Stand: 03.08.2020 12:28 Uhr

Joana Mallwitz dirigiert "Così fan tutte" in Salzburg

Sie ist die erste Dirigentin, die bei den Salzburger Festspielen eine Oper dirigiert: Joana Mallwitz. Sie ist 34 Jahre alt, stammt aus Hildesheim, studierte in Hannover und trat 2014 als jüngste Generalmusikdirektorin Europas ihren Posten am Theater Erfurt an. Seit 2018 ist sie Generalmusikdirektorin am Staatstheater Nürnberg. Die Opernwelt kürte sie 2019 zur Dirigentin des Jahres. In Salzburg dirigiert Joana Mallwitz jetzt Mozarts "Così fan tutte" in der Regie von Christof Loy. Ganz kurzfristig kam diese Oper ins Programm der verkürzten Festspiele. Ursprünglich hatte die Dirigentin die "Zauberflöte" dirigieren sollen. Am 2. August hatte die "Così" Premiere. Friederike Westerhaus hat Joana Mallwitz in Salzburg zuvor in einer Probe erlebt und dann mit ihr gesprochen.

Dirigentin Joana Mallwitz steht vor einem Geländer in Salzburg © picture alliance/APA/picturedesk.com Foto: Barbara Gindl
Die Dirigentin Joana Mallwitz dirigiert bei den Salzburger Festspielen Mozarts Oper "Cosi fan tutte".

Beschwingten Schrittes betritt Joana Mallwitz den Orchestergraben. Sie ist groß und schlank mit blondem Kurzhaarschnitt. Innerlich scheint sie schon ganz auf diese temporeiche "Così fan tutte" eingestellt zu sein: "Wenn man bei Mozart mit dem Kopf zuhören muss und sich denkt 'oh, wie finde ich gerade das Tempo', dann ist schon etwas falsch", sagt die Dirigentin. "Es muss einen direkt ins Herz treffen."

Die Leichtigkeit bei Mozart

Hoch aufgerichtet steht die 34-Jährige vor dem Orchester, dirigiert mit klaren Gesten. Rechts gibt sie den Takt, mit der Linken modelliert sie den Klang. Mal legt sie Daumen und Zeigefinger zusammen, setzt präzise Akzente. Dann wieder zeichnet sie mit ihren schlanken Händen eine sanft fließende Woge in die Luft. Die Sängerinnen und Sänger hat sie genau im Blick, hält kontinuierlich eine enge Verbindung. Sie kitzelt das Lichte und Helle in der Musik heraus: "Am Ende muss Mozart diese Leichtigkeit haben, es muss eine Semplicità haben, im besten Sinne des Wortes, nicht naiv oder oberflächlich. Aber einfach zu spielen ist manchmal das Schwerste."

Einmal bricht sie ab: Ein paar kurze, klare Ansagen, dann geht es weiter. Sich mit 34 Jahren vor die Wiener Philharmoniker zu stellen, dazu gehört schon einiges. Das aber in einem Opern-Projekt zu tun, das in nur wenigen Wochen aus dem Boden gestampft wurde, ist eine noch größere Herausforderung. "In der Vorbereitung bin ich eine Perfektionistin", sagt Joana Mallwitz. "Die für mich einzige Herangehensweise an so etwas ist, vorher einen sehr guten Plan zu haben und eine sehr klare Idee, und ihn im Moment aber auch wieder vergessen zu können."

Joana Mallwitz' Werdegang als Dirigentin

In die Opernwelt ist Joana Mallwitz ganz natürlich hineingewachsen. Schon mit 19 ist sie ans Theater in Heidelberg als Pianistin gegangen, hat dann immer mehr dirigiert und ist oft eingesprungen. "Am Anfang habe ich immer nachdirigiert, das heißt, man muss sich eine Dirigiertechnik entwickeln, die einfach erst mal funktioniert. Wo man einfach in den Graben steigt. Und da kannst Du nicht einfach abbrechen und sagen, das wollte ich eigentlich anders oder an dieser Stelle schneller. Das muss man alles mit seiner Dirigiertechnik und Körperlichkeit transportieren können", erklärt sie.

Längst ist sie auf einem ganz anderen Niveau unterwegs, dirigiert Orchester wie das Philharmonia London oder Birmingham Symphony, ist Generalmusikdirektorin in Nürnberg. Das Debüt in Salzburg mit den Wiener Philharmonikern ist ein großer Meilenstein und wird ihre Karriere weiter befeuern.

Mit den Wiener Philharmonikern in Salzburg

"Natürlich muss die Qualität stimmen", sagt Joana Mallwitz. "Wenn man bei einem Orchester merkt, der Dirigent kann es einfach nicht, es funktioniert nicht, man versteht nicht, was er meint, dann ist es sowieso aus. Das regelt sich meistens in den ersten Minuten der ersten Probe. Aber es geht nur um die Sache. Es geht nicht um Äußerlichkeiten, sondern immer nur rein um die Musik. Und wenn das so ist, dann trifft man sich automatisch auf Augenhöhe, arbeitet einfach und lernt sich so kennen."

Probe vor Publikum im Saal, Korrekturen mit dem Orchester, Abstimmung mit dem Regisseur, dann Interviews - Joana Mallwitz muss ihre Konzentration halten. Im Interview wirkt sie wach und locker. Müdigkeit oder Unlust? Fehlanzeige. Eine Powerfrau. "Wenn ich die Bewegung, die ich da in den zwei Stunden mache, trocken abrufen würde, wäre ich sofort aus der Puste", sagt Mallwitz. "Aber die Musik des Orchesters trägt einen. Dieses Geben und Nehmen, das Hin- und Hersenden von Impulsen, das ist nichts, was einen verkrampft oder anstrengt, sondern man fliegt sozusagen da durch."

Joana Mallwitz dirigiert die "Così fan tutte" in Salzburg. Im ARD Radiofestival ist die Oper am 22. August zu erleben.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 31.07.2020 | 06:40 Uhr

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