Stand: 16.05.2020 18:08 Uhr

Beethovens Welt mit Reicha und Romberg

von Philipp Cavert

Reinhard Goebel ist ein wandelndes Lexikon, wenn es um Alte Musik und Quellenforschung geht. Auch mit dem diesjährigen Jubilar Ludwig van Beethoven hat sich Goebel jahrelang auseinandergesetzt. Für Sony Classical hat er jetzt eine Reihe kuratiert, die das musikalische Umfeld von Beethoven beleuchtet: "Beethovens Welt" heißt die Serie, in der Goebel unbekanntere Werke Beethovens als auch Werke seiner Zeitgenossen präsentiert, wie zum Beispiel die Violinkonzerte von Franz Clement. Auf dem neuen Album der Reihe sind nun Werke für zwei Celli von Bernhard Romberg und Anton Reicha zu hören, die Solisten sind Bruno Delepelaire und Stephan Koncz.

CD-Cover: Reicha/Romberg: Concertos for Two Cellos © Sony Classical
Das neue Album der Reihe "Beethovens Welt" besticht durch die beiden Werke für zwei Celli von Romberg und Reicha.

Mit Ludwig van Beethoven spielten sie zusammen in der Bonner Hofkapelle: die Brüder Andreas und Bernhard Romberg. Beide waren nicht nur exzellente Musiker, sondern auch Komponisten. Beethoven schätzte die Musik und die Freundschaft der beiden, sie gehörten definitiv zu seiner Welt. Unter Cellisten ist der Name von Bernhard Romberg bis heute geläufig, nicht zuletzt, weil er eine wegweisende Celloschule schrieb. Die erschien 1840, in der Zeit, in der er auch das Concertino op. 72 für zwei Celli komponierte.

Dass Bernhard Romberg selbst Cellist war, ist den Soloparts durchaus anzumerken. Er lässt die Celli glänzen - aber fordert sie auch. Die Stimmen sind heikel, denn hier hört man sofort, wenn etwas nicht richtig gut sitzt.

Lust und Spielfreude

Bruno Delepelaire und Stephan Koncz spielen fast so, als wären sie eine Person. Sie hören genauestens aufeinander, lehnen sich aneinander an, phrasieren und atmen gemeinsam. Wie gut sie zueinander passen, mag auch damit zu tun haben, dass sie beide Cellisten der Berliner Philharmoniker sind.

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Auch Anton Reicha gehörte zur Bonner Hofkapelle und der Musikerclique rund um Beethoven. Reichas Sinfonia Concertante von 1805 für zwei Celli liegt hier in einer Weltersteinspielung vor. Die beiden Cellisten Delepelaire und Koncz werfen sich mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und Reinhard Goebel voller Lust und Spielfreude hinein in diese Welt.

Reichas Sinfonia Concertante ist experimentierfreudig, atmet aber durchaus die Luft der Beethoven-Zeit. Das Largo lässt teilweise schon etwas an die Szene am Bach aus der zwei Jahre später entstandenen Pastorale von Beethoven denken - eine Idylle, eine Szene im sanften Sonnenlicht.

Eine hübsche Zutat

Das Divertisment für Fasching Dienstag von Josef von Eybler rundet das Album ab - auch dies eine Weltersteinspielung. Ein rund elfminütiges Orchesterstück, unterhaltsam und gefällig, entstanden in der Zeit von Beethovens Eroica. Aber im Gegensatz zur Eroica eher als höfische Gebrauchsmusik zu verstehen.

Eine hübsche Zutat zu diesem Album, das aber im Wesentlichen durch die beiden Werke für zwei Celli von Romberg und Reicha besticht, mit denen Bruno Delepelaire und Stephan Koncz begeistern.

Reicha, Romberg: Concertos for Two Cellos

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 17.05.2020 | 15:20 Uhr

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