Stand: 18.05.2020 06:00 Uhr

"Kinder sollen möglichst sorgenfrei spielen können"

Neue Lockerungen der Corona-Beschränkungen: Auch die Betreuung von Kita-Kindern wird in Norddeutschland wieder hochgefahren. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein soll die Auslastung der Kitas innerhalb der ersten zwei Juni-Wochen wieder etwa 50 Prozent erreichen. Auch Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern öffnen die Kindergärten schrittweise wieder. Ab heute dürfen dort - neben der bisherigen Notbetreuung - auch Fünf- und Sechsjährige wieder zurück in die Kindergärten. Wie bereiten sich die Einrichtungen darauf vor? NDR Info hat eine Kita in Hamburg-Altona besucht.

von Marie Löwenstein

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Auch die Hamburger Zeiseweg-Kita öffnet schrittweise wieder.

In der Zeiseweg-Kita in Hamburg-Altona sind zwei Geburtstagskränze aufgebaut - für Mia und Carlotta. Ihren vierten Geburtstag konnten sie wegen der Corona-Krise nicht mit der Kindergarten-Gruppe feiern. Die Geburtstagsfeiern werden aber sobald es geht nachgeholt, sagt ihre Betreuerin Alice Amann: "Den Kindern ist es wichtig, hier Geburtstag zu feiern. Darauf möchten sie auch nicht verzichten. Deswegen machen wir das auch."

Geburtstagsfeiern wird es nun viele geben. Denn die Kita am Zeiseweg - eine große Einrichtung mit mehr als 160 Plätzen - öffnet ab dieser Woche schrittweise wieder. Zuerst gab es auch hier nur eine Notbetreuung für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen und Alleinerziehende. Dann wurde die Notbetreuung unter Auflagen für Eltern in besonderen Notlagen geöffnet.

Auch "Abschiedskinder" dürfen kommen

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Jessica Latzenberger leitet die Zeiseweg-Kita in Hamburg-Altona.

Von dieser Woche an dürfen zudem alle Vorschulkinder zurückkommen. Außerdem sogenannte Abschiedskinder, die im Sommer eine Vorschule besuchen werden. Für die Fünf- und Sechsjährigen sei das besonders wichtig, erklärt Kita-Leiterin Jessica Latzenberger: "Um dann wirklich auch bereit für die Schule zu sein. Dass sie sich auch verabschieden können von ihren Bezugs-Erziehern, die sie ja drei Jahre begleitet haben, von ihren Freuden hier in der Kita. Sie gehen ja auch zu verschiedenen Schulen. Da trennen sich noch mal die Wege. Das ist wirklich elementar."

80 Kinder kommen ab dieser Woche wieder hier in die Kita. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, habe sie streng voneinander getrennte Gruppen gebildet, erklärt die Kita-Leiterin. Das heißt anders als sonst dürfen sich die Kinder nicht gegenseitig besuchen. Das Außengelände nutzen sie abwechselnd oder in getrennten Bereichen. "Das können wir wunderbar räumlich teilen. Dass auch alle Kinder jeden Tag draußen spielen können: Das ist auch schön, dass wir das weiter ermöglichen können", so Latzenberger.

Kinder sollen möglichst wenig merken

Auch Sanitäranlagen, Türklinken, Tische und Sitzflächen werden jetzt regelmäßig von den Betreuern desinfiziert - eine große Mehrbelastung für sie. Zumal die Kinder davon möglichst nichts mitbekommen sollen. "Wenn jemand sofort etwas abwischt, womit ein Kind gerade gespielt hat, denkt das Kind, ich bin schuld, dass jetzt jemand rumwischen muss, weil ich vielleicht irgendwas an mir habe. Sie sollen wirklich sorgenfrei spielen können", betont die Leiterin.

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Die Betreuer der unterschiedlichen Gruppen versuchen, zueinander Abstand zu halten. Bei den Kindern funktioniere das aber nicht, sagt Latzenberger. Auch eine Maske tragen müssen nur die Eltern, wenn sie ihre Kinder abgeben. Das Personal habe sich dagegen entschieden: "Weil es einfach nicht praktikabel ist im Alltag. Wir möchten für die Kinder Mimik und Gestik bereitstellen. Da sind sich hier im Team alle einig - eine großartige Leistung, was die hier gerade machen."

Leiterin: Sind auf die Mithilfe der Eltern angewiesen

Um diese Leistung weiter erbringen zu können, ist der Erzieherin wichtig, dass die Notbetreuung weiterhin nur solche Familien nutzen, die darauf wirklich angewiesen sind. Gegebenenfalls auch nur an einzelnen Tagen: "Wir wollen natürlich dafür sorgen, dass die Eltern, die in der Daseinsvorsorge arbeiten und systemrelevant sind, auch weiterhin ihre Tätigkeit tun können und dass unsere Erzieher auch fit bleiben. Da sind wir auf die Eltern einfach auch angewiesen, dass sie alle mithelfen und solidarisch untereinander die Plätze teilen."

Wie sie den Infektionsschutz aufrechterhalten soll, wenn alle Altersgruppen regulär zurück sind, weiß Latzenberger aber auch noch nicht. Gleichzeitig ist ihr bewusst, wie extrem die derzeitige Situation Eltern und Kinder belastet. Die Kita versucht daher, online Kontakt zu den Kindern zu halten und den Eltern Arbeit abzunehmen, etwa beim Kochen. Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen, können täglich ans Küchenfenster der Kita kommen und sich ein Mittagessen herausreichen lassen. 

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NDR Info | Aktuell | 18.05.2020 | 06:20 Uhr

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