Stand: 16.10.2019 15:20 Uhr

Leonie-Prozess: Polizisten belasten Angeklagten

Der Stiefvater Leonies ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. (Archivbild)

Vor dem Landgericht Neubrandenburg ist am Mittwoch der Prozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) fortgesetzt worden. Angeklagt ist der 28-jährige Stiefvater wegen Mordes durch Unterlassen. Seit zehn Monaten sorgt dieser Fall in ganz Deutschland für Schlagzeilen. Am vierten Prozesstag befragte das Gericht vier Polizisten als Zeugen. Sie waren an Leonies Todestag, dem 12. Januar, in die Wohnung der fünfköpfigen Familie gerufen worden, weil die Rettungskräfte Verletzungen bei dem Mädchen gefunden hatten, die nach ihrer Ansicht nicht zu den Angaben des Stiefvaters passten.

"Zweifelhafte Aussagen" wegen "vieler Widersprüche"

Die Polizisten haben den Angeklagten belastet. Er soll unterschiedliche Angaben gemacht haben, wie Leonie zu den Verletzungen gekommen ist. "Der Angeklagte hat uns den Eindruck eines fürsorglichen Vaters vermitteln wollen, was aber durch viele Widersprüche in den Aussagen zweifelhaft erschien", sagte ein 26-jähriger Polizist. So habe der Stiefvater einmal erklärt, dass man damals Einkaufen gehen wollte. Den Polizisten gegenüber habe er dann aber gesagt, dass das Mädchen spielen gehen wollte und dabei hinuntergestürzt sei.

Polizisten stießen auf Ungereimtheiten

Der Angeklagte habe damals erklärt, er habe Leonie nach dem Sturz nicht zum Arzt gebracht, weil die Sechsjährige das nicht gewollt habe. Sie habe gesagt "alles ist gut." "Widersprüchlich kam uns auch vor, dass die Kleidung des Mädchens ganz nass war", sagte der Polizist. Angebliche Kühlakkus, die dem Mädchen zum Lindern von Schmerzen gegeben worden sein sollen, wurden nicht gefunden. Im Treppenhaus fanden die Ermittler damals zudem keine Sturzspuren.

Notarzt belastete Angeklagten schwer

Zudem habe er sich mehrfach aggressiv gezeigt. Es seien auch ein Alkohol- und ein Drogentest gemacht worden- beide waren negativ. Hintergrund ist, dass der 28-Jährige bei der Polizei bereits eine Akte wegen mehrfachen Drogenmissbrauchs hat. An einem vorherigen Prozesstag hatte bereits ein Notarzt ausgesagt, dass das Kind schon mindestens eine Stunde tot gewesen sei, als er eintraf. Der Stiefvater aber hatte behauptet, dass das Kind bei seinem Notruf wenige Minuten vorher noch gelebt habe. Bei Vernehmungen hatte er angegeben, dass das Mädchen am Nachmittag eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt sei. Die Retter wurden aber erst rund viereinhalb Stunden danach gerufen. Laut Anklage soll der Mann die Retter nicht früher geholt haben, um mögliche Misshandlungen zu verdecken.

Angeklagter schwieg bisher vor Gericht

Der Angeklagte will im späteren Prozessverlauf aussagen, aber erst nachdem Leonies Mutter als Zeugin gehört wurde. Das soll in der kommenden Woche passieren. Bisher schwieg er vor Gericht. Möglicherweise wird sie hinter verschlossenen Türen vernommen. Wie Richter Jochen Unterlöhner sagte, hat der Anwalt der Frau einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit am 21. und 24. Oktober gestellt. Die Schwurgerichtskammer habe darüber aber noch nicht abschließend entschieden.

Ermittlungen gegen die Mutter

Auch gegen die Mutter wird ermittelt: Ihr wird Tötung durch Unterlassen vorgeworfen, weil sie keine Hilfe holte. Leonie soll laut Anklage zuvor sieben Mal misshandelt worden sein. Mit einem Urteil wird frühestens Ende November gerechnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 16.10.2019 | 14:00 Uhr

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