Stand: 05.02.2020 06:41 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Gesamte Darßbahn-Strecke soll 2027 fertig sein

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Minister Pegel machte deutlich, dass es von der neu zu bauenden Meiningenbrücke abhängen wird, wann genau die Strecke in Betrieb geht.

Nachdem der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern sich auf die Finanzierung der Darßbahn geeinigt haben, hat Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) bei einer öffentlichen Veranstaltung am Dienstagabend in Barth über das Bauvorhaben informiert. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beteiligt sich zu einem Drittel an den Kosten für die neue Meiningen-Brücke, die auf ein Volumen von rund 60 Millionen Euro geschätzt wird. Die weiteren Kosten übernehmen das Land und die Usedomer Bäderbahn (UBB). Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte in Schwerin: "Damit sind jetzt alle Signale für eine Landesentscheidung zur Wiedererrichtung der Darßbahn auf Grün gestellt. Die Darßbahn kommt."

Finanzierung steht: Neue Darßbahn kommt

Nordmagazin -

Der Darß bekommt wieder eine Eisenbahnverbindung, der Bund gab die entscheidende Zusage für die Finanzierung. Derzeit wird mit Gesamtbaukosten von 115 Millionen Euro gerechnet.

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Gesamtinbetriebnahme für 2027 geplant

Im voll besetzten Barther Rathaus-Saal erklärten Pegel und ein Verkehrs-Planer die vier Bauabschnitte, die sich momentan alle in unterschiedlichen Stadien befinden. Sie machten deutlich, dass von der neu zu bauenden Meiningenbrücke abhängen wird, wann die Bahn über Barth nach Zingst und weiter nach Prerow fährt. Als kombinierte Straßen- und Schienebrücke soll sie klappbar sein, wie etwa die Brücke in Wolgast. Derzeit gehen die Planungen von einer Gesamtinbetriebnahme im Jahr 2027 aus. Beifall der rund 100 Anwesenden ernteten nicht nur die Politiker, die die Nachrichten aus Schwerin überbrachten, sondern auch die Vorsitzende der Bürgerinitiative, die sich seit Jahren unter dem Motto "Keine Bahn ist auch keine Lösung" für den Wiederaufbau der Darßbahn stark gemacht hat. Doch auch kritische Stimmen kamen am Abend zu Wort. Denn die teilweise neu zu verlegende Trasse der Darßbahn führt auch durch Naturschutz-Bereiche.

Reaktionen zur Entscheidung

  • René Roloff, Bürgermeister Prerow

    "Das ist ein toller Tag für die Region. Die Bahn wird eine große Bereicherung sein. Man kann dann in Stralsund in den Zug steigen, nach Prerow fahren - auf's Schiff umsteigen, nach Dänemark fahren oder die Gelegenheit nutzen, über den Prerowstrom oder den Bodden zu fahren. Das sind auf einmal ganz neue Verkehrsverbindungen und Attraktionen, die uns hier bereichern werden.

  • Diana Veronika Behr, Geschäftsführerin Steuerzahlerbund MV

    "Hier wird jede Menge Steuergeld eingesetzt, aber es fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept. Die Kosten sind noch völlig unklar. Im Zuge des Baus der Darßbahn sollen die Buslinien eingeschränkt werden. Da fragt man sich, wo ist da das Gesamtkonzept? Einerseits wird der ÖPNV ausgebaut, andererseits wieder eingeschränkt."

  • Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, SPD

    "Die Darßbahn kommt. Sie wird künftig wieder von Velgast über Barth nach Zingst und Prerow führen. Und wir sind fest überzeugt, dass sie Vorpommern weiter voranbringt. Sie ist eines der wichtigsten Projekte für Vorpommern, für mehr Anbindung der Touristen, aber auch für Entlastung im Autoverkehr, für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr, für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort."

