Eine Frau mit FFP2-Maske lehnt mit ihrem Gesicht an der Fensterscheibe und guckt hinaus. © Imago | Action Pictures Foto: Action Pictures

Gesichtsmasken: So effektiv helfen verschiedene Modelle

Stand: 14.12.2021 12:43 Uhr

Gesichtsmasken wirken besser gegen eine Corona-Infektion als lange gedacht. Dabei sind FFP2-Masken mit Abstand am effektivsten. Besonders, wenn sie richtig angepasst sind, wie eine aktuelle Studie bestätigte.

Eine FFP2- und eine OP-Maske liegen nebeneinander. © NDR Foto: Kathrin Weber
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von Yasmin Appelhans

Manchmal können schon wenige Handgriffe sehr wirksam sein. Eine Gesichtsmaske kann zum Beispiel viel besser vor Ansteckung schützen, wenn sie optimal ans Gesicht angepasst ist. "Der Effekt ist enorm. 30 Sekunden Ihrer Zeit bedeuten, dass die Infektionsrate um bis zu 30-mal geringer ist", sagt Mohsen Bagheri vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Er ist der Erstautor der Studie, die dies untersucht hat.

So sitzt die Maske optimal

Für die Anpassung drückt man den Nasenbügel zunächst ganz flach. Der Knick einer FFP2-Maske sollte möglichst gut geglättet werden. Danach biegt man nebeneinander zwei Halbkreise in den Bügel. Die Form sollte einem "W" mit abgerundeten Enden gleichen. Nun aufgesetzt, streicht man die Maske fest an Nase und Wagen an.

In der Studie zeigte sich, dass durch diese Anpassung besonders wenig Luft an der Maske vorbei strömen kann.

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Infektionsrisiko mit FFP2 verschwindend gering

Aber nicht nur wie gut es helfen kann, Masken an das Gesicht anzupassen, haben die Forschenden untersucht. Sie wollten in einem Worst-Case-Szenario herausfinden, wie gut Masken noch im schlechtesten Fall Infektionen verhindern können. Sie modellierten dafür ein Szenario, in dem zwei Personen mit wenig Abstand in einem geschlossenen Raum miteinander sprechen. Sie gingen dabei davon aus, dass alle infektiösen Partikel auch zu der anderen Person gelangen können und nicht beispielsweise seitlich abgelenkt werden.

Die Forschenden verglichen so auch FFP2-Masken mit chirurgischen Masken. Ihr Fazit: Selbst nicht optimal angepasste FFP2-Masken wirken noch über doppelt so gut gegen Infektionen wie optimal angepasste chirurgische Masken. Bei gut angepassten FFP2-Masken ist das Risiko sich zu infizieren über einen kurzen Zeitraum verschwindend gering.

Tragen zwei Menschen in einem Raum gut sitzende FFP2-Masken und ist einer von beiden infiziert, infiziert sich demnach die andere Person nur mit einer Wahrscheinlichkeit von etwas über einem Promille. Tragen beide optimal angepasste chirurgische Masken, liegt die Wahrscheinlichkeit schon bei zehn Prozent.

Das läge wahrscheinlich nicht nur an den verschiedenen Filtereigenschaften der Masken, sagt Mohsen Bagheri. Denn chirurgische Masken filtern nur wenig schlechter als FFP2-Masken. Die Forschenden gehen davon aus, dass der Unterschied auf die Form der Masken zurückzuführen ist. FFP2-Masken liegen durch ihr Design schon enger am Gesicht an als chirurgische Masken. Dadurch kann weniger Luft mit potenziell krank machenden Partikeln an ihnen vorbei strömen.

Stoffmasken gegen große Tröpfchen

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Eine FFP2- und eine OP-Maske liegen nebeneinander. © NDR Foto: Kathrin Weber
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Stoffmasken haben die Forschenden in der Studie nicht untersucht. Diese schützten zwar nicht vor den kleinen Aerosolen, die die Viren auch über große Distanzen transportieren können, sagt der Mainzer Aerosol-Forscher Ulrich Pöschl: "Gegen große Tröpfchen zum Beispiel helfen aber auch einfache Masken."

Die größeren, sogenannten ballistischen Tröpfchen können auch große Mengen an Viren enthalten, werden aber durch ihr Gewicht nicht ganz so weit transportiert wie Aerosole. Im Freien fallen sie im Normalfall im Umkreis von einem bis zwei Metern zu Boden. In einem geschlossenen Raum und auch draußen, wenn wenig Abstand gehalten werden kann, können auch Stoffmasken deshalb gegen eine Infektion durch Tröpfchen helfen.

Abstandhalten weniger effektiv als gedacht

Aerosole werden dagegen wesentlich weiter transportiert, besonders in geschlossenen Räumen. Die Ergebnisse des Worst-Case-Szenarios haben Mohsen Bagheri und Kolleginnen und Kollegen dabei selbst überrascht. Selbst bei einer langen Distanz von drei Metern Abstand zwischen zwei sprechenden Personen in Innenräumen liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 90 Prozent sich anzustecken, wenn keiner eine Maske trägt: "Es hat sich gezeigt, dass Abstandhalten allein nicht funktionieren kann", sagt Mohsen Bagheri.

Andere schützen mit Maske

Dabei kann jede Art von Maske tatsächlich andere besser schützen, als einen selbst. Denn stößt eine infizierte Person Partikel aus, werden sie beim Transport immer kleiner. Irgendwann sind sie so klein, dass sie durch die Masken von noch nicht Infizierten dringen und diese krank machen können. Werden sie gleich zu Anfang durch eine Maske aufgehalten, können sie gar nicht erst diese gefährliche Größe erreichen.

Aerosolforscher Ulrich Pöschl trägt deshalb auch über einen langen Zeitraum "sehr viel und sehr gerne" FFP2- oder sogar FFP3-Masken. Auch Mohsen Bagheris Plädoyer fällt entsprechend aus: "Bitte verwenden Sie FFP2-Masken! Wenn Sie keinen Zugang zu diesen haben, versuchen Sie es mit irgendeiner Art von Masken. Sie reduzieren damit das Infektionsrisiko enorm."

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