Stand: 07.05.2018 15:46 Uhr

Auf der Spur der verschwundenen Wege

Auf alten Karten sind sie noch eingezeichnet, doch in Wirklichkeit gibt es sie gar nicht mehr: alte Wege. Oftmals nicht mehr als schmale Trampelpfade, führten sie durch Feld und Flur und verbanden Orte und Menschen miteinander. Doch heute sind viele verschwunden. Sie wurden schlicht und einfach untergepflügt - viele bereits zu DDR-Zeiten, einige erst nach der Wende. Eine Greifswalder Initiative hat dazu aufgerufen, die verschwundenen Wege zu melden - und ist auf große Resonanz gestoßen.

Zwei Männer besprechen Unterlagen auf einem Feld.

Auf der Suche nach verschwundenen Wegen

Nordmagazin -

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wurden viele Landwege untergepflügt. Eine Greifswalder Initiative will sie nun wieder anlegen lassen.

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Endloser Raps, wo früher ein Weg war

Heutzutage muss sich Erich Ehrenberg mühsamen Schrittes durch den kniehohen Raps quälen, vor 40 Jahren war hier noch ein richtiger Weg. Er führte durch die Felder von Groß Karrendorf nach Frätow bei Greifswald. Als junger Mann ist Ehrenberg ihn oft gegangen, um Freunde zu besuchen. Er würde den Weg gern zurückhaben: "Als Jugendlicher ist man überall rumgeströpt über Wald und Flur. Da hat man jede Ecke untersucht", erinnert sich Ehrenberg. "Das war ja dann auch für die Natur gut, weil an den Wegrändern Büsche und Bäume gewachsen sind. Das war ganz im Sinne der Natur."

Initiative sucht nach verschwundenen Wegen

Auch andernorts sind schöne Fußwege - etwa der nach Lodmannshagen - umgepflügt worden. Statt durch die Felder müssen Fußgänger oft den Umweg über vielbefahrene Straßen nehmen. Der Grünen-Politiker Waldemar Okon und seine Mitstreiter von der Initiative wollen die untergepflügten Wege wieder anlegen lassen. Noch sind sie nämlich auf den alten Karten eingezeichnet - und viele Einwohner erinnern sich auch noch. Offenbar traf die Initiative einen Nerv: "Es haben sich gleich eine ganze Reihe Leute gemeldet. Nicht nur im Bereich von Greifswald, sondern in der gesamten Umgebung. Bis hin zur polnischen Grenze wurden uns Wege gemeldet", so Okon.

NABU: Indiz für Verarmung der Kulturlandschaft

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Rund um Greifswald wurden der Initiative rund 40 verschwundene Wege gemeldet.

Mittlerweile sind die Initiatoren auf mehr als 40 solcher verschwundener Wege aufmerksam gemacht worden. "Wir würden gerne den Bestand und den Verlust von Feldwegen kartieren", sagt Sebastian Schmidt vom NABU Greifswald. "Als ein Indikator dafür, wie sehr unserer Kulturlandschaft verarmt und verödet - mit allen ökologischen wie auch sozialen Konsequenzen." Eine interaktive Karte mit den verschwundenen Wegen haben sie ins Internet gestellt.

Skepsis bei Kommunen und Landwirten

Ganz andere Sorgen hat momentan der Bürgermeister von Mesekenhagen, Geert Christoph Seidlein (CDU): die Unterhaltung von Straßen und Wegen, die bereits da sind. "Im Kataster existieren auf diesem großen Feld hier diverse andere kleine Flurstücke", sagt Seidlein und zeigt auf ein riesiges Feld. "Dann kann man ja auch sagen, man will die landwirtschaftliche Bewirtschaftung wie vor 100 Jahren wiederhaben. Dann ist das nicht ein großer Schlag, sondern zehn kleine Felder mit sechs verschiedenen Landwirten. Aber das führt ja auch nicht zum Ziel."

Verband verweist auf hohe Kosten

Auch der Landesbauernverband ist skeptisch. Nicht nur durch die Einrichtung der Wege, sondern auch durch deren Pflege und Instandhaltung entstünden hohe laufende Kosten für die Gemeinden sowie erhebliche Probleme bei der Bewirtschaftung der Felder für die Landwirte", teilte der Verband mit.

"Wichtig ist, dass die Natur intakt bleibt"

Insgesamt wurden rund um Greifswald 50 Kilometer Wege auf 17 Hektar Fläche umgepflügt. Den Einwohnern bleiben für Spaziergänge meist nur die Straßen. Eine kleinteilige Infrastruktur gibt es nicht mehr. "Wichtig ist, dass die Natur intakt bleibt", meint Ehrenberg. Aber davon sei nicht mehr viel übrig. Und so hofft er, dass die Initiative Gehör findet bei der Politik und er seinen alten Weg wiederbekommt.

Dieses Thema im Programm:

07.05.2018 | 19:30 Uhr

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