Stand: 21.03.2019 08:05 Uhr

Rein Wolfs über die Michael-Jackson-Ausstellung

Gerüchte gab es schon lange um Michael Jackson und seine verdächtige Vorliebe für Kinder. In einem Gerichtsprozess war Jackson zu Lebzeiten freigesprochen worden, in einem anderen Fall hatte er eine hohe Geldsumme bezahlt. In einem aktuellen US-Fernseh-Dokumentarfilm behaupten nun erneut zwei Männer, als Kinder von Jackson missbraucht worden zu sein. Schwere Vorwürfe, die noch immer nicht zweifelsfrei bewiesen worden sind.

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Rein Wolfs , der Intendant der Bundeskunsthalle Bonn, sagt, die Ausstellung "On The Wall" thematisiere Michael Jacksons performative Auftritte.

Die Debatte um den Menschen und Künstler Michael Jackson ist neu entbrannt. Am 22. März beginnt in der Bundeskunsthalle in Bonn die Ausstellung "Michael Jackson: On the Wall", die Jacksons bedeutenden Einfluss auf die zeitgenössische Kunst zeigen will. NDR Kultur Moderator Philipp Cavert hat mit Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle, vorab gesprochen.

Glauben Sie, dass die Besucher die Ausstellung nach den letzten Vorwürfen gegen Michael Jackson unvoreingenommen sehen können und wollen?

Rein Wolfs: Unvoreingenommen weiß ich nicht, das wird jeder einzelne für sich entscheiden müssen und entscheiden können. Ich gehe davon aus, dass viele Blicke und viele Erwartungen in Bezug auf die Ausstellung jetzt anders sind. Das ist auch richtig so. Ich finde wichtig, dass das, was in der Öffentlichkeit passiert, auch in einer Kunsthalle verhandelt werden kann.  

Werke aus der Michael-Jackson-Ausstellung

Wie genau gehen sie mit dem Verdacht des Kindesmissbrauchs um und wie stellen Sie sich den Fragen der Besucher?

Wolfs: Zwei Dinge kann ich dazu sagen: Die Kunstwerke gehen nicht spezifisch darauf ein. Das muss ich vorwegnehmen. Wir haben Vermittler in der Ausstellung, die die Besucher ansprechen werden. Wir werden daneben aber auch noch ein Diskussionsprogramm auf die Beine stellen. So bieten wir rund um die Ausstellung Unterschiedliches an. Sie wird vier Monate gehen. Es wird uns noch mehr einfallen. Wir werden auch reagieren auf das, was passiert.

Wann wäre für Sie eine Grenze überschritten - oder anders gefragt: Wann würden Sie eine Ausstellung absagen?

Wolfs: Da muss man verschiedene Kriterien beachten. Lebt der Künstler noch oder nicht mehr? Kann man eine Diskussion führen? Kann man das aufgrund der Situation im Werk selbst? Wenn wir über einen bildenden Künstler reden, und im Werk ist ganz klar etwas zu sehen, was man heutzutage verurteilen würde, dann könnte das ein Grund sein zu sagen: "Wir verzichten auf diese Ausstellung." Bei Michael Jackson ist, wenn überhaupt etwas in seinen Texten, in seinem Auftreten gesagt wird zu diesem Thema, dann ist das multiinterpretabel und nicht so präzise gesagt. Das ist etwas anderes.

Gilt für Michael Jackson auch die Trennung von Werk und Urheber?

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In der Ausstellung sind etwa Werke aus der Reihe "American Jesus" von Dave LaChapelle von 2009 zu sehen - dem Todesjahr von Michael Jackson.

Wolfs: Das ist nicht einfach. Wir haben es mit Künstlern zu tun, die Ansprüche an ein Gesamtkunstwerk haben. Bei Michael Jackson geht es um seine Musik, um seine performativen Auftritte. Es geht um dieses Phänomen. Die Ausstellung geht nicht auf die biografischen Stationen ein. Nur: Es finden auch Hommagen von Künstlern und Künstlerinnen statt, die Jackson überhöhen, so wie alles um ihn herum überhöht wurde. Das ist ein Zeichen der Zeit. Und diese Zeichen der Zeit sind auch historische Zeichen, die es wert sind, darüber zu reden und einen Umgang damit zu finden.

Kann man da heraushören, dass die Debatte der Ausstellung zugutekommt und Sie sagen: "Jetzt erst recht"?

Wolfs: Das kann ich nicht beurteilen. Man weiß nicht, wie das unbekannte Wesen Besucher und Besucherin auf so etwas reagieren wird. Es werden Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Und unterschiedliche Meinungen sind die Basis, um Dinge zu verhandeln und um vielleicht noch einmal tiefer auf gewisse Dinge hinzuweisen. Dass wir in den letzten Jahren einen großen Fokus in unserer neu mediatisierten Gesellschaft auf das Thema "#mettoo", auf das Thema sexueller Missbrauch, auf das Thema Machtmissbrauch haben, das ist sehr gut. Wir müssen unbedingt auf dem Weg weitermachen, um diese kritischen Fragen immer wieder zu stellen.

Das Gespräch führte Philipp Cavert.

Die Ausstellung beginnt am 22. März und läuft bis zum 14. Juli 2019. Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 17 Uhr. Eintrittspreis: 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Freitags freier Eintritt für Schulklassen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.03.2019 | 09:20 Uhr

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