerntag ein Ende der derzeit in der Politik geführten Diskussionen um "Teller, Trog oder Tank". Diese seien scheinheilig. Um Qualitätslebensmittel aus der Region zu sichern, bedürfe es auch einer Tierhaltung, einer Düngung nach guter fachlicher Praxis und einem verantwortungsvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Landwirtschaft gerät immer wieder in die Kritik, weil etwa Nitratbelastungen des Grundwassers auf sie zurückgeführt werden.

EU-Förderprogramme für MV für 2023 bis 2027

Kurreck thematisierte auch die Preisexplosionen für Roh- und Betriebsstoffe, die sich in Form von hohen Lebensmittelpreisen auch beim Endverbraucher bemerkbar machen. Backhaus verwies in diesem Zusammenhang auf Maßnahmen der Politik. So stünden die EU-Förderprogramme für MV in den Jahren 2023 bis 2027 jetzt fest. "Im November können wir wie erhofft mit der Antragsstellung beginnen", informierte der Minister. So könnten die Fördermittel pünktlich mit Beginn des neuen Jahres ausgezahlt werden.

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Mehrere Menschen sitzen unter einem Pavillon, im Vordergrund steht ein Kanninchenkäfig. © NDR Foto: Franziska Drewes

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Geschicklichkeits-Turnier für Hunde

Neben der politischen Diskussion auf dem Bauerntag haben am Freitag Gestüte aus dem Land ihre Pferde präsentiert. Zudem wurden die besten Fleischrinder vorgestellt und es gab ein Hunde-Geschicklichkeits-Turnier. Ein wissenschaftliches Forum beschäftigte sich mit Photovoltaik als Chance für eine doppelte Nutzung der Flächen. Bei der Kinder-MeLa sollten die Jüngsten für Berufe in der Landwirtschaft begeistert werden.

1.000 Tiere, aber keine Schweine

Im Mittelpunkt der 31. MeLa stehen Energiesicherheit und Ernährungssicherheit. Wie der Landesbauernverband MV und die Messeveranstalter mitteilten, zeigen bis Sonntag rund 800 Aussteller aus elf Ländern eine bunte Vielfalt aus Technik, Technologien und Tieren. Das sind etwa 100 Aussteller mehr als im Vorjahr. Außerdem werden demnach rund 1.000 Tiere bei den Tierschauen zu sehen sein. Schweine sind allerdings auch in diesem Jahr nicht dabei, um sie vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen.

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Noch bis Sonntag läuft in Mühlengeez bei Güstrow die größte Agrarmesse im Nordosten. Neben Tieren und Techik geht es vor allem um Ernährungssicherheit und die Sorgen der Landwirte. 6 Min

Bauernpräsident: "Riesige Herausforderungen"

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte in ihrer Rede zur Eröffnung, die Energiekrise treffe auch die Land- und Ernährungswirtschaft hart. Bauern könnten nicht so leicht Strom sparen, sagte die SPD-Politikerin. Milchkühlung oder Gewächshäuser könne man nicht einfach abschalten. "Wir stehen vor riesigen Herausforderungen", sagte auch Verbandspräsident Detlef Kurreck.

Punktschecken-Kaninchen MeLa-Tier 2022

Kindern wird Landwirtschaft auf der Kinder-MeLa nähergebracht. Schulkassen treffen beispielsweise im Kleintierzelt auf Nutz- und Zuchttiere, darunter das MeLa-Tier des Jahres: das Punktschecken-Kaninchen. Jugendliche können sich auf einer Jobbörse für die sogenannten grünen Berufe informieren. Die Agrar- und Tierschau mit vielen Tipps für Gärtner und Handwerker galt in der Vergangenheit mit mehr als 60.000 Gästen als besucherstärkste Messe im Nordosten.

Keine Maskenpflicht für Besucher

Am ersten Messetag mussten die Besucher ab Mittag längere Regenperioden und einen Stromausfall nach Starkregen in Kauf nehmen. Im vergangenen Jahr mussten Gäste am Einlass noch Corona-Impf- oder -Testnachweise vorzeigen. Das war in diesem Jahr nicht der Fall. Es gilt auch - anders als zunächst angekündigt - keine Corona-Maskenpflicht in den Ausstellungszelten.  

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 09.09.2022 | 19:30 Uhr

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Landwirtschaft

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