Stand: 27.11.2019 14:45 Uhr

Wer im Norden bei der Energiewende auftrumpft

von Marc-Oliver Rehrmann

Windkraftanlagen zwischen Stromleitungen auf einer großen Wiese © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
Bei der Energiewende spielt - besonders im Norden - die Windkraft eine große Rolle.

Schleswig-Holstein ist das Bundesland, das am meisten für die Energiewende unternimmt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, die am Mittwoch veröffentlicht worden ist. Als zweitbestes norddeutsches Bundesland landet Mecklenburg-Vorpommern auf Rang fünf, Niedersachsen ist auf Platz sieben eingestuft. Hamburg schafft es nur auf Platz zehn. Drei Institutionen haben die Analyse ausgearbeitet: die Agentur für Erneuerbare Energien, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. Es ist seit 2008 der sechste Bundesländer-Vergleich in dieser Reihe. Für die Analyse haben die Experten 61 Kriterien untersucht - darunter etwa Ökostrom-Anteile, Forschung und Patente, politische Ziele und Maßnahmen sowie Arbeitsplätze in der Branche. Die niedrigsten Punktzahlen in diesem Jahr erreichen Berlin und das Saarland.

Schleswig-Holstein: Einer der Vorreiter in Deutschland

Schleswig-Holstein hatte im vorangegangenen Ranking aus dem Jahr 2017 noch auf Rang fünf gelegen, nun führt das nördlichste Bundesland das Gesamtranking vor Baden-Württemberg und Bayern an. "Schleswig-Holstein ist insbesondere bei der Nutzung erneuerbarer Energien einer der Vorreiter in der Bundesrepublik", heißt es in der Studie. Während früher vor allem die Atomkraft für einen Strom-Überschuss sorgte, sind inzwischen erneuerbare Energien mit einem Anteil von 69 Prozent die wichtigste Stromquelle. Auch bei der Nutzung von Biomasse stehe das Land gut da. Nur bei der Wasserkraft werde "das vorhandene Potenzial noch vergleichsweise wenig genutzt", meinen die Analysten. Auch die Forschungsausgaben könnten noch gesteigert werden.

Mecklenburg-Vorpommern: Gut bei der Windenergie

Durch den Ausbau von Wind-, Bio- und Solarenergie habe sich Mecklenburg-Vorpommern zu einem bedeutenden Strom-Exporteur entwickelt, hält die Studie fest. Dennoch fällt das Land im Vergleich zum Jahr 2017 von Rang zwei auf fünf zurück. Die Anstrengungen zur Nutzung erneuerbarer Energien seien deutlich schwächer geworden, kritisieren die Experten. So seien die Forschungsausgaben des Landes auf null zurückgefahren worden. Die Bewertung der Energiepolitik des Landes sei "insgesamt durchschnittlich". Die Politik zur Solar- und Bioenergie wird relativ schlecht bewertet. Die für das Land an der Ostseeküste besonders wichtige Windenergie-Politik sei aber die zweitbeste in der Bundesrepublik. Ein weiterer Pluspunkt: Das Land weise den bundesweit höchsten Anteil von Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien auf.

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Niedersachsen: Zu wenig Solarenergie

Im Gesamtranking liegt Niedersachsen auf Platz sieben und konnte sich damit um eine Platzierung gegenüber der Analyse von 2017 verbessern. Die Energiepolitik der Landesregierung wird insgesamt als durchschnittlich bewertet. "Obwohl das Land die Windenergie bereits relativ gut ausnutzt, bleiben viele andere Potenziale noch ungenutzt - insbesondere im Solarenergie-Bereich", schreiben die Analysten. Sie loben, dass Niedersachsen mit den höchsten Forschungsausgaben im Bereich der erneuerbaren Energien aufwartet. Auch das politische Engagement für die Branche sei bundesweit führend. "Die Förderung der Elektromobilität könnte dagegen noch deutlich intensiviert werden." Mit Blick auf die Zukunft bleibe abzuwarten, auf welche Ziele sich die Politik beim vorgesehenen Klimaschutz-Gesetz einigen kann. Die Landesregierung plant, die Energie-Versorgung bis 2050 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen.

Hamburg: Zu viel Steinkohle bei der Strom-Erzeugung

Hamburg konnte sich im Vergleich der Bundesländer gegenüber 2017 um einen Rang verbessern. Die Hansestadt ist damit punktbester Stadtstaat im Gesamtranking. Aber der Strom-Mix überzeugt die Experten nicht: Bei der Stromerzeugung dominiere die Steinkohle - insbesondere seit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Moorburg im Jahr 2015 - mit einem Anteil von 84,8 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien betrage weniger als fünf Prozent - das sei der schlechteste Wert aller Bundesländer. Zudem werde das Potenzial der Solarenergie "kaum genutzt". Bei der Biomasse-Stromerzeugung erreicht die Hansestadt hingegen Rang drei. Die Experten kritisieren, dass in Hamburg "immer noch umfassende Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien fehlen". Lediglich hinsichtlich der Windenergie gebe der Koalitionsvertrag von 2015 bestimmte Ziele vor. Immerhin landet Hamburg bei der Förderung der Elektromobilität im Länder-Vergleich auf Platz drei. Darüber hinaus punktet die Stadt bei der Zahl der Patent-Anmeldungen und der Wasserstoff-Tankstellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 27.11.2019 | 11:45 Uhr

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