Stand: 11.08.2021 18:25 Uhr

Nüchterne Zwischenbilanz beim Schönberger Musiksommer

von Karin Erichsen

Der Schönberger Musiksommer darf zwar unter strengen Hygieneauflagen stattfinden, dennoch gibt es einen starken Rückgang bei den Besucherzahlen. Die Veranstalter ziehen zur Halbzeit eine nüchterne Zwischenbilanz.

Der 22-jährige Violinist Adrian Kratzert und der 19-jährige Pianist Matteo Weber stehen beide in schwarz in der St. Laurentiuskirche beim Schönberger Musiksommer vorne im Altarraum und strahlen über beide Ohren. © Karin Erichsen Foto: Karin Erichsen
Geschafft - nach dem Konzert holen sie sich ihren verdienten Applaus ab. Der 22-jährige Violinist Adrian Kratzert und der 19-jährige Pianist Matteo Weber.

Knapp 100 Konzertgäste waren in die St. Laurentiuskirche gekommen, zu einem typischen Konzert des Schönberger Musiksommers. Es spielten der 22-jährige Violinist Adrian Kratzert und sein 19-jähriger Klavierpartner Matteo Weber. In ihrem Programm präsentierten die jungen Musiker neben Händel, Bach und Mozart ganz selbstverständlich auch zeitgenössische Musik von Arvo Pärt und begeisterten damit das Publikum. "Die Programme machen hier die Künstler*innen selbst, da reden wir ihnen nicht rein. Die jüngere Generation hat da einen unbefangeneren Umgang. Das öffnet die Ohren und die Augen. Wenn sich das so weiter entwickelt, dann, glaube ich, bleiben wir nicht stehen", sagt Kantor Christoph Minke, der künstlerische Leiter des Schönberger Musiksommers.

Minke ist inhaltlich zufrieden - allerdings nicht mit den Besucherzahlen

Mit Freude blickt Minke auf die etwa zwanzig Konzerte zurück, die seit Mitte Juni bereits stattfinden konnten. Nur die Besucherzahlen bereiten ihm Sorge. 200 Gäste dürften nach aktueller Verordnung pro Konzert in die St. Laurentiuskirche, aber nur rund die Hälfte dieser Plätze wird tatsächlich verkauft. Die Pandemie werfe den Musiksommer, was die Besucherzahlen betrifft, um einige Jahre zurück, bestätigt Geschäftsführer Karsten Lessing. "Vor der Pandemie hatten wir 5.500 Gäste hier, in diesem Jahr könnten wir 2.000 erreichen. Wenn wir das jetzt hochrechnen, werden wir insgesamt fünf Jahre brauchen, um die Zahlen wieder zu erreichen, die wir 2019 hatten." Das mache die Finanzierung schwieriger, glücklicherweise seien die vielen privaten Sponsoren dem Festival bislang treu geblieben. "Ich hoffe sehr, dass es auch in Zukunft so sein wird und wir auch im nächsten Jahr wieder unser Programm umsetzen können und somit auch die Partner halten können."

Neuer Veranstalter und neue Ideen

Vorne im Altarraum der St. Laurentiuskirche schaut der 22-jährige Violinist Adrian Kratzert zu seinem Musikerkollegen, dem 19-jährigen Pianist Matteo Weber, der streicht seine dunklen Haare zurück. In den Bänken sitzen die Zuschauer*innen. © Karin Erichsen Foto: Karin Erichsen
Die meisten Konzerte des Musiksommers finden in der St. Laurentiuskirche statt.

Seit diesem Jahr wird der Musiksommer von dem Verein 'Musik & Kunst Schönberg' und nicht mehr von der Kirchengemeinde veranstaltet. Um Besucher zurück zu gewinnen, will das Festival sich zukünftig weiter aus der Kirche heraus in die Stadt hinein öffnen, betont Lessing. "Wir denken tatsächlich auch über neue Formate nach. Wir haben die Möglichkeit, auch mal an andere Orte zu gehen, um das Publikum anders zu erreichen. Das ist zwar alles noch ein Gedankenkonstrukt, aber schon so konkret, dass wir nächstes Jahr neue Dinge ausprobieren werden."

Schon jetzt andere Spielorte als die Kirche

Ein Auswärtsspiel gibt es bereits schon in diesem Sommer, freut sich Kantor Christoph Minke. Die Band Brass Appeal tritt im Garten der Alten Apotheke in Schönberg auf. "Das wird swingig und jazzig und sehr schön." Außerdem stehen unter anderem noch ein Konzert mit dem Morten Kargaard Septett aus Kopenhagen und ein Filmabend mit Live-Musik auf dem Spielplan sowie ein Künstlergespräch mit Christoph Rodde, der in diesem Jahr die Begleitausstellung zum Musiksommer entworfen hat. Und auch das Abschlusskonzert mit der Schönberger Kantorei hat Christoph Minke schon fest im Blick. Chorproben sind wieder möglich und so soll zum Abschluss des Musiksommers am 12. September die missa choralis von Franz Liszt erklingen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 11.08.2021 | 17:20 Uhr

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