Stand: 25.09.2019 17:21 Uhr

Leonie-Prozess: Notarzt belastet Angeklagten

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Zu Prozessbeginn schwieg der Stiefvater, er will aber später aussagen.

Am Landgericht Neubrandenburg ist der Prozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) fortgesetzt worden. Das Mädchen war am 12. Januar in der Wohnung der Familie zu Tode gekommen. Der Angeklagte hatte die Retter selbst alarmiert und erklärt, dass Leonie von einer Treppe gestürzt sei. Notarzt und Rettungssanitäter belasteten den Angeklagten am Mittwoch schwer. Sie schätzten, dass das Kind bei ihrem Eintreffen schon etwa eine Stunde lang tot gewesen sein muss.

Erfolglose Reanimationsversuche

Der Notarzt berichtete noch einmal über den Ablauf der Ereignisse, nachdem er in die Wohnung gerufen wurde. Nur sechs Minuten nach der Alarmierung sei er vor Ort gewesen. Er habe Leonie halb zugedeckt auf einer Matratze liegend auf dem Boden ihres Kinderzimmers gefunden. Sofort habe er mit Rettungssanitätern versucht, das Mädchen wiederzubeleben - auch mit der Verabreichung von starken Medikamenten. Das habe aber nichts genutzt, so der 33-jährige Notarzt. Nach etwa einer dreiviertel Stunde habe er dann entschieden, die Reanimation abzubrechen.

Für Treppensturz untypische Verletzungen

Zum Zeitpunkt des Notrufs hatte der Angeklagte noch behauptet, Leonie sei ansprechbar gewesen. Der Notarzt und die zwei Rettungssanitäter zeigten sich hingegen davon überzeugt, dass das Mädchen bereits längere Zeit tot gewesen sein muss. Die Verletzungen seien zudem nicht typisch für einen Treppensturz gewesen, was der Angeklagte als Grund für die Verletzungen angeführt hatte. Leonie habe Blutergüsse am ganzen Körper gehabt, mehrere Rippen und der Arm seien sichtbar gebrochen gewesen, so der Notarzt. Außerdem hatte sie schwere Verletzungen am Kopf. Während der Vernehmung wurden auch Fotos von Leonies Gesicht gezeigt. Darauf waren deutlich ein großer Bluterguss am linken Auge und starke Schwellungen zu sehen.

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Verletzungen bei kleinem Bruder festgestellt

Die nun ebenfalls befragte Rechtsmedizinerin, die die Leichenschau vorgenommen hatte, hatte neben Leonie auch die beiden anderen Kinder der Familie untersucht. Dabei habe sie auch mehrere Verletzungen des damals zweieinhalb Jahre alten Bruders festgestellt. Unversehrt war nur das dritte, das eigene Kind des Angeklagten.

Angeklagter wirkte "wie ein schlechter Schauspieler"

Der Notarzt gab darüber hinaus an, dass der Angeklagte sehr aufgesetzt gewirkt habe - wie ein schlechter Schauspieler, so der Mediziner. Besonders als er vom Angeklagten zu hören bekam, dass die Rettungskräfte nicht alles getan hätten, um das Leben seiner Stieftochter zu retten. Außerdem habe der Angeklagte im Verlauf des Einsatzes Leonie selbst die Schuld an allem gegeben. Während der Notarzt befragt wurde, verließ der leibliche Vater von Leonie den Gerichtssaal und beschimpfte beim Hinausgehen den Angeklagten. Der leibliche Vater tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Anklage: Leonie wurde schon zuvor misshandelt

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte Leonie schon fünf Tage vor ihrem Tod geschüttelt, getreten und anderweitig misshandelt hat. Dem 28-jährigen Angeklagten wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen vorgeworfen. Er wird beschuldigt, Leonie und ihren mittlerweile dreijährigen Bruder mehrfach schwer misshandelt zu haben. Das Mädchen soll infolge der Verletzungen gestorben sein. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.09.2019 | 16:00 Uhr

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