Stand: 24.05.2019 13:22 Uhr

Impfkonferenz: Experten halten wenig von Impfpflicht

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Experten und Politiker sind sich uneins über eine Masern-Impfpflicht.

Eine Masern-Impfpflicht könnte die Skepsis gegen das Impfen sogar noch vergrößern. Diese Befürchtung haben Fachleute zum Abschluss der 6. Nationalen Impfkonferenz in Hamburg am Freitag geäußert, wie NDR 90,3 berichtete. Die Gesundheitsämter könnten zu einer Art Gesundheitspolizei werden, anstatt die Aufklärung und die Eigenverantwortung der Menschen zu stärken. Außerdem stehe Deutschland im Kampf gegen die Masern im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht da.

Nach Angaben der Hamburger Gesundheitsbehörde waren 2017 deutschlandweit 97 Prozent aller Schulanfänger gegen Masern geimpft. Die zweite Impfung hatten 93 Prozent der Kinder. Frankreich und Italien hätten trotz Impfpflicht niedrigere Masern-Impfquoten als Deutschland, hatte Ole Wichmann, Chef der Impfprävention beim Robert-Koch-Institut, bereits am Donnerstag betont.

Impfen muss europäisches Thema werden

Größeres Thema als eine Impfpflicht scheint für die Experten die medizinische Versorgung und der Impfschutz von Migranten zu sein - speziell von Arbeitsmigranten aus den osteuropäischen Staaten. Denn in diesen Ländern seien die Impfquoten zum Teil deutlich niedriger als in Deutschland. Impfen müsse deshalb stärker zu einem europäischen Thema werden, so ein Fazit der Impfkonferenz.

Politiker sind für eine Masern-Impfpflicht

Politiker wie Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) und Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) unterstützen die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Impfpflicht: "Da wir immer noch keine Immunisierung von 95 Prozent der Bevölkerung geschafft haben, ist es deshalb richtig, dass der Bundesgesetzgeber eine Impfpflicht gegen Masern bundeseinheitlich regeln will," sagte Prüfer-Storcks. Wichtig sei, dass die Impfpflicht beide von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masernimpfungen fordert - oder einen Nachweis, dass die Krankheit bereits durchlitten wurde und der Betroffene dadurch schon immun ist.

Impfpflicht für Kita- und Schulbesuch

Die Politik plant, dass Kinder nur dann Kitas und Schulen besuchen dürfen, wenn sie ausreichend gegen Masern geimpft sind. Außerdem solle es eine Impfpflicht für Kita-Erzieher, Lehrer und medizinisches Personal geben. Die Nordländer seien sich einig, dass für Kitas und Schulen eine Impfpflicht gegen Masern gelten solle, sagte Garg im Interview mit NDR Aktuell.

Die Weltgesundheitsorganisation habe die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen zu einer der größten globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt. Garg sagte: "Mit einer einfachen Impfung schützt man sich selbst und andere - gerade auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können wie beispielsweise Säuglinge, für die eine Maserninfektion tödlich sein kann." Außerdem sollen die Patienten durch ihre Ärzte, aber auch durch Kampagnen besser aufgeklärt werden über Impfungen. Diese sollen zudem niedrigschwellig auch außerhalb von Arztpraxen angeboten werden.

Impfauffrischung wird oft vergessen

Das größte Problem sind offenbar die jüngeren Erwachsenen: Bei ihnen ist die Impfquote am niedrigsten, mutmaßlich auch, weil eine Impfauffrischung schlicht vergessen wird. Für sie soll es keine Impfpflicht geben, doch die Impfung leichter werden, beispielsweise beim Betriebsarzt in großen Unternehmen. Auch sollen Patienten von ihren Ärzten aktiv auf ihren Impfstatus angesprochen werden. Und die Kampagne zur Masernimpfung "Nicht alle Pünktchen bringen Glück" soll in Neuauflage zur Aufklärung der Bevölkerung beitragen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.05.2019 | 12:00 Uhr

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