Stand: 22.10.2019 12:11 Uhr

Hamburger Seemanns-Chor feiert Jubiläum in Elphi

von Stefanie Wittgenstein

Einmal in der Elbphilharmonie singen: Das wär's doch - haben sich die 50 Männer vom Seemanns-Chor Hamburg gedacht. Vor zwei Jahren sie einfach mal frech angefragt, ob sie den hoch heiligen Konzertsaal nicht mieten könnten - zum 100. Jubiläum ihres Bestehens. Als die Zusage kam, ist ihnen erst mal die Singstimme weggeblieben. Seitdem wird fleißig geprobt und geplant. Am Mittwoch ist es soweit, dann steigt der große Auftritt. Ein Bericht von einer der letzten Proben.

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Den Hamburger Seemanns-Chor gibt es seit 100 Jahren.

Es liegt eine besondere Stimmung in der Luft im Restaurant "Luisenhof & Dubrovnik" in Farmsen, wo der Seemanns-Chor jeden Dienstag probt: eine Mischung aus Vorfreude, Nervosität und ganz viel Stolz. "Wir haben uns echt gefreut, dass das wirklich klappt. Wir waren davon ausgegangen, dass das nicht funktioniert, weil wir gehört haben, dass da ganz schwer heranzukommen ist", sagt Detlev Alsen, der 2. Vorsitzender des Chores.

Seemanns-Chor singt mit Polizeichor im Großen Saal

Alsen organisiert jeden Auftritt und erzählt, dass die Begeisterung am Anfang nicht bei allen Sängern so groß war. "Die Hausnummer ist ziemlich groß. Wir sind mit 50 Leuten für diesen großen Saal zu wenig. Deswegen haben wir beschlossen, den Polizeichor dazu zu nehmen. Die haben sofort zugesagt." 50 Seemänner plus 46 Polizisten - das ergibt eine volle Bühne im Großen Saal der Elbphilharmonie. Praktischerweise haben beide Chöre denselben Chorleiter: Es handelt sich um Kazuo Kanemaki, der bereits seit 34 Jahren Tonangeber beim Seemanns-Chor ist.

Eine große Sorge der Männer anfangs war: "Was ist, wenn wir nicht alle Karten verkauft bekommen und auf den hohen Kosten von rund 30.000 Euro sitzen bleiben?" Doch diese Angst war unbegründet: "Es war in rasender Schnelle ausverkauft, wir waren selbst sehr überrascht", sagt Aage Thomsen.

Auf dem Programm steht in der ersten Hälfte die Seemanns-Musik, für die der Chor berühmt ist: "Drunken Sailor" etwa oder "My Bonny". Die zweite Hälfte wird klassischer, und zusammen mit dem Jugendsinfonieorchester Ahrensburg gestaltet. Thomsen freut sich auf sein Solo - bei einem plattdeutschen Lied, das vom Kap Horn heimkehrende Seeleute gesungen haben.

Seemanns-Chor ist im September 1919 gegründet worden

Der Hamburger Seemannschor auf der Bühne © Seemannschor Hamburg / Alexandra Samsen Foto: Alexandra Samsen

Der Bericht zum Hören

Am 23. Oktober feiert der Hamburger Seemanns-Chor sein 100-jähriges Jubiläum mit einem Konzert in der Elbphilharmonie. Ein Besuch bei einer der letzten Proben vor dem Auftritt.

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Um Kap Horn sind die wenigsten der Chormitglieder jemals selbst gesegelt. Aber ein paar echte Seebären sind immerhin beim Chor dabei. Alle eint die Liebe zu Wind, Wellen, Shantys und Seeluft. Entstanden ist der Chor im September vor 100 Jahren, als mehrere Mitglieder des "Vereins geborener Hamburger e.V." Lust auf Singen hatten.

Gründungsmitglieder sind keine mehr mit dabei, aber die meisten sind älter als 70 Jahre und freuen sich, wie die meisten Hamburger Männerchöre, über Nachwuchs. Die beste Werbung gibt es nun im Großen Saal der Elbphilharmonie - in schwarzen Hosen und Paradeblusen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.10.2019 | 19:00 Uhr

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