Stand: 05.04.2018 17:11 Uhr

Die Leiden der Nutztiere - Kontrollen gefordert

Rund ein Fünftel aller Schweine in Deutschland erreicht den Schlachthof nicht. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Arbeit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Hochgerechnet sind das mehr als 13 Millionen Tiere, die die Mast nicht überleben. Statt im Schlachthof landen sie in Tierkörperbeseitigungsanlagen.

Jürgen Buchwald im Interview.

Gequälte Tiere: Wann wird der Missstand beseitigt?

Nordmagazin -

Werden durch die fehlenden Kontrollen Tierquäler geschützt und warum dürfen Amstierärzte keine regelmäßigen Untersuchungen vornehmen? Ein Interview mit Staatssekretär Jürgen Buchwald.

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Gequält oder fehlgetötet - auch in MV?

Nach aktuellen Recherchen der ARD-Sendung Report Mainz haben Tierärzte in einigen Anlagen Kadaver untersucht. Sie belegen, dass Tiere gequält oder unsachgemäß getötet wurden. Solche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz passieren auch bei uns im Land, ist Holger Vogel, Vorsitzender des Landesverbandes der Tierärzte im öffentlichen Dienst, überzeugt.

Tierkörperbeseitigung statt Schlachthof

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Zu krank für den Schlachthof, dann landen die Tiere in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin.

Täglich landen in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin verendete Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen oder Pferde. Guntram Wagner, Veterinäramtsleiter im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, geht davon aus, dass Tiere darunter sind, die vor ihrem Tod gequält wurden. Denn er kennt Ergebnisse tierärztlicher Untersuchungen aus anderen Anlagen. Was Wagner aber am meisten erschreckt, ist die große Zahl. Über 60 Prozent der Tiere werden nicht sachgerecht getötet.

Forderung: Tote Tiere in Malchin untersuchen

In der Tierkörperbeseitigungsanlage Malchin könnten Verstöße offen gelegt werden. Doch dort darf der zuständige Amtstierarzt Kadaver nicht auf Todesursachen untersuchen. Dabei sieht Wagner dringenden Bedarf. Seit Jahren fordern er und sein Kollege Holger Vogel regelmäßige Untersuchungen verendeter Nutztiere in Malchin. Doch dies hat das Landwirtschaftsministerium bislang nicht zugelassen. Laut Agrarstaatssekretär Jürgen Buchwald gibt es für Routineüberprüfungen keine Rechtsgrundlage. Buchwald verweist auf den Bund, der hier tätig werden und das Tierschutzgesetz anpassen müsste.

"Wir müssen nicht Tierquäler schützen"

Auf Initiative der Veterinäre wurden 2016 in Malchin zwei Wochen lang Kadaver untersucht. Dabei fanden die Veterinäre bei fast sechs Prozent der verendeten Tiere Auffälligkeiten. Auch der Bauernverband befürwortet diese Untersuchungen. Im Gegensatz zum Landwirtschaftsministerium sieht Amtstierarzt Wagner durchaus Möglichkeiten, genauer hinzusehen. "Ich wünschte mir ein bisschen mehr Mut. Wir müssen nicht Tierquäler schützen." Wenn verendete Tiere beim Abholen mit einer Marke versehen würden, dann könnten Halter bei Verstößen zur Verantwortung gezogen werden.

Bauernverband: Sachliche Gespräche fortsetzen

Bauerverbandspräsident Detlef Kurreck rief Tierhalter dazu auf, Gesetze und ethische Normen einzuhalten. In der Diskussion um Untersuchungen von Tierkadavern in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin unterstütze der Verband die Initiative von Tierärzten für regelmäßige Kontrollen und eine Kennzeichnung der toten Tiere. So könnten bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz die Halter ermittelt werden. "Wir haben verabredet, dass wir das Thema sachlich mit den Fachleuten diskutieren. Diese Diskussion ist noch nicht zu Ende. Es ist aber schon aufgezeigt worden, was gemacht werden müsste", sagte Kurreck NDR 1 Radio MV.

Weitere Informationen

Studie zeigt Leiden kranker Schweine vor Tötung

Die Tierärztliche Hochschule Hannover hat Hunderte toter Schweine untersucht. Viele der Tiere hatten während ihrer Haltung und vor der Tötung erhebliche Schmerzen durchlitten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nordmagazin | 04.04.2018 | 19:30 Uhr

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