Sendedatum: 17.06.2013 06:40 Uhr

Aleksandra Kurzak singt Rossini

Bel Raggio
von Aleksandra  Kurzak
Vorgestellt von Marcus Stäbler

CD der Woche

Aleksandra Kurzak, Sopran
Sinfonia Varsovia, Ltg. Pier Giorgio Morandi

Vorgestellt von Marcus Stäbler

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"Bel Raggio" ist ein "Ohrenschmaus de luxe" - findet NDR Kultur Autor Marcus Stäbler.

2008 lag ihr das Londoner Publikum zu Füßen: In der Titelpartie von Rossinis "Matilda di Shabran" feierte Aleksandra Kurzak am Royal Opera House einen sensationellen Erfolg. Der endgültige Durchbruch für die polnische Sopranistin, die lange zum Ensemble der Staatsoper Hamburg gehörte. Eine Kostprobe ihrer Matilda ist nun auch auf der neuen CD zu erleben. Dort singt Alexandra Kurzak Arien von Gioacchino Rossini, begleitet von der Sinfonia Varsovia unter Leitung von Pier Giorgio Morandi.

Wirklich beeindruckend

Kein Wunder, dass die Londoner Opernfans damals förmlich ausgeflippt sind. Aleksandra Kurzaks gibt eine brillante Matilda di Shabran, auch auf CD, auf der sie neun Rossini-Arien versammelt. Und die haben es in sich. Ein Spitzenton jagt den nächsten, an jeder Ecke sprudeln die Koloraturen. Normalsterbliche Sänger bekommen da schon vom bloßen Notenlesen einen Knoten im Kehlkopf. Doch für die polnische Sopranistin und ihre geläufige Gurgel ist das alles kein Problem.

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Die polnische Sopranistin Aleksandra Kurzak becirct mit ihrem edlen Timbre.

Ein atemberaubendes Tempo. Und trotzdem klingt es eigentlich nie nach Arbeit. Alexandra Kurzak beherrscht ihre Stimme so souverän, dass die Verzierungen immer geschmeidig wirken. Sie umranken die Melodien wie beiläufig eingestreute Schnörkel.

Wie gelenkig die 35-jährige Polin die vokalen Kunststücke durchturnt, ist schon stark, aber zum Glück noch lange nicht alles. Was sie zu einer wirklich herausragenden Sängerin macht, sind die vielen Farbschattierungen. Vom leuchtkräftigen Strahl bis zum süßen Säuseln hat sie alles drauf.  Und das zeigt sie auch. Zum Beispiel, als die Matilde im Wilhelm Tell nach ihrem geliebten Arnold ruft und dabei zwischen dramatischem Drängen und sanftem Flehen changiert.

Rossini zum Genießen

Aleksandra Kurzak gestaltet und genießt die italienische Sprache, als wäre es ihre eigene. Sie gibt jeder Figur ein eigenes Profil, sei es nun die verliebte Rosina im "Barbier von Sevilla" oder die verzweifelte Fiorilla aus der Oper "Il Turco in Italia".  Immer wieder becirct sie uns dabei mit ihrem edlen Timbre. Die Sopranistin hat zwar merklich an Durchschlagskraft gewonnen – aber trotzdem ihre lyrische Farbe bewahrt.

Pier Giorgio Morandi und die Sinfonia Varsovia tragen ihre Solistin auf Händen durch die Arien und zünden zwischendrin auch die eine oder andere Orchesterrakete. Dass der Klang gerade in den Bläsern mitunter noch raffinierter und spritziger sein könnte, bleibt der einzige kleine Schönheitsfehler. Ansonsten ist die CD ein Ohrenschmaus de luxe: Rossini zum Genießen.

 

Bel Raggio

Verlag:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 17.06.2013 | 06:40 Uhr

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