Stand: 27.09.2018 18:41 Uhr

Fraktionschef Kruse verlässt die AfD

Jörn Kruse (AfD) steht auf dem NDR Gelände am Rothenbaum.
"Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende“, schrieb Jörn Kruse in einer Stellungnahme.

Einer der bekanntesten Hamburger AfD-Politiker verlässt die Partei: Jörn Kruse, bislang Vorsitzender der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, hat am Donnerstag seinen Austritt erklärt. In einem langen Schreiben an die Partei und die AfD-Fraktion, das NDR 90,3 vorliegt, machte er dafür die Entwicklung der AfD nach rechts verantwortlich. "Die zunehmende Zusammenarbeit von Teilen der AfD mit Rechten und Rechtsradikalen ist für mich vollständig untolerierbar."

Höcke und Kalbitz brachten "Fass zum Überlaufen"

Als Beispiele nennt er Björn Höcke und Andreas Kalbitz, die in Chemnitz gemeinsam mit Rechtsradikalen an Demonstrationen teilgenommen hatten. "Es handelt sich dabei eben nicht um unbedarfte Wutbürger aus dem Thüringer Wald, sondern um AfD-Landesvorsitzende, welche die Protektion des Partei- und Fraktions-Vorsitzenden Alexander Gauland besitzen." Die "Quasi-Nichtreaktion der Bundesspitze" auf diese Tendenzen habe bei ihm "das Fass zum Überlaufen gebracht".

Fraktionslos in der Bürgerschaft

Der Bürgerschaft wolle er weiter angehören, ab 1. November allerdings nur noch als fraktionsloser Abgeordneter.

Kruse war bereits mehrfach wegen interner Kritik bei der eigenen Partei angestoßen. Weil er den Chef der niedersächsischen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative, Lars Steinke, in einem Interview scharf attackiert hatte, war ein Parteiordnungsverfahren gegen Kruse eingeleitet worden. Steinke hatte den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Verräter bezeichnet.

Hamburger AfD teilt Kruses Einschätzung "in keiner Weise"

Die Hamburger AfD bedauerte den Schritt Kruses. "Aber wir teilen seine Aussagen über einen angeblichen 'Rechtsruck' der AfD in keiner Weise", meinten Landeschef Dirk Nockemann und der Co-Fraktionsvorsitzende Alexander Wolf. "Es gibt - entgegen anderslautender Presseberichte und offenkundig interessegeleiteten Behauptungen von Politikern der Altparteien - keinen 'Schulterschluss mit Rechtsaußen'." Mit dem Austritt Kruses werde es deshalb auch keinen Kurswechsel geben.

AfD-Bundesparteichef Jörg Meuthen sagte, Kruses Rückzug sei "menschlich bedauerlich, aber folgerichtig". Kruses Sicht auf die Partei habe sich schon seit Längerem fernab der Realität befunden. Seine "kruden Beschimpfungen" von Parteimitgliedern, die vor allem auf Unkenntnis der tatsächlichen Abläufe beruht hätten, "hatten zuletzt einen unmittelbar parteischädigenden Charakter angenommen".

CDU: "Die Maske ist gefallen"

Bei der CDU-Fraktion sieht man im Kruse-Austritt Auflösungserscheinungen in der AfD. "Professor Kruse hat sich zu lange als vermeintlich bürgerliches Feigenblatt hergegeben und hat damit die AfD für manche erst wählbar gemacht. Damit ist es jetzt vorbei, die Maske ist gefallen", sagte CDU-Fraktionschef André Trepoll.

Weitere Informationen
Jörn Kruse, AfD © dpa Foto:  Marcus Brandt

Auszug aus dem Interview mit Jörn Kruse

Hier können Sie einen Auszug aus dem Interview mit Jörn Kruse am AfD Infostand in Hamburg-Poppenbüttel nachlesen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.09.2018 | 18:00 Uhr

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