Stand: 04.10.2018 21:10 Uhr

Doppelmord am Jungfernstieg: Angeklagter gesteht

Mitte April hat ein Vater seine einjährige Tochter und ihre Mutter erstochen - vor den Augen von Passanten am S-Bahnhof Jungfernstieg. Dieser Fall wird seit Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht verhandelt und begann mit einem Geständnis des Angeklagten. Die von seinem Anwalt verlesene Erklärung des 34-Jährigen war kurz: Er gab zu, seine Tochter und deren Mutter getötet zu haben. Was er getan habe, sei eine Sünde, betonte der Angeklagte. Er bete für seine Tochter. Zu den Hintergründen der Tat äußerte er sich nicht. Der Mann ist wegen zweifachen Mordes angeklagt.

Hintergrund soll Sorgerechtsstreit sein

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll Wut auf die Mutter des Mädchens das Mordmotiv sein. Der Mann aus dem Niger hatte am Vortag der Tat erfahren, dass er nicht - wie erhofft - das gemeinsame Sorgerecht für das Mädchen bekommen sollte. Seine befristete Aufenthaltsgenehmigung war ihm nach Bestätigung der Vaterschaft erteilt worden. Das Familiengericht hatte aber bei einer Verhandlung einen Tag vor der Tat deutlich gemacht, dass es seinem Antrag auf gemeinsames Sorgerecht nicht stattgeben werde.

Täter stach unvermittelt zu

Am nächsten Tag durfte er das Kind für eine Stunde sehen. Nachdem er sich von dem Mädchen verabschiedet hatte, traf es der Angeklagte mit seiner Mutter am S-Bahnhof Jungfernstieg wieder und stach unvermittelt zu. Das Kind war sofort tot, die Mutter starb später im Krankenhaus. Der Mann floh erst vom Bahnsteig, stellte sich dann aber der Polizei. Er hatte laut Ermittlern selbst den Notruf gewählt.

Die Staatsanwältin sagte zum Prozessauftakt, der Angeklagte habe zugestochen, um seine Besitzansprüche an dem Kind durchzusetzen. Der Täter verfolgte die Verhandlung gefasst. Erst als im Gericht der Notruf einer Passantin abgespielt wurde und die Augenzeugin schilderte, was passiert war, brach er weinend zusammen. Der Prozess wird fortgesetzt.

15 Verhandlungstage angesetzt

18 Zeugen und drei Sachverständige werden nach Angaben eines Sprechers in der Verhandlung angehört. Ein Psychiater wird den Prozess verfolgen und am Ende beurteilen, ob der Angeklagte schuldfähig ist. Laut Gerichtssprecher stand er bei der Tat nicht unter Einfluss von Drogen oder Alkohol. Das Gericht hat zunächst 15 Verhandlungstage bis Anfang Dezember angesetzt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.10.2018 | 12:00 Uhr

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