Handwerk in MV blickt mit Sorge in die Zukunft

Stand: 25.10.2022 14:47 Uhr

Die Handwerkskammern in MV haben ihren Konjunkturbericht für 2021 vorgestellt. Den Ist-Zustand beschreiben die Handwerker als relativ stabil. Aber die Prognosen für die Zukunft sind besorgniserregend.

Die Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern blicken mit Sorge in die Zukunft. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Geschäftsklimaindex um 28 Punkte gesunken, so die Handwerkskammern. Dieser Wert liege noch unter dem vom Finanz- und Wirtschaftskrisen-Jahr 2009. So musste beinahe jeder zweite Betrieb (46 Prozent) aus dem Nahrungsmittelhandwerk (Bäcker/ Konditoren und Fleischer) geringere Umsätze verzeichnen. Infolge gestiegener Rohstoff- und Energiekosten mussten 63 Prozent dieser Betriebe ihre Produkte zu höheren Preisen verkaufen.

Betriebe "mit dem Rücken zur Wand"

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern Ostmecklenburg-Vorpommern, Jens-Uwe Hopf sagte bei NDR MV Live, dass es manche Betriebe sehr hart trifft - sie bekämen überhaupt kein Gas mehr oder nur zu drei- bis vier mal höheren Preisen als bisher: "Manche Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand." Er erwartet ein mehr oder weniger leises Sterben der Betriebe bis zum nächsten Frühjahr: "Viele Unternehmen werden sich überlegen, ob sie zu diesen Bedingungen weitermachen können."

Bessere Aussichten für "Klimaberufe"

Für Betriebe der so genannten "Klimaberufe" sähe es dagegen besser aus, wie zum Beispiel modern aufgestellte Unternehmen aus den Bereichen der Solar- und Windanlagen mit hoher Investitionsneigung. Aber auch hier bremse die Verunsicherung bei den Verbrauchern und die Lieferschwierigkeiten von Modulen oder Wärmepumpen aus Asien. Insgesamt müssen sich laut Hopf Verbraucher auf weiterhin steigende Preise im Handwerk einstellen.

Umfangreiche Hilfen für Betriebe gefordert

Zur Sicherung der wirtschaftlichen Strukturen im Handwerk fordern die Präsidenten der Handwerkskammern deshalb umfangreiche Unterstützung. So soll unter anderem die Energiepreisbremse sofort für alle Energiearten gelten. Zu den Forderungen gehört außerdem die Einführung von deutschlandweit einheitlichen und damit fairen Netzentgelten und schnelle finanzielle Hilfen für akut gefährdete Betriebe. Der Präsident der Handwerkskammern Schwerin, Uwe Lange, wies darauf hin, dass Hilfen sich nicht allein an große Industriebetriebe richten dürften: "Klein- und Kleinstbetriebe sollen nicht durchs Raster fallen", hieß es.

Auf die Konjunkturumfragen beider Handwerkskammern in MV haben 1.059 Betriebe geantwortet.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 25.10.2022 | 14:30 Uhr

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