Stand: 13.03.2018 11:00 Uhr

Der zweite Band der Trisolaris-Trilogie

Der dunkle Wald
von Cixin Liu, aus dem Chinesischen von Karin Betz
Vorgestellt von Martina Kothe
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Cixin Liu ist einer der erfolgreichsten chinesischen Science-Fiction-Autoren. Seine Romane wurden bereits acht Mal mit dem Galaxy Award prämiert.

Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie schon in den Nachthimmel geschaut und sich gefragt, ob es da irgendwo im Universum intelligentes Leben gibt? Science Fiction-Autoren und ihre Leser gehen meist, tief im Inneren, fest davon aus, dass dem so ist. Im Roman "Die drei Sonnen" des chinesischen Schriftstellers Cixin Liu, der mit internationalen Preisen bedacht wurde und im letzten Jahr auf Deutsch erschien, geht es nicht um die Frage, ob es außerirdisches Leben geben könnte, sondern es gibt handfeste Beweise. Hier wird der erste Kontakt zwischen einer außerirdischen Zivilisation und der Menschheit beschrieben. Jetzt ist der zweite Band erschienen. Er heißt "Der dunkle Wald".

Eine den Menschen überlegene Spezies ist im Anmarsch

Sie kommen von weit her. Von einem Planetensystem, in dem drei Sonnen ihre Heimat umkreisten. Trisolarier werden die Außerirdischen genannt, die in Cixin Lius erstem Band der Trilogie Kontakt mit der Menschheit aufnehmen. Was man noch wissen sollte, bevor man sich voller Vorfreude in den zweiten Teil der Reihe vertieft: Die Trisolarier sind der Menschheit technologisch weit überlegen. Sie haben ihren Planeten aufgegeben, um in 400 Jahren die Erde zu besiedeln, sie halten die Menschen zwar für Ungeziefer, aber fürchten sich vorm technischen Fortschritt auf der Erde, den sie mittels sogenannter Sophonen blockieren. Mit dieser Technologie ist es den Trisolariern auch möglich, jederzeit mit ausgewählten Menschen zu kommunizieren.

Eure Gedanken sind für die Außenwelt unmittelbar zu erkennen, ihr könnt sie nicht verbergen.
Wie könnte man seine Gedanken verbergen? Diese Vorstellung ist verwirrend.
(…) "Was ist das für eine Gesellschaft, in der alle Gedanken transparent sind? Welche Art von Kultur entsteht dadurch, und was für eine Politik? Ohne Intrigen und Täuschungsmanöver?"
Was sind Intrigen und Täuschungsmanöver?
Evans schwieg.
Die Kommunikationsorgane der Menschen sind das Resultat eines evolutionären Defizits, ein notwendiger Ausgleich dafür, dass eure Gehirne keine ausreichend starken Gedankenwellen produzieren können. Das ist eine eurer biologischen Schwachstellen. (…)
"Ein Defizit? Eine Schwachstelle? Nein, Ihr täuscht Euch, Herr. Was das betrifft, seid ihr vollkommen im Irrtum."
Ich habe Angst vor euch. Leseprobe

Was tun gegen die fremde Bedrohung?

Gute Science-Fiction ist oft auch eine klare Analyse menschlichen Denkens und Handelns in der Gegenwart. In "Der dunkle Wald" sind die Fronten klar. Jemand anders will unseren Planeten haben - und er wird in ziemlich genau 400 Jahren da sein. Wie also reagiert die Menschheit unserer Tage auf eine solche Bedrohung?

Zunächst wird aufgerüstet. Keine Überraschung hier. Ferner gibt es jene, die von der Erde fliehen wollen. Außerdem machen einige mit den Trisolariern gemeinsame Sache, andere indes leben, als gäbe es kein Morgen, viele verfallen in Depressionen.

Inmitten dieser chaotischen Zustände wird das sogenannte "Wandschauer"- Projekt ins Leben gerufen. Vier Wissenschaftler werden ausgewählt, die eine Strategie zur Verteidigung der Menschheit ersinnen sollen, allerdings ohne darüber zu sprechen. Denn Gedanken lesen können sie nicht, die Trisolarier.

Ungewöhnliche Idee zur Rettung der Menschheit

Einer der Wandschauer ist der erfolglose Wissenschaftler Luo Ji. Gerade hatte er begonnen die "Kosmosoziologie" zu entwickeln, sich also Gedanken über Wechselwirkungen von Zivilisationen im Universum zu machen, als er in das Projekt geholt wird. Er glaubt weder an irgendeine Rettung der Menschheit noch daran, dass er eine gute Idee entwickeln könnte.

Doch er hat eine Idee. Er verflucht einen Stern, indem er dessen genaue Koordinaten, durch die Sonne verstärkt, ins All sendet. Im Jahr 205 der Krise, nach 150 Jahren Kälteschlaf wird Luo Ji geweckt. Das Erstaunliche: Sein "Fluch" hat gewirkt. Der Stern wurde von etwas - oder jemandem - zerstört.

Vor acht Jahren bereits warnte der Astrophysiker Stephen Hawking die Menschen eindringlich davor, ständig irgendwelche Nachrichten ins All zu schicken, in der Hoffnung, jemand antworte. Seine These: Wenn jemand dort draußen die Position der Erde bestimmen und zu uns reisen könnte, dann wäre er technologisch eindeutig weiter als wir - für die Menschheit sicher kein Vorteil.

Technisches Wissen trifft auf logisches Denken

Diesen Gedanken nimmt Cixin Liu auf und spinnt ihn auf geniale Weise weiter. Hier treffen technisches Wissen, der Autor war schließlich im Brotberuf Ingenieur, und logisches Denken aufeinander.

"Das Universum ist ein dunkler Wald. Jede Zivilisation ist ein bewaffneter Jäger, der wie ein Geist zwischen den Bäumen umherstreift (…) und versucht, geräuschlos aufzutreten und so leise wie möglich zu atmen. Der Jäger muss vorsichtig sein, denn überall im Wald lauern andere Jäger wie er. Stößt er auf ein anderes Leben, egal ob es sich dabei um einen anderen Jäger, einen Engel oder einen Teufel, ein neugeborenes Baby oder einen alten Tattergreis, eine Fee oder einen Waldgeist handelt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als es auszuschalten. In diesem Wald sind die Hölle die anderen Lebewesen." Leseprobe

Umfassend diese fantastische Geschichte zu erzählen, würde sicher mehrere Tage dauern. Fast 800 Seiten voll spannender Ideen, ungewöhnlicher Wendungen und mit einem großartigen Ende.

In einem ausführlichen Anhang werden die chinesischen Namen erklärt und einige Zusammenhänge aus der Geschichte Chinas. Und jetzt? Angestrengtes Warten auf den dritten Teