Stand: 09.04.2019 13:00 Uhr

ADFC: Der Norden nur bedingt fahrradfreundlich

Ein erster Platz, zwei zweite Plätze und ein dritter Platz in insgesamt sechs Kategorien - das sind die besten Platzierungen der norddeutschen Städte im sogenannten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Das klingt zunächst gut, hat aber noch Luft nach oben. Bei dem heute in Berlin vorgestellten Test geht es um die fahrradfreundlichsten Städte des Landes. Bei der Umfrage haben laut ADFC insgesamt 170.000 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet "ihre" Kommune bewertet. Von oben nach unten: Hannover holt sich in der Kategorie der Städte über 500.000 Einwohner den zweiten Rang mit einer Note von 3,8 (Schulnoten von "Sehr gut" bis "Ungenügend", Anm. d. Red.). Besser steht nur die Hansestadt Bremen (3,5) da - wobei Traumnoten wohl anders aussehen. Bei den Städten der Größenordnung über 100.000 Einwohner thront Göttingen auf dem ersten Platz (3,3); Oldenburg (3,5) steht auf Rang drei. Nordhorn (2,6) schafft in der Kategorie über 50.000 Einwohner ebenfalls den zweiten Platz. Bemerkenswert: Alle Städte unter den ersten Drei aus Norddeutschland liegen in Niedersachsen.

Grüne Fahrradampel

Fahrradklima in Hannover nur ausreichend

Hallo Niedersachsen -

Rang zwei bei den norddeutschen Städten über 500.000 Einwohnern: Das ist das Ergebnis für Hannover im Fahrradklima-Test des ADFC. Doch an der Leine gibt es trotzdem viel Luft nach oben.

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Hamburg auf Rang acht - Bad Segeberg wird Vorletzter

Hamburg landet in seiner Gewichtsklasse lediglich auf Platz acht von 14 mit einer Durchschnittsnote von 4,21. Eine Nummer kleiner, in den Städten von 200.000 bis 500.000 Einwohnern, laufen Braunschweig (3,82) auf Rang vier, Kiel (3,84) auf Rang fünf, Rostock (3,92) auf Rang sieben und Lübeck (4,09) auf Rang 13 ein. Nicht sehr fahrradfreundlich laut der Umfrage sieht es dagegen in den Städten Bad Bramstedt (4,46) und Bad Segeberg (4,65) in Schleswig-Holstein aus: Rang 183 sowie Rang 185 von insgesamt 186 Städten in der Kategorie der Städte unter 20.000 Einwohner. Auch Pinneberg ist offenbar kein Paradies für Radler: Ein Durchschnittswert von 4,51 bedeutet Platz 303 von 311 bei den Städten bis 50.000 Einwohnern. Goslar (4,36) muss sich in der Kategorie Städte bis 100.000 Einwohner mit einem 96. Platz von 106 Teilnehmern begnügen.

Die Sieger der sechs Kategorien im Überblick

  • Bremen, Bremen (über 500.000 Einwohner)
  • Karlsruhe, Baden-Württemberg (über 200.000 Einwohner)
  • Göttingen, Niedersachsen (über 100.000 Einwohner)
  • Bocholt, Nordrhein-Westfalen (über 50.000 Einwohner)
  • Baunatal, Hessen (über 20.000 Einwohner)
  • Reken, Nordrhein-Westfalen (bis 20.000 Einwohner)

"Es ist ein Trauerspiel"

Insgesamt habe sich die Situation auf den deutschen Radwegen verschlechtert, heißt es vom ADFC. "Die Menschen in Deutschland haben das Gefühl, dass für das Rad zu wenig getan wird. Sie fühlen sich nicht sicher beim Radfahren, als Verkehrsteilnehmer nicht ernst genommen, von Falschparkern auf Radwegen behindert und durch schlechte Fahrrad-Infrastruktur ausgebremst", sagt Rebecca Peters vom Bundesvorstand des Vereins. Die Gesamtnote für die Zufriedenheit der Radfahrer mit der Verkehrssituation sinkt dementsprechend auch im Vergleich zu den Abfragen der vergangenen Jahre. Lag der Wert im Jahr 2014 noch bei 3,7, ist er nun auf 3,9 gefallen. "Es ist ein Trauerspiel", so Peters weiter, "der Spaß am Radfahren nimmt kontinuierlich ab."

ADFC: Nur elf Prozent Radfahrer im Verkehr

Zwar wird vonseiten der Politik seit Jahren, ja Jahrzehnten, ein Umstieg aufs Rad propagiert. Doch die Realität sieht immer noch anders aus. Lediglich bei elf Prozent liegt laut ADFC der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr in Deutschland. Zum Vergleich: In den Niederlanden stehe dieser Wert bei 30 Prozent. Ein Beispiel: das Chaos durch sogenannte Eltern-Taxis vor Schulen. "Eltern denken, dass Kinder nur im Auto sicher sind", sagte Peters. Deshalb seien hochqualitative und geschützte Radwege für alle Generationen erforderlich. Der Verein führt das Manko beim Sicherheitsgefühl vor allem auf zu schmale Radwege zurück. 81 Prozent der Befragten würden sich eine Trennung der Radwege vom Autoverkehr wünschen, heißt es vom ADFC.

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ADFC-Test: Wo radelt es sich am besten?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat deutsche Kommunen auf ihre Fahrradfreundlichkeit getestet. Wie hat Ihre Stadt abgeschnitten? Hier gibt es die Wertung als Download. Download (374 KB)

Größte Umfrage dieser Art weltweit

Gefragt wurden die Teilnehmer beispielsweise, ob Radfahren in ihrer Stadt für sie Spaß oder Stress bedeutet. Außerdem, ob die Radwege von Falschparkern freigehalten werden und ob sich das Radeln auch für Familien mit Kindern sicher anfühlt. Es gab laut ADFC Rückmeldungen aus 683 Städten und Gemeinden in Deutschland. Der sogenannte Fahrradklima-Test ist nach Angaben des ADFC die weltweit größte Umfrage zur Zufriedenheit von Radfahrern. Der ADFC ist mit mehr als 175.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung von Radfahrern weltweit. Bei den Teilnehmern der Umfrage handelt es sich bei 15 Prozent um Mitglieder des Vereins.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.04.2019 | 13:00 Uhr

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