Das Gespräch

Gast: Rachel Salamander

Sonntag, 24. Januar 2021, 13:00 bis 13:30 Uhr

Mikrofon im NDR Kultur Sendestudio © NDR Online Foto: Mathias Heller

Ohne jedes Zögern wird Rachel Salamander heute als Germanistin vorgestellt, dabei war ihre Entscheidung für die deutsche Sprache und Literatur alles andere als selbstverständlich. Salamander wurde 1949 im Lager Föhrenwald geboren, einem Displaced Persons Camp für Überlebende des Holocausts. Die Familie sprach Jiddisch, und der Umzug aus der vertrauten Umgebung des Lagers in die Stadt München, der Besuch einer deutschen Schule, war ein Schock für die damals Siebenjährige: "Ich war ja plötzlich mitten im Feindesland", erzählt sie. "Wir wohnten in einem 'Judenhaus', so wurde unser Haus tituliert: Jeder Deutsche wusste gleich, wer wir waren - aber wir wussten nie, mit wem wir es zu tun hatten."

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Salamanders Lebensprojekt: die "Literaturhandlung"

Rachel Salamander © picture alliance / SZ Photo Foto: Claus Schunk
Rachel Salamander spricht im Interview über ihrer Kindheit und Jugend in zwei Welten.

Dass Rachel Salamander bis heute eine der bedeutenden und umtriebigen Germanistinnen des Landes ist, liegt auch daran, was sie auf diese Erfahrung folgen ließ: ein Studium der Philosophie, Germanistik und Romanistik in München, eine Doktorarbeit zum Begriff des Verstehens, publizistische Tätigkeiten und vor allem: die Gründung und stete Arbeit an ihrem Lebensprojekt, der "Literaturhandlung". Anfang der 1980er-Jahre gründete sie diese Buchhandlung, die jene Traditionen rekonstruierte und wiederbelebte, die die Nazis zum Schweigen gebracht hatten.

Geehrt mit dem Heinrich-Heine-Preis

2020 wurde Rachel Salamander für diese Lebensleistung der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf zugesprochen. Die offizielle Preisverleihung musste wegen der Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschoben werden. Sie habe "maßgeblich zum Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beigetragen", heißt es in der Begründung.

Zum 76. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz erzählt Salamander im Gespräch mit Marie Schoeß von Heinrich Heine und anderen Autorinnen und Autoren als ihren "Lebensbegleitern", von ihrer Kindheit und Jugend in zwei Welten - der jüdischen und der nicht-jüdischen - und dem Ort, an dem beide Welten zusammenkommen: ihrer "Literaturhandlung".

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