Martin Kilger am E-Piano auf der Bühne © picture alliance / rtn - radio tele nord / rtn, frank dudek Foto: Frank Dudek

Musiker klagt auf Corona-Entschädigung

Stand: 16.02.2021 10:16 Uhr

Viele freiberuflliche Musikerinnen und Musiker trifft die Corona-Krise besonders hart. Der Popmusiker Martin Kilger klagt jetzt in zwei Bundesländern auf Entschädigung.

Martin Kilger am E-Piano auf der Bühne © picture alliance / rtn - radio tele nord / rtn, frank dudek Foto: Frank Dudek
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von Marcus Stäbler

Ein Duett mit der Sängerin Ina Müller in ihrer Fernsehsendung "Inas Nacht": einer von vielen Höhepunkten im Berufsleben des gebürtigen Heidelbergers Martin Kilger, der zehn Jahre in Hamburg gelebt hat. Der Songwriter, Sänger, Keyboarder und Tontechniker war mit Stars wie Joe Cocker auf Tour und spielt mit seiner Band Buron normalerweise rund 150 Auftritte im Jahr, vor allem in Süddeutschland. Doch Mitte März 2020 kam der Einbruch.

"Die Corona-Krise hat uns - wie die meisten Selbständigen - wie ein Hammer erfasst," sagt Martin Kilger. Für die drei Monate von Mitte März bis Mitte Juni vergangenen Jahres gilt: "In diesem Zeitraum hätten wir monatlich Einnahmen von circa 15.000 Euro gehabt, die weggebrochen sind." Viele Veranstaltungen, bei denen Kilger aufgetreten wäre, wie etwa Firmenfeiern, Geburtstage und Hochzeiten, wurden wegen der Corona-Bestimmungen abgesagt. Anstelle der voraussichtlichen 45.000 Euro Gesamteinnahmen in drei Monaten mit seiner Band hat Kilger eine Soforthilfe von 9.000 Euro bekommen - aber die durften ausschließlich für Betriebskosten verwendet werden, nicht für den Lebensunterhalt.

Anwalt: Faktisches Berufsverbot durch Corona-Maßnahmen

Ina Müller und Martin Kilger © NDR / Morris Mac Matzen
Martin Kilger zu Gast bei "Inas Nacht"

Deshalb fordert Martin Kilger jetzt eine angemessene Entschädigung. In Baden-Württemberg und Bayern, wo die geplanten Auftritte stattgefunden hätten, hat er entsprechende Klagen eingereicht, vertreten durch die renommierte Anwaltskanzlei Härting aus Berlin. Deren Gründer Niko Härting erklärt die juristische Sicht: "Das faktische Berufsverbot, dem die Künstler unterliegen, das gilt ja nicht deshalb, weil die Künstler irgendetwas falsch gemacht haben, infiziert waren, oder dergleichen, sondern weil angeordnet wurde, dass sie zum Schutz der Gesundheit von uns allen nicht arbeiten dürfen. Das ist - hier kommen wir ins Juristische - ein so genanntes Sonderopfer, das sie hier erbringen, zum Wohle der Allgemeinheit. Das ist im Prinzip eine zulässige Einschränkung der Berufsfreiheit, aber es ist eben nicht entschädigungslos, das ist der springende Punkt, den wir da machen."

Ein Präzedenzfall

Bei den mündlichen Verhandlungen in erster Instanz sind die Gerichte dieser Argumentation nicht gefolgt, unter anderem mit der Begründung: Absagen gehörten halt für Musiker zu einem allgemeinen Lebensrisiko: "Das wirkt natürlich für jemanden wie den Herrn Kilger ziemlich kaltherzig," sagt der Anwalt Niko Härting. Und er ist auch zuversichtlich, dass der Musiker in späteren Instanzen noch Recht bekommen kann: "Das ist ein Präzedenzfall, sprich, das ist ohne Vorbild, da kann man seriöserweise nie sagen, das geht auf jeden Fall so oder anders aus. Aber ich bin sehr überzeugt davon, wie wir argumentieren. Und ich bin deshalb auch guter Dinge und rate eigentlich auch allen, diesen Weg zu gehen."

Klagen, notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht

Martin Kilger will jedenfalls nicht aufgeben und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Um das alles finanzieren zu können, hat er ein Crowdfunding gestartet, mit dem er um Spenden bittet. Für ein Verfahren, mit dem er die Interessen vieler freiberuflicher Kolleginnen und Kollegen als Vorkämpfer durchfechten möchte: "Mein ganz klares Ziel ist: egal in welcher Instanz - mit dieser Forderung durchzukommen. Und damit eine Grundlage zu bilden für alle anderen Künstler, Musiker, Veranstaltungstechniker, sich auf dieses Urteil zu berufen und damit mehr Gerechtigkeit zu bekommen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.02.2021 | 06:20 Uhr

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