Ein Storchen-Altvogel steht bei Regen neben seinen Jungtieren in einem Nest in Hamburg-Bergedorf. © picture alliance / dpa Foto: Georg Wendt

Klimawandel: Immer weniger Weißstorch-Nachwuchs in MV

Stand: 04.07.2021 09:58 Uhr

Weißstörche fallen auf in der Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns, wenn sie mit ihren langen roten Beinen über die Wiesen staksen. Allerdings sind die Tiere immer seltener zu sehen. Der Klimawandel macht ihnen zu schaffen.

In Mecklenburg-Vorpommern wird der Weißstorch immer seltener. Die Tiere haben hierzulande weniger Nachwuchs, immer weniger Paare brüten im Nordosten. Im vergangenen Jahr wurden 659 Storchenpaare gezählt, noch vor zwanzig Jahren waren es doppelt so viele. In diesem Jahr könnten es noch noch weniger sein, befürchtet Stefan Kroll von der Landesarbeitsgemeinschaft zum Schutz der Weißstörche. Denn viele erwachsene Störche sind sehr spät aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt - vor allem die Tiere, die weit weg in Afrika überwintern.

Wintergäste in Afrika haben es schwer

"Die hatten dann ab der Türkei mit sehr, sehr viel schlechtem Wetter zu tun: Winter in den Karpaten noch im April; Sturm, Gegenwind, Regen. Die mussten warten, konnten nicht weiterfliegen", begründet Stefan Kroll seine Befürchtung. Diese Tiere seien dann teilweise erst Mitte Mai in Mecklenburg-Vorpommern angekommen und hätten einfach nicht mehr angefangen, zu brüten. Das betrifft vor allem den Osten des Landes, also Vorpommern. Denn dort leben vor allem die Störche, die in Afrika überwintern und jetzt im Frühjahr ziemlich spät zurückgekehrt sind.

Nahrungsmangel macht den Störchen zu schaffen

Auch den Jungstörchen, die es geschafft haben, aus dem Ei zu schlüpfen, geht es nicht gut. Vor allem hat der sehr trockene Juni seine Spuren hinterlassen. "Da waren dann kaum noch Regenwürmer zu finden und nachher hat sich herausgebildet: Wir haben ein schlechtes Feldmausangebot", so Storchenschützer Kroll. In diesem Jahr sei vielfach festgestellt worden, dass Altvögel ihre Jungstörche aus dem Nest geworfen haben, insbesondere die jüngeren und schwächeren. Das hänge stark mit Nahrungsmangel zusammen.

Teils über 40 Prozent Verluste durch Starkregen

Der Starkregen der vergangenen Tage, der vor allem im Süden des Landes niederging, ist lebensgefährlich für die jungen Störche. Die noch nicht voll befiederten Küken sind der starken Feuchtigkeit schutzlos ausgesetzt. Jens Krüger vom Storchenhof Papendorf berichtet zum Beispiel, dass er im Altkreis Uecker-Randow Storchennester aufgesucht hat, um den Nachwuchs zu beringen. Dabei hätte er 36 lebende Storchenküken aufgefunden, aber auch 21 tote Jungtiere. Fast 45 Prozent der Jungstörche in diesem Bereich haben demnach den Starkregen nicht überlebt. Allerdings hat es regional sehr unterschiedlich starke Niederschläge gegeben. Die Nordhälfte Mecklenburg-Vorpommerns blieb von den Unwettern weitestgehend verschont.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.07.2021 | 11:00 Uhr

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