Stand: 10.11.2017 11:40 Uhr

Metzmachers Credo: Kunst ist für alle da!

von Margarete Zander
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Ingo Metzmacher wurde in Hannover geboren und arbeitete acht Jahre lang an der Staatsoper in Hamburg.

Am 10. November 1957 wurde Ingo Metzmacher in Hannover geboren. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag. Metzmacher war Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, Chefdirigent an der Niederländischen Nationaloper in Amsterdam und Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin.

Begegnung mit einem Musikliebhaber

Eine Momentaufnahme während der KunstFestSpiele Herrenhausen: Ein romantisches Zirkuszelt bildet das äußerlich sichtbare Herz der Festspiele, deren Intendant Ingo Metzmacher seit 2016 ist. Der Dirigent lädt alle ein, hereinzukommen, hier gibt es Kaffee und gutes Essen, hier treffen Musiker und Macher zusammen, und jeder kann dabei sein. "Wir werden jubeln und verzweifeln, uns empören und vergessen" verspricht er in seinem Buch "Vorhang auf!" und das gilt bei ihm nicht nur für die Oper.

Seine Konzerte erzählen Geschichten

Die Musiker lieben es, dass er sie nicht über ihre Köpfe hinweg dirigiert, sondern mit ihnen gemeinsam Dramen gestaltet, auch in den Konzerten. Seine Programme sind einzigartig, hier fügen sich Populäres und Unbekanntes zu fantastischen Geschichten. "Die Ohren wollen Klänge, die Herzen mitgerissen werden!" das sagt sich der Dirigent selbst, jedes Mal wenn sich der Vorhang öffnet: "Ich glaube, dass Menschen neugierig sind. Man muss sie nur an der richtigen Stelle abholen!"

Das Publikum hört ihm gerne zu

Die richtigen Stellen findet Ingo Metzmacher, weil er selber neugierig geblieben ist. Er doziert nicht, weil er nie aufhört, nachzudenken. Er möchte jeden, der ihm begegnet, auf seine Entdeckungsreise mitnehmen - immer in der Gewissheit, selber auch noch etwas zu entdecken. Über Schönberg sagt er zu seinem Publikum: "Die Musik ist irgendwie schwer zu beschreiben. Ich habe das ja schon versucht, das ist eine unglaublich dichte Musik, sie ist natürlich zwölftönig, nehme ich an". Das Publikum lacht, ist bei ihm, hängt an seinen Lippen, kann ihm leicht folgen. Ingo Metzmacher trifft sein Gegenüber auf Augenhöhe.

Blick für Strukturen in der Musik

Ingo Metzmacher erweitert seinen leidenschaftlichen Dialog mit der Musik mit Konzertbesuchern, Politikern und Managern. Eigensinnig und überzeugend. Klavierspielen hat er studiert, als Pianist ging er ins Ensemble Modern, als Dirigent kam er wieder heraus. Mit seinem Talent, Strukturen zu erkennen, baut er aus Noten auf dem Papier mit den Musikern fantastische Universen.

Fast vergessener Musik des 20. Jahrhunderts von Karl Amadeus Hartmann und Bernd Alois Zimmermann gibt er einen festen Platz im Konzertleben. Er gestaltet die Neue Musik so, dass man keine Angst mehr vor ihr haben muss, wie die Konzertreihe während seiner Zeit als Generalmusikdirektor in Hamburg bewies. Drei Mal waren CDs mit ihm für einen Grammy Award nominiert, Orchesterwerke von Charles Ives, Alban Bergs "Wozzeck" und Olivier Messiaens "Saint Francois d’Assise".

Erfinder der Casual Concerts

Vor 10 Jahren hat Metzmacher beim Deutschen Symphonie-Orchester in Berlin die Casual Concerts erfunden, Konzerte, locker moderiert und in normaler Kleidung vom Orchester gespielt, eine Stunde Musik für einen kleinen Preis für Schüler und Studenten. Er inszeniert Musik Open Air und baut Brücken in die Konzertsäle, die keine Insiderkenntnisse voraussetzen. Ingo Metzmacher setzt praktisch um, was viele Kunstschaffende seiner Generation theoretisch fordern: Kunst ist für alle da, kommt einfach her und hört selbst.

Mit der Jungen Deutschen Philharmonie geht Metzmacher im Januar auf Tournee. Dabei kommt er auch nach Hamburg, am 8. Januar spielt er dort ein Konzert mit Werken von Herrmann, Birtwistle, Liebermann, Gershwin und Bernstein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.11.2017 | 07:20 Uhr

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