Warnstreik in Hamburger Kitas - Demo auf dem Rathausmarkt

Stand: 04.05.2022 14:59 Uhr

Beschäftigte von Kitas und beim Ganztagsangebot von Schulen haben am Mittwoch ihren Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen in Hamburg mit einem Warnstreik Nachdruck verliehen.

Erzieherinnen und Erzieher, Kinderpfleger und -pflegerinnen, Sozialassistierende und andere Berufsgruppen aus Kitas und der Ganztagsbetreuung in Schulen legten die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft ver.di hatte die pädagogischen Beschäftigten der Einrichtungen der Elbkinder, der Rudolf-Ballin-Stiftung, des Studierendenwerks, des Arbeiter-Samariter-Bundes, des Hamburger Schulvereins und der Asklepios Kitas zum Warnstreik aufgerufen. Am Morgen versammelten sich die Beschäftigten zunächst am Gewerkschaftshaus unweit des Hauptbahnhofs. Sie zogen dann zum Rathausmarkt, wo nach Angaben von ver.di mehr als 2.000 Demonstrierende an der Abschlusskundgebung teilnahmen.

"Die Beschäftigten haben heute eindrucksvoll gezeigt, dass sie auf Anerkennung und Entlastung nicht in alle Ewigkeit warten werden", sagte ver.di-Fachbereichsleiterin Hilke Stein. Ihr Einsatz und ihre Motivation trotz der enormen Belastungen verdienten tarifliche Sicherheit, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Anerkennung. "Jetzt muss in die soziale Sicherheit der Gesellschaft investiert werden", forderte Stein. Der nächste große Streiktag ist nach Angaben der Gewerkschaft auf den übernächsten Freitag terminiert.

Wenigstens Notbetreuung in vielen Kitas

Die meisten Kitas konnten trotz des Warnstreiks aber eine Betreuung anbieten. Beispielsweise blieben von den 184 Elbkinder-Standorten nur 35 dicht. Im Rest gab es mindestens eine Notbetreuung. Der Arbeiter-Samariter-Bund wollte nach Absprache mit den betroffenen Eltern lediglich eine von 15 Kitas geschlossen lassen. Wer sein Kind nicht anderweitig unterbringen konnte, für den gab es eine Ausweichadresse. Die Rudolf-Ballin-Stiftung schloss 4 von 20 Standorten. Bei Asklepios wurde keine Kita geschlossen, allerdings sollte es an drei Standorten (Altona, Barmbek, Rissen) eingeschränkte Öffnungszeiten geben und in St. Georg einen Notbetrieb.

Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen gefordert

Hintergrund sind laufende Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 330.000 Beschäftigten - rund 25.000 davon allein in Hamburg - in den Sozial- und Erziehungsdiensten im kommunalen Bereich. Ver.di fordert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und eine finanzielle Anerkennung der Arbeit. Nach Ansicht der Gewerkschaft ist das Kita-Personal überlastet. Allein in Hamburg fehlen demnach 4.000 Fachkräfte. Jeder vierte Berufsanfänger schmeiße hin, heißt es.

Auch Streiks bei Sozialarbeitern und in der Behindertenhilfe

Am Montag hatten sich schon Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bei Fördern & Wohnen sowie bei den Asklepios Kliniken und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf an einem eintägigen Warnstreik beteiligt. Am Donnerstag sollen Beschäftigte der Behindertenhilfe die Arbeit niederlegen. Aufgerufen sind laut ver.di die Beschäftigten von Leben mit Behinderung, dem Hamburger Lebenshilfewerk und den Elbe Werkstätten.

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Eine Fahne mit der Aufschrift "ver.di" weht vor dem Neuen Rathaus während einer Kundgebung der Gewerkschaft Verdi auf dem Trammplatz in Hannover. © picture alliance/dpa | Mia Bucher Foto: Mia Bucher

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.05.2022 | 14:00 Uhr

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