Stand: 01.04.2020 19:22 Uhr

Flüchtlingsrat: Corona-Schutz in Asylheim "verheerend"

Bewachte Einfahrt der ehemaligen Blücher-Kaserne in Schwerin © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Aus Sicht des Schweriner Gesundheitsamtes ist es nicht erforderlich, die gesamte Erstaufnahmestelle Stern Buchholz unter Quarantäne zu stellen. (Archivbild)

Der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern hat die Zustände in der Asylbewerber-Erstaufnahme-Einrichtung des Landes in Stern Buchholz bei Schwerin scharf kritisiert. Dort haben sich mindestens 25 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Es gebe leere Desinfektionsmittelhalter, fehlende Schutzkleidung für die Mitarbeiter und Schlangestehen ohne Abstand, so die Vorsitzende des Flüchtlingsrates Mecklenburg Vorpommern, Ulrike Seemann-Katz. Es herrschten verheerende Zustände. Seemann-Katz berief sich auf vertrauliche Informationen von Mitarbeitern der Malteser Werke, die die Asylbewerber betreuen. Außerdem hat sie nach eigenen Angaben Fotos von Geflüchteten aus der Einrichtung erhalten. Das Innenministerium wies die Kritik des Flüchtlingsrates zurück. Desinfektionsmittel und Schutzkleidung seien ausreichend vorhanden. Außerdem handele es sich bei der Einrichtung nicht um ein Gefängnis mit Aufenthaltszwang in Zellen, die Bewohner dürften sich untereinander besuchen.

Keine Quarantäne

Das Ministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die Einrichtung trotz der Häufung von Coronavirus-Infektionen nicht unter Quarantäne gestellt werde. Der seit dem 13. März geltende Aufnahme- und Verteilungsstopp für Flüchtlinge bleibe aber bestehen. Alle infizierten Flüchtlinge wiesen milde Symptome auf, niemand habe stationär behandelt werden müssen. Die Kontaktpersonen seien separat in Stern Buchholz unter häuslicher Quarantäne gestellt worden. 

Infizierte Mitarbeiter in häuslicher Isolation

Den infizierten Malteser-Mitarbeitern wurde häusliche Isolation verordnet. Das Gesundheitsamt verfügte Quarantäne für enge Kontaktpersonen. Eine eindeutige Ansteckungsquelle habe bislang nicht festgestellt werden können, hieß es. Im familiären Umfeld mindestens eines Mitarbeiters seien ebenfalls Infektionen aufgetreten. Innerhalb der Erstaufnahmestelle gelten laut Ministerium spezielle Schutzvorkehrungen für Bewohner und Mitarbeiter. So wurde eigens für immungeschwächte oder besonders infektionsgefährdete Flüchtlinge ein Schutzhaus eingerichtet. Die Malteser-Mitarbeiter arbeiteten stets unter Schutzausrüstung mit Handschuhen und Atemmasken. In der Einrichtung werde alles unternommen, um eine Weiterverbreitung von Infektionen zu verhindern, sagte die Infektionsmedizinerin Gerit Hübner vom Amtsärzlichen Dienst der Stadt Schwerin.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.04.2020 | 19:30 Uhr

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