NDR Info Moderatorin Korinna Hennig im Studio. © NDR/ Foto: Christian Spielmann

Ein Jahr Podcast Coronavirus-Update: So fing alles an

Stand: 26.02.2021 06:00 Uhr

In einer Jubiläums-Sonderausgabe des NDR Info Podcasts "Coronavirus-Update" wirft das Team einen Blick zurück auf die Anfangszeit der Pandemie. Ein Ende des erfolgreichen Podcasts ist noch nicht in Sicht.

von Marc-Oliver Rehrmann

Am 26. Februar 2020 ging es los: NDR Info sendet die erste Folge des Podcasts "Das Coronavirus-Update" mit dem Virologen Christian Drosten und Wissenschaftsredakteurin Korinna Hennig. Der Titel lautet: "Wir können die Ausbreitung verlangsamen". "Es war eine Zeit von größter öffentlicher Aufregung und Ratlosigkeit", erinnert sich Christian Drosten. In Virologen-Kreisen sei man schon damals davon ausgegangen, dass die Verbreitung des neuartigen Coronavirus ähnlich verlaufen könnte wie die der spanischen Grippe in den Jahren 1918 bis 1920.

Beke Schulmann © NDR/ Foto: Christian Spielmann
AUDIO: Die Jubiläums-Sonderausgabe: 1 Jahr Coronavirus-Update (40 Min)

Drosten: Der Podcast war für mich ein guter Ausweg

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie © picture alliance/dpa/dpa Pool Foto: Michael Kappeler
Mann der ersten Stunde: Christian Drosten beantwortet in dem Podcast Fragen rund um die Corona-Pandemie.

Drosten hatte schnell zugesagt, als der NDR anfragte, ob er sich eine Zusammenarbeit für einen Podcast vorstellen könne. "Das war damals eine praktische Überlegung", erklärt der Leiter der Virologie an der Berliner Charité. "Denn ich hatte zu dieser Zeit einfach so viele Anfragen von Medien - zu immer demselben Thema und das waren zum Teil im Wortlaut dieselben Fragen. Mir war klar: Ich kann nicht dasselbe Interview morgens vor der Arbeit vier bis fünf Fernseh- oder Radio-Sendern geben." Der Podcast sei ihm da wie ein guter Ausweg erschienen: "Fortan musste ich eine Frage nur einmal beantworten, jeder konnte sich die Antwort später in Ruhe anhören und ich konnte den Rest des Tages etwas anderes machen."

Wie aus einem kurzen Update ein langes wurde

Eigentlich war vorgesehen, jeden Tag nur ein kurzes Update zur Entwicklung der Corona-Pandemie zu liefern. Aber schon die erste Folge dauerte viel länger als geplant: ganze 36 Minuten. Eine Ewigkeit in der Radiowelt. "Nach der ersten Folge habe ich noch gedacht, dass wir die zweite Folge dann wohl kürzer machen können", erinnert sich Korinna Hennig. Aber bei der Aufzeichnung der zweiten Folge merkte die Redakteurin schnell: "Es macht überhaupt keinen Sinn, möglichst kurz zu sein. Wir wollen ja so viele Menschen wie möglich erreichen. Wenn man nicht nur für virologische Nerds sendet, muss man ein paar Dinge mehr erklären. Aber wir wollen gleichzeitig auch einen Mehrwert liefern, und nicht nur sagen, was ein Virus im Vergleich zu einem Bakterium ausmacht. Und dafür braucht es die Länge."

Dass die Folgen später bis zu zwei Stunden lang sein würden, war aber auch noch nicht abzusehen. "Nach jeder Folge nehmen wir uns vor: Beim nächsten Mal machen wir es kürzer", verrät Korinna Hennig. "Aber das ist bei den vielen Themen einfach schwierig."

Ciesek: Für Virologen ist der Podcast eine große Hilfe

Die Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek © Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Ellen Lewis
Seit September 2020 gehört auch die Virologin Sandra Ciesek zum "Stammpersonal" des Podcasts.

In der Frühphase der Pandemie zählt auch schon die Virologin Sandra Ciesek aus Frankfurt am Main zu den Hörer*innen des Podcasts. "Für uns Virologen waren die Folgen mit Christian Drosten eine große Hilfe. Sie boten eine schnelle Orientierung, sodass man seinen Arbeitsalltag im Kampf gegen das Coronavirus besser planen konnte."

Eine Erfolgsgeschichte: 86 Millionen Abrufe und viele Auszeichnungen

Inzwischen hat der Podcast 77 Folgen. Mit rund 86 Millionen Abrufen gehört das Coronavirus-Update von NDR Info zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Podcasts. Die Zusammenfassungen der einzelnen Folgen als Artikel auf NDR.de werden mitunter mehr als 500.000 Mal geklickt. Der Podcast erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter zwei Grimme Online Awards, den Preis der Bundespressekonferenz und den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus.

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Das Coronavirus © CDC on Unsplash Foto: CDC on Unsplash

Das Coronavirus-Update von NDR Info

Christian Drosten und Sandra Ciesek geben im wöchentlichen Wechsel Einblicke in aktuelle Erkenntnisse der Forschung. mehr

Drosten: "Die Popularität habe ich nie angestrebt"

Für Christian Drosten bringt der Erfolg des Podcasts einen großen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung mit sich. "Das ist irreal", sagt Drosten. "Vor allem ist das nichts, was ich angestrebt hätte. Ich kann nur hoffen, dass das mal wieder abebbt." Ihn stört, welches Bild einige Medien von ihm zeichnen. "Es ist befremdlich zu sehen, wie man zu einer Figur gemacht wird, die gar nichts mit dem zu tun hat, wer man ist und was man denkt und fühlt."