  • Christian Pegel, Landesverkehrsminister, SPD

    "Entscheidend ist, dass der Löwenanteil der Kosten die Brücke über den Meiningenstrom ist. Ich halte es für realistisch, dass wir Mitte der 20er-Jahre tatsächlich weiterkommen. Aber das ist dann die positivste Entwicklung, die wir brauchen. Ich gehe momentan nicht von Oberleitungen aus. Oberleitungen sind extrem teuer. In Zukunft wird man mit Sicherheit gucken müssen, dass man etwas kriegt, was elektrobasiert ist, in dem beispielsweise Wasserstoff eingesetzt wird."

  • Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister, CSU:

    "Mit der Schiene und einem attraktiven Zugverkehr stärken wir Deutschland gezielt - neben den Fernverbindungen auch die touristischen Regionen und den ländlichen Raum."

  • Mignon Schwenke, Verkehrsexpertin der Landtags-Linksfraktion MV

    "Mit der Entscheidung zum Bau der Darßbahn kann perspektivisch ein Verkehrskollaps in dieser zunehmend beliebteren Tourismusregion abgewendet werden. Wenn weniger Autos die Orte belasten, ist das gut für Einheimische und Gäste."

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Entlastung für den Straßenverkehr auf dem Darß

Mit der Bahnstrecke soll die Tourismusregion Darß wieder besser an öffentliche Verkehrsmittel angebunden werden. Im Sommer 2019 hatte das Landesamt für Verkehr und Straßenbau betroffene Personen und Gemeinden angehört. Diese Einwendungen sollten in die Planungen einfließen, sofern die Umsetzung möglich sei.

Freude in Prerow, Kritik vom Steuerzahlerbund

Die überraschende Nachricht wurde auf dem Darß erfreut aufgenommen. Prerows Bürgermeister René Roloff sagte NDR 1 Radio MV, es sei ein toller Tag. Die Darßbahn werde eine große Bereicherung für die ganze Region sein. Man sollte jetzt daraufhinarbeiten, dass die Bahn eine Touristenattraktion wird. Mit Blick auf den geplanten neuen Ostseehafen des Landes in seinem Ort verspricht sich Roloff Synergieeffekte. Kritik kommt vom Bund der Steuerzahler in Mecklenburg-Vorpommern. Es fehle ein Gesamtkonzept, so Geschäftsführerin Diana Veronika Behr. Im Zuge des Ausbaus der Darßbahn sei geplant, Busverbindungen in der Region einzuschränken. Behr kritisierte zudem, dass die veranschlagten 115 bis 120 Millionen Gesamtbaukosten viel zu niedrig angesetzt seien. Denn diese beruhten auf veralteten Kalkulationen.

Geschichte der Darßbahn

Die Darßbahn war 1910 in Betrieb genommen worden und verband die Stadt Barth am Bodden auf dem Festland mit Prerow an der Nordspitze des Darß.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gleise teilweise als Reparationsleistungen demontiert. Mit Auflösung von NVA-Stützpunkten in der Region 1990 wurde auch die Strecke Barth-Bresewitz nicht mehr benötigt und der Verkehr eingestellt.

Seit 2002 bedient die Usedomer Bäderbahn (UBB) den Abschnitt zwischen Velgast an der Fernstrecke Rostock-Stralsund und Barth regelmäßig mit Nahverkehrszügen.

Auch zweite Bahnanbindung für Usedom soll auf den Weg

Vorpommern soll weiter vorangebracht werden: Ministerpräsidentin Schwesig und Verkehrsminister Pegel ließen keinen Zweifel daran, das sie auch die zweite Bahnanbindung für Usedom auf den Weg bringen möchten, über eine dann wiederaufgebaute Karniner Brücke.

Weitere Informationen

Darßbahn: Pruchten scheitert vor dem OVG

18.06.2019 16:00 Uhr

Die Gemeinde Pruchten ist vor dem Oberverwaltungsgericht mit ihrer Klage gegen den Wiederaufbau der Darßbahn gescheitert. Eine Revision hat das OVG ausgeschlossen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 05.02.2020 | 06:41 Uhr

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