Zu sehen ist das Cover des Albums "Meese X Hell" von Jonathan Meese und DJ Hell, erschienen bei Buback Records. © Daniel Richter / Buback Records

"Ich bin deine Angst": Album von Jonathan Meese und DJ Hell

Stand: 19.03.2021 11:36 Uhr

Helmut Geier alias DJ Hell ist ein international gefragter DJ, Jonathan Meese ein Künstler von Weltrang. Nun haben sie unter dem Namen Meese X Hell ein gemeinsames Album gemacht: "Hab keine Angst, hab keine Angst, ich bin deine Angst."

von Alexandra Friedrich

Helmut Geier und Jonathan Meese unterscheidet vieles: Der eine gebürtiger Bayer und allein von Berufs wegen ständig im Nachtleben unterwegs, seit Kindertagen im Fußball-Verein, Fitness-Fan und Fashion-Freak. Der andere ist groß geworden im hohen Norden, in Ahrensburg, bekennender Stubenhocker und Genuss-Mensch, der niemals in einen Verein eintreten würde und in symbiotischer Beziehung zu seiner schwarzen Adidas-Trainingsjacke steht. Bei allen Unterschieden eint die beiden Männer aber vor allem eins: die innige Liebe zur Musik. Und der frönen sie jetzt auf ihrem gemeinsamen Album, das am 19. März auf dem Hamburger Label Buback erschienen ist.

"Hab keine Angst, hab keine Angst, ich bin deine Angst"

Jonathan Meese und DJ Hell stehen zusammen in der Regie eines Tonstudios. © Jan Bauer Foto: Jan Bauer
Helmut Geier alias DJ Hell und Jonathan Meese unterscheidet vieles, aber die Liebe zur Musik eint sie.

"Super, super, super, super, super, super. Nur Kunst ist Chef. Nur Kunst ist Chef." Der Künstler Jonathan Meese ruft seit Jahren die "Diktatur der Kunst" aus. Dank dem Münchner Helmut Geier, besser bekannt als DJ Hell, nun auch untermalt von kosmischen Klangteppichen und elektronischer "Körpermusik" - kurz EBM genannt, Industrial, Techno und House. "Ich sehe Jonathan in der Tradition von anderen deutschen Sängern wie Gabi Delgado von DAF oder gerne auch Blixa Bargeld von Einstürzende Neubauten", sagt DJ Hell. "Er ist ein genialer Sprachakrobat, hat eine wahnsinnig tolle Stimme, mit der er alles machen kann."

Deshalb hat der seit Jahrzehnten international erfolgreiche DJ, Produzent und Labelbetreiber DJ Hell mit Jonathan Meese und Brigitte Meese, dessen 91-jähriger Mutter, Muse und Managerin, ein gemeinsames Album produziert. Er hat Instrumentals gebastelt, Mutter und Sohn haben darüber mehr oder weniger improvisiert ihren Worten freien Lauf gelassen. Aus diesem reichhaltigen Text-Fundus wiederum hat DJ Hell die Kernaussagen herausgeschält: "Hab keine Angst, hab keine Angst, ich bin deine Angst."

Gegen die Bedrohung der Kunst in der Corona-Pandemie

Jonathan Meese steht mit einem Textblatt in der Hand vor einem Mikrofon im Aufnahmeraum eines Tonstudios. © Jan Bauer Foto: Jan Bauer
"Hab keine Angst": Meeses sieht die Kunst in der Pandemie bedroht.

Hab keine Angst. Diese mantraartige Wiederholung im beinahe zehnminütigen Titelstück des Albums scheint eine Selbstberuhigung zu sein. Denn Meese sieht eine ernsthafte Bedrohung: Wie die Kunst in der Pandemie von Politik und Gesellschaft als unwichtig abgetan wird, besorgt und empört ihn: " Als ob Ballett, als ob Theater, als ob das alles völlig wertlos ist. Komplett wertlos ist."

Er habe keine Angst vor Kunst, betont Meese: "Ich habe keine Angst vor Pandemien. Gar nicht, überhaupt nicht. Das kann man ja alles überleben durch Maßnahmen. Aber Angst macht mir dieser wahnsinnige Zynismus, diese unfassbare Bösartigkeit. Und das kann man nur durch Liebe, ganz viel Herzblut überleben."

Die Kraft der Liebe und Kunst als Zentrum des Albums

Jonathan Meese singt im Tonstudio von DJ Hell, neben ihm steht seine Mutter. © Jan Bauer Foto: Jan Bauer
Meeses Mutter Brigitte hat das Album mit produziert.

Liebe und Kunst - zwei Begriffe, die Meese synonym verwendet. Die Kraft der Liebe und somit der Kunst bilden das Zentrum des Albums. DJ Hell sampelt die Berliner Band Einstürzende Neubauten, er zitiert auf dem Album aber auch - wie oft in seinen Tracks - die Elektropioniere Kraftwerk. Und er verneigt sich vor DAF. Die von Hell und Meese geteilte Liebe zu der Musik des Düsseldorfer Duos spiegelt sich im Artwork wider, das einer der bedeutendsten deutschen Künstler seiner Generation mitgestaltet hat: Daniel Richter. Über sein Plattenlabel Buback erscheint das Album. Vor allem aber schwingt die deutsch-amerikanische Freundschaft in Sound und Text mit. Während DAF den "Mussolini" tanzt, heißt es hier aber "tanz' die Mutter".

Ein Musik gewordener Imperativ

Ganz im Sinne des 2020 verstorbenen DAF-Sängers Gabi Delgado-López, der die Sexyness der deutschen Befehlsform rühmte, ist das Album von Meese und Hell ein Musik gewordener Imperativ. Sie fordern uns auf zum Tanz, zum Spiel, zum Mut, zum Streit, zur Liebe und damit letztlich zur Kunst: "Geh' in die Zukunft. Marschier in die Zukunft. Kunst, marsch, marsch", sagt Meese. "Das ist letztendlich das Simpelste, was man tun kann, um weiterzukommen. Einfach mit Liebe etwas zu machen. Das ist ja Kunst.“

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 19.03.2021 | 14:20 Uhr

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