Lady Gaga singt bei der Amtseinführung von Joe Biden © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Andrew Harnik Foto: Andrew Harnik

Die Symbolik des Pop bei der US-Inauguration

Stand: 21.01.2021 09:35 Uhr

Die Musik bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris war ein schillerndes Pop-Theater. Die Auftritte von Lady Gaga und Jennifer Lopez hatten viele Dimensionen.

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von Mischa Kreiskott

Wenn man die nüchternen Zeremonien im Deutschen Bundestag gewohnt ist, wirkt die Vereidigung eines US-Präsidenten wie ein glitzerndes Showevent. Nachdem sich Donald Trump 2017 zwar viele Superstars gewünscht hatte, aber viele Absagen bekam, gab es bei Joe Bidens Vereidigung am Mittwoch ein sehr prominent besetztes Programm. Lady Gaga sang "The Star-Spangled Banner", seit 90 Jahren die offizielle Hymne der USA.

Sie ist nicht nur einer der letzten Superstars der Popmusik, sondern auch eine Ikone der "LGBTQ"-Bewegung. Noch letztes Jahr veröffentlichte die Musikerin mit "Chromatica" ein Album, dass die Clubmusik der sexuellen Minderheiten feiert. Bereits ihren Auftritt kann man als Symbol für die kommende Amtszeit sehen: Mit Rachel Levine nominierte Biden die erste Transgender-Person als US-Staatssekretärin.

Jennifer Lopez spricht direkt zu den Hispanics

Im Wahlkampf warf man der Biden-Kampagne vor, sie kümmere sich zu wenig um die lateinamerikanische Minderheit der USA - immerhin knapp 20 Prozent der Bevölkerung. Der Auftritt von Jennifer Lopez richtete sich direkt an sie. Mit "This Land Is Your Land" präsentierte der Star mit puerto-ricanischen Wurzeln einen Folk-Song von 1940, geschrieben von dem linken Singer-Songwriter Woody Guthrie.

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Mischa Kreiskott ist NDR Kultur Musikredakteur und Moderator

Das Lied wirkte zunächst noch schlicht, fast verhalten und zaghaft begleitet von der United States Marine Band. Langsam wurde das Arrangement immer satter und wuchtiger, bis sich eine weitere inoffizielle Hymne daraus entwickelte: "America the Beautiful" - and colorful, möchte man in diesem Fall anfügen.

Auf spanisch wandte sich Lopez unmittelbar an die Hispanics: "Eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle." Das deklamiert sie ganz in weiß. In der Farbe der Sufragetten, der Kämpferinnen für das Frauen-Wahlrecht in den USA.

Kann Garth Brooks die Trump-Wähler trösten?

Die Inaugurationen der US-Präsidenten sind traditionell symbolträchtige Veranstaltungen für einen Neubeginn, nicht nur heute, nach Ende der Ära Trump. Schon bei Barack Obamas Zeremonie trat der Countrystar Garth Brooks auf. Wohl als Signal an den weißen Westen der USA: Auch euch werde ich nicht vergessen! Gestern war er wieder dabei.

Viele hatten erwartet, dass er seine Country-Hommage an das einige Amerika, "We Belong To Each Other", auf die Stufen des Capitols bringen würde. Stattdessen sang er mit "Amazing Grace" einen Song aus dem 19. Jahrhundert, in dem der Autor John Newton sich gegen die Unmenschlichkeit der Sklaverei wendet.

Die Vereidigung als politisches Symboltheater

Musik sendete Zeichen bei dieser Vereidigung aus. Sie sprach fast sämtliche Minderheiten direkt an und stützte die eine große Botschaft von Joe Bidens Rede: Einigkeit für ein gespaltenes Land. Dass das Ereignis derart ausgeklügelt inszeniert wird, ist nicht neu.

Schon Ronald Reagan, kinoerfahren wie er war, führte die atemberaubenden Kamera-Totalen ein. Spätestens mit Barack Obamas Einführung 2009 wurde die Inauguration zum großen Popevent. Musik hilft, die diversesten Gruppen der US-Gesellschaft anzusprechen und wird damit zum wirkmächtigen politischen Symbol.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 21.01.2021 | 07:40 Uhr

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