"Die Vorbereitung wird immer intensiver"

Zunächst lief der Podcast täglich von Montag bis Freitag, dann mehrmals in der Woche und seit etwa einem halben Jahr wird einmal die Woche eine neue Folge veröffentlicht. "Die Vorbereitung für den Podcast wird immer intensiver", sagt Christian Drosten. "Damals am Anfang musste ich mich nicht vorbereiten. Ich habe einfach erzählt, was ich generell so parat habe." Inzwischen müsse er viele neue Studien lesen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. "Da ich versuche, die Wochenenden für die Familie freizuhalten, kann der Montagnachmittag vor der Podcast-Aufzeichnung ganz schön hektisch werden."

Ciesek: "In Talkshows gehe ich nicht"

Seit September 2020 ist auch die Virologin Sandra Ciesek ein regelmäßiger Gesprächsgast im Podcast "Das Coronavirus-Update". Sie wechselt sich seitdem im Zwei-Wochen-Rhythmus mit Christian Drosten ab und berichtet über neue Erkenntnisse aus der Forschung zum Virus und klärt Fragen rund um die Pandemie. "Vor meiner Zusage habe ich nicht lange darüber nachgedacht", sagt Sandra Ciesek." Der Podcast ist einfach eine schöne Gelegenheit, den Leuten die Zusammenhänge erklären zu können." Das Podcast-Format liege ihr auch besser als Fernseh-Auftritte. "In Talkshows gehe ich nicht."

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Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Wie lange wird es den Podcast noch geben?

Ein Ende des Podcasts ist noch nicht abzusehen. "Ich kann einfach nicht sagen, wie lange wir das 'Coronavirus-Update' noch machen werden", verrät Wissenschaftsredakteurin Korinna Hennig. Überlegungen dazu habe es schon zu verschiedenen Zeitpunkten gegeben. "Vor einiger Zeit haben wir gesagt, wir machen den Podcast, bis ein Impfstoff vorliegt", so Korinna Hennig. "Aber jetzt merken wir, dass gerade mit den jetzt zugelassenen Impfstoffen viele neue Fragen aufkommen." Das Bedürfnis nach Information sei sehr groß. "Das Infektionsgeschehen müsste sich schon deutlich abschwächen, bevor man über ein Ende des Podcasts nachdenken sollte."

Zu Weihnachten habe es im Podcast-Team das Gedankenspiel gegeben, ob man nicht wöchentlich, sondern 14-täglich senden sollte - weil gegen Ende des Jahres der Eindruck entstanden war, dass sich manche Themen wiederholten. Doch mit dem Aufkommen der Virus-Mutanten sei noch mal eine völlig neue Situation entstanden. Bis zum Sommer werde der Podcast wohl auf jeden Fall fortbestehen.

Drosten: Jetzt kommt eine der schwierigsten Phasen

Auch Christian Drosten hält den Podcast weiterhin für wichtig. "Ich habe einfach vor Augen, was demnächst an Aufgaben ansteht, gesellschaftlich und politisch. Es geht jetzt auf der organisatorischen Ebene um die Wurst. Werden wir in Deutschland die zu erwartenden, erheblichen Impfmengen auch verimpfen können?" Das sei nicht nur eine Frage des Vertrauens in die Impfstoffe. Die Frage laute auch: Wie gelingt es, sehr effizient zu impfen?" Drosten zeigt sich sicher, dass sich große Kreise in der Bevölkerung bereitwillig impfen lassen würden. "Da ist aber sehr viel zu organisieren: Kriege ich meine Impfung im Impfzentrum? Wie komme ich an den Termin? Wann bin ich eigentlich dran? Wie ist das mit den Prioritätsgruppen? Es ist ein bisschen naiv zu denken, dass das alles so schön der Reihe nach und wie am Schnürchen klappt." Da werde es viele Diskussionen geben. Drosten setzt darauf, dass der Podcast "hier und da ein paar essentielle und nüchterne Informationen einspielen kann in diese gesellschaftliche Diskussion".

"Ich glaube, dass jetzt eine der schwierigsten Phasen kommt, nämlich die wirklich aktive Phase bei der Bewältigung der Pandemie", sagt Drosten. Von den kommenden Wochen und Monaten hänge es ab, wann das Schlimmste der Pandemie überstanden sein wird. "Schaffen wir das im Groben bis zum Sommer oder doch erst zum Jahresende?"

Erzählen Sie uns Ihre Corona-Geschichte!

Seit gut einem Jahr leben wir mit Corona. Wie haben Sie die Zeit erlebt? Wir suchen Ihre persönlichen Geschichten für eine Sonderfolge unseres Podcasts Coronavirus-Update. Schicken Sie uns einfach eine Sprachnachricht über die NDR Info App. Die Redaktion wählt die Geschichten aus und veröffentlicht sie im Podcast am 16. März.

Jeden Dienstag eine neue Folge

Das NDR Info "Coronavirus-Update" bietet jeden Dienstag ab etwa 17 Uhr eine frische Folge - zu finden auf www.ndr.de/coronaupdate, in der ARD Audiothek und dort, wo es Podcasts gibt. Gleichzeitig erscheint auf NDR.de ein Artikel mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen. Eine gekürzte Version des Podcasts läuft dienstags um 18.05 Uhr im Radio auf NDR Info.

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NDR Info | 26.02.2021 | 06:00 Uhr

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