Gesundheit der uralten Ivenacker Eichen überrascht Experten

Stand: 11.12.2020 14:50 Uhr

Die 1.000 Jahre alten Ivenacker Eichen stecken den Klimawandel offenbar besser als erwartet weg. Das ist das Ergebnis eines umfassenden Gesundheits-Checks im vergangenen Sommer, das jetzt vorgestellt wurde.

von Ricarda Zunk, NDR 1 Radio MV

Dabei entdeckten die Baum-Spezialisten auch eine botanische Besonderheit. In der Krone einer uralten Eiche wachsen unterschiedliche Blätter. Die Eichen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gehören zu den ältesten Bäumen Deutschlands und sind ein Nationales Naturmonument. Für ihr Alter könnte der Zustand der Eichen nicht besser sein, schätzen die Experten ein. "Das ist ganz wunderbar. Alles in Ordnung. Gut so", sagt die Bodensachverständige Katharina Weltecke. Gerade vor der ältesten Eiche, deren Alter auf 800 bis 1.000 Jahre geschätzt wird, ziehen die Experten ihren Hut. Der Baumbiologe Andreas Roloff sagt, es sei "unfassbar", dass der Baum es mit einer Höhe von 32 Metern noch schafft, das Wasser in die Krone zu transportieren: "Das ist ganz ungewöhnlich."

Nach Schwächephase gut erholt

Der Baum gibt den Experten aber auch Rätsel auf. Er muss in den vergangenen Jahren eine Schwächephase gehabt haben. Aber ausgerechnet in den trockenen Jahren 2018 und 2019 hat die Eiche sich wieder aufgerappelt. Katharina Weltecke: "Wieso konnte sie sich davon erholen in der Zeit, in der es allen anderen Bäumen definitiv schlecht ging? Das ist schon erstaunlich, ein Hoffnungsschimmer, dass diese alten Eichen, die seit 1.000 Jahren die Zeit überdauert haben, offensichtlich ein Anpassungsvermögen haben, das sonst eigentlich nur Jungbäumen oder Bäumen der nächsten Generation durch Nachwuchs zugesprochen wird."

Experten zählten Regenwürmer

Zwei Tage lang hatten sich im Sommer 15 Experten Zeit für die Eichen genommen. Untersucht haben sie nahezu alles, was sich an einem Baum untersuchen lässt, von der Wurzel bis zur Krone. Auch der Boden und der Standort wurden unter die Lupe genommen. Mit einem Schallwiderstandsmessgerät haben sie ins Innere des Stammes geschaut, ohne ihn anzubohren. Mit einem Georadar haben sie die Wurzeln geortet. Außerdem zählten sie, wie viele Regenwürmer sich im Boden um die Eiche aufhalten. Mit Hilfe eines Wurfseils wurden Zweige aus der Krone entnommen. So konnten die Experten feststellen, wie stark die Triebe in den vergangenen Jahren gewachsen.

Stieleiche, Traubeneiche, Pyrenäeneiche

Ein Damwild-Hirsch steht unter einer alten Eiche im Tierpark Ivenack. © Ina Lebedjew Foto: Ina Lebedjew
Die Baum-Experten plädieren dafür, nicht allzu viel Wild in der Nähe der Eichen zu halten.

Die größte Überraschung entdeckte Andreas Roloff an der ältesten Eiche. Drei verschiedene Blattformen wachsen an ihren Zweigen. Bislang gingen die Experten davon aus, dass die uralten Eichen Stieleichen sind. An dem Baum fand Roloff jedoch verschiedene Blätter, die Merkmale von Stileichen, Traubeneichen oder Pyrenäeneichen aufweisen. Das ist eine botanische Neuheit. Roloff mutmaßt, dass sich der Baum damit gewappnet hat für Hitze und Trockenheit. "Meine Hypothese ist, dass in den wärmeren Kronenbereichen diese Traubeneichen-ähnlichen Blätter auftreten und in den beschatteten die Stieleichen-ähnlichen. Also die Lösung dieses Krimis, die steht noch aus."

Zu viel Wild im Eichen-Park

Trotz des positiven Befundes sind die Experten mit Prognosen sehr vorsichtig. Denn selbst ein sehr alter Baum, der immer günstige Bedingungen hatte, kann von heute auf morgen überrascht werden von Extrem-Ereignissen. Dennoch gehen die Baumspezialisten davon aus, dass die uralten Eichen uns alle überleben werden. Der Standort ist ideal, sie kommen gut ans Grundwasser. Wenn es keine einschneidenden Ereignisse gibt, dann können sie noch Jahrhunderte weiterleben. Eine Empfehlung wollen die Experten aber noch los werden. Die Eichen stehen auf dem Gelände des Ivenacker Tiergartens. Dort lebt Damwild, wodurch der Boden viel Stickstoff aufweist. Bislang kommen die Eichen damit offensichtlich zurecht. Trotzdem empfehlen die Gutachter, den Wildbestand etwas zu reduzieren.

Tiergarten und Baumkronenpfad

17153 Ivenack
Tel. (39957) 298 16

ganzjährig geöffnet
aktuelle Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Corona-bedingte Einschränkungen auf der Webseite des Landesforstes

Weitere Informationen
Spaziergänger laufen durch einen Buchenwald im Nationalpark Jasmund. © dpa/Picture Alliance Foto: Jens Büttner

Den Lebensraum Wald entdecken

Mächtige Bäume, scheue Tiere: Wälder sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern haben auch eine heilende Wirkung auf den Menschen. Tipps für schöne Naturerlebnisse im Norden. mehr

Blick über die hügelige Landschaft der Mecklenburgischen Schweiz mit Rapsfeldern rund um den Malchiner See. © picture alliance / ZB Foto: Bernd Wüstneck

Auf Entdeckertour durch Mecklenburgs Schweiz

Die hügelige Landschaft der Mecklenburgischen Schweiz ist ideal für einen aktiven und naturnahen Urlaub. Touren durch den Naturpark führen zu schönen Seen und alten Gutshäusern. mehr

Malerischer Blick vom Reiherberg über den Naturpark Feldberger Seenlandschaft auf Feldberg. © picture-alliance / HB Verlag Foto: Jörg Axel Fischer

Die Mecklenburgische Seenplatte

Seen und Kanäle sowie teils unberührte Natur prägen den Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Die Müritz und unzählige weitere Gewässer bieten ideale Wassersportbedingungen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Hanseblick | 11.12.2020 | 16:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Grafik Landkreis Inzidenz © NDR

Vorpommern-Greifswald: Strengere Corona-Regeln nach dem Wochenende

Unter anderem müssen sich Eltern in dem Landkreis zu Beginn der neuen Woche um eine Betreuung für ihre Kinder kümmern. mehr

Das Pflegeheim Lübz von außen © ndr.de Foto: Christoph Kümmritz

Corona in Seniorenheim in Lübz: Bereits fast 150 Infektionen

Seit dem Corona-Ausbruch in dem Altenpflegeheim vor vier Wochen sind dort 22 Menschen an oder mit dem Virus gestorben. mehr

Mund-Nasenschutz-Masken vor einem weißen Hintergrund. © imago images  Jan Huebner Foto: Jan Huebner

MV-Gipfel beschließt strengere Maskenpflicht ab Montag

Ministerpräsidentin Schwesig appelliert, private Kontakte noch weiter zu beschränken. mehr

7-Tage-Inzidenzkarte vom 22. Januar

Corona in MV: 286 Neuinfektionen, elf weitere Todesfälle

Die meisten Neuinfektionen wurden im Landkreis Vorpommern-Greifswald registriert. mehr