Stand: 22.10.2019 20:19 Uhr

Fall Leonie: Ermittlungen gegen Kindernotdienst

Der Kindernotdienst wurde am Todestag parallel zum Tatort gerufen. Dabei sollen Vorgaben nicht eingehalten worden sein.

Im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow hat die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg nach Informationen von NDR 1 Radio MV Ermittlungen gegen den Kindernotdienst aufgenommen. Eine Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) war als Bereitschaftsdienst des Jugendamtes parallel zu den Rettungskräften am Todestag in die Wohnung gerufen worden. Dabei sollen Vorgaben nicht eingehalten worden sein.

Staatsanwaltschaft prüft Verletzung der Fürsorgepflicht

Konkret soll geprüft werden, ob sie ihre Fürsorgepflicht gegenüber den zwei anderen Kindern verletzt hat. Diese seien offenbar nicht von der Mitarbeiterin in Augenschein genommen worden. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV soll in der Wohnung von Leonies Eltern außerdem das Vier-Augen-Prinzip nicht eingehalten worden sein. Die Kreisverwaltung Vorpommern-Greifswald zog bereits Konsequenzen und hat den Vertrag mit der AWO gekündigt. In künftigen Notfällen soll immer ein Mitarbeiter des Jugendamtes mit vor Ort sein.

AWO-Mitarbeiterin als Zeugin vor Gericht

Die Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt war am Dienstag im Mordprozess gegen den Stiefvater als Zeugin geladen. Vor Gericht sagte sie aus, sie sei in Absprache mit der Polizei und der Notfallseelsorgerin zu dem Schluss gekommen, dass die Kinder zu dem Zeitpunkt in der Familie gut versorgt gewesen seien.

Am Montag hatte die Mutter des Mädchens vor dem Landgericht Neubrandenburg bereits eine Teilaussage gemacht. Dabei wurden die Öffentlichkeit und der Angeklagte von der Verhandlung ausgeschlossen. Zur Aussage wollte sich der Anwalt der Mutter bislang nicht äußern. Ihre Vernehmung soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Nach Angaben des Nebenklägers, des leiblichen Vaters von Leonie, soll sie den Angeklagten schwer belastet habe. Dem 28-jährigen Stiefvater von Leonie wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Das Mädchen starb offenbar infolge der Misshandlungen am 12. Januar. Der Angeklagte schweigt bisher vor Gericht, will sich aber nach der Anhörung der Mutter äußern. Auch gegen die Mutter wird ermittelt: Ihr wird Tötung durch Unterlassen vorgeworfen, weil sie keine Hilfe holte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 22.10.2019 | 20:00 Uhr

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