Stand: 23.09.2020 12:17 Uhr

Stralsund: Festwoche rund um die Jakobi-Orgel

von Juliane Voigt

Die Stralsunder St.-Jakobi-Kirche hatte drei große Orgeln - zunächst eine aus dem 16. Jahrhundert, dann eine aus dem 18. Jahrhundert und schließlich eine Mehmel-Orgel aus dem 19. Jahrhundert. Diese war letztlich nicht mehr spielbar. Im Rahmen der Stralsunder Orgeltage wurde am Wochenende die neue Orgel in der Jakobi-Kirche mit einem Konzert und einem Gottesdienst eingeweiht. Die Festwoche zur Einweihung der neuen Orgel läuft bis zum 27. September.

Stralsunder Orgeltage © NDR
Die neue Orgel in der St.-Jakobi-Kirche in Stralsund hat 51 Register mit über 3.000 Pfeifen.

Die neue Orgel in der St.-Jakobi-Kirche in Stralsund ist eine wahre Königin. Eine barocke Schönheit, in dunklem Samtgrau. In der Mitte prangt ein goldener Sternenkranz wie eine kostbare Brosche. Himmlische Instrumentalisten musizieren in 25 Meter Höhe auf dem schmuckvollen Prospekt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war an der Stelle ein leeres Orgelgehäuse. Die Orgel war während des Krieges zerstört worden. Für Oberbürgermeister Alexander Badrow wurde mit der Orgel eine Lücke geschlossen: "Ein großer langer Traum, der für uns in Erfüllung geht, die drei große Orgeln in Stralsund wieder vollständig zu haben, und dort Konzerte zu haben."

Neue Orgel hat mehr als 3.000 Pfeifen

Gebaut hat sie der Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider. Es gibt drei Spielmanuale, 51 Register, mehr als 3.000 Pfeifen - aus Holz und Metall, in allen Größen, jede einzeln eingepasst und gestimmt.

2,4 Millionen Euro haben Bund, Land, Stadt und Stiftungen in die neue Orgel investiert. Der Bau dauerte etwa drei Jahre. "Eine Arbeit, die zu Anfang noch nicht überschaubar war", sagt Wegscheider. "Wir haben zwischendurch sehr verzweifelte Momente gehabt." Doch das Engagement sei riesig gewesen.

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Außergewöhnliches Orgelrepertoire in Stralsund

Die Jakobi-Kirche ist als Kulturkirche auch der größte Veranstaltungsraum der Stadt. Am Wochenende wurde das Instrument dort mit einem ökumenischen Festgottesdienst geweiht. Es war der Auftakt für die ersten Stralsunder Orgeltage. Alle drei Kirchen laden noch bis zum Ende der Woche zu Orgelkonzerten ein.

"Dass man drei so stattliche Instrumente in den repräsentativen Backsteinbasiliken hat, ist in Europa so gut wie einmalig. Und dazu drei außerordentlich klangschöne Instrumente", sagt Martin Rost, Organist der Stralsunder Marienkirche und Mitglied der Orgelkommission Mecklenburg-Vorpommern.

Die Jakobi-Orgel hat stilistisch einen spätbarocken Klang, die Stellwagen-Orgel in der St.-Marien-Kirche ist aus dem frühen Barock und an der Buchholz-Orgel in der St.-Nikolai-Kirche erklingt Spätromantik. "Wir als Organisten sind stolz und froh, so eine große neue Orgel zu bekommen, weil sie unsere Orgellandschaft unglaublich bereichert. Wir werden auch für die Orgelwelt sehr interessant sein, weil jetzt bestimmt noch mehr Organisten anfragen, die bei uns Konzerte geben möchten", sagt Matthias Pech, Kantor und Kirchenmusikdirektor der Nikolai-Kirche.

Stralsunder Orgeltage laufen noch bis Sonntag

Frank Dittmer - Landeskirchendirektor MV © NDR
Landeskirchendirektor Frank Dittmer findet, dass mit der neuen Orgel "Mecklenburg-Vorpommern als Orgelland noch einen weiteren Schritt vorangebracht" wurde.

Mecklenburg-Vorpommern habe viele fantastisch schöne Orgeln, sowohl in den Städten wie auch in vielen Dorfkirchen, sagt Landeskirchendirektor Frank Dittmer: "Wir müssen sehen, dass wir diese Orgelkultur hier lebendig halten, das heißt auch, dass die Orgeln gespielt werden."

Bis Ende der Woche sind in Stralsund in allen drei großen Stadtkirchen Konzerte, Kinderveranstaltungen und ein Stummfilmkonzert zu erleben. Am Freitag können Orgelfreunde in der langen Orgelnacht bei aufeinanderfolgenden Konzerten gleich alle drei Stralsunder Orgeln mit ihren verschiedenen Klangfarben nacheinander hören.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 22.09.2020 | 19:00 Uhr

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