NDR Info - Redezeit

Klimaschutz in Kriegszeiten - Machen wir Fort- oder Rückschritte?

Dienstag, 18. Oktober 2022, 21:03 bis 22:00 Uhr, NDR Info

Eine Person hält eine Weltkugel in ihren Händen © PantherMedia Foto: Jakub Krechowicz

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verschiebt auch die Koordinaten in der deutschen Energiepolitik: Versorgungssicherheit steht im Fokus. Heißt das gleichzeitig, dass der Klimaschutz unter die Räder gerät?

Grundsätzlich bindet der Krieg finanzielle Ressourcen, die für Reformen im Industrie- und Energiesektor fehlen könnte. Dazu hat auch Deutschland seine Militärausgaben deutlich erhöht; Milliarden für Militärtechnik, die meist weder klima- noch umweltfreundlich ist und eine hohen Schadstoffausstoß produziert. Und auch wenn Krieg und Klimakrise in vielen Punkten eng zusammenhängen, in punkto öffentliche Aufmerksamkeit stehen sie bisweilen in Konkurrenz zueinander?

Klimapolitische Entscheidungen: Wie fällt die Bilanz aus?

Es gibt unterschiedliche Tendenzen: Durch die Ausfälle bei den Gaslieferungen, legt der Anteil von Kohle im Strommix zu. An den Küsten entstehen neue Terminals für die Anlieferung von fossilem Gas. Gleichzeitig wird der Ausbau der Erneuerbaren Energie beschleunigt, auch um die Energieunabhängigkeit schnellstmöglich zu erhöhen. Im August dieses Jahres lag der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Stromverbrauch bei knapp fünfzig Prozent. Dazu ist der Faktor "Energiesparen" durch die rasant gestiegenen Preise ins Zentrum gerückt. Können die energiepolitischen Folgen des Krieges eine grüne Energiewende in Deutschland beflügeln? Wie sieht es EU-weit und darüber hinaus aus?

Windräder mit dahinterliegendem Kohlekraftwerk © photocase.de Foto: birdys
AUDIO: Alle brauchen Energie - gerät der Klimaschutz unter die Räder? (25 Min)

Atomkraft oder Entlastungspakete: Was sind richtige Weichenstellungen?

Mit einem Machtwort hat Bundeskanzler Scholz nun angeordnet, alle drei verbliebenen Atommeiler - also auch das AKW Emsland bei Lingen - bis Mitte April im Leistungsbetrieb zu halten. In dem "Atom-Streit" wird von Befürwortern einer längeren Laufzeit auch die Äußerung der Fridays for Future-Ikone Greta Thunberg dankbar aufgenommen: Klimapolitisch sei es aktuell falsch, existierende AKW abzuschalten, während noch Kohle und Gas verstromt werden, erklärte Thunberg. Welches klimapolitische Gewicht kommt der Entscheidung im AKW-Streit zu?

Viele Milliarden werden derzeit eingesetzt, um Unternehmen und Privathaushalte von den massiv gestiegenen Energiekosten zu entlasten. Bleiben dabei ausreichend Anreize für Energieeffizienz und den Umstieg auf Erneuerbare Energiequellen? Welche sind die richtigen klimapolitischen Weichenstellungen?

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An den Redezeit-Sendetagen können Sie ab 19.30 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer (08000) 44 17 77 anrufen und Ihre Fragen stellen. Oder Sie schreiben uns über das Formular.

Die Sendung können Sie hier im NDR Info Radio-Livestream und im Video-Livestream verfolgen.

NDR Info Moderator Gerd Wolff begrüßte als Gäste:

Prof. Dr. Manuel Frondel
Leiter des Kompetenzbereiches "Umwelt und Ressourcen" am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung

Viviane Raddatz
Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik bei WWF Deutschland

Jörg Staude
Redakteur bei Klimareporter Berlin

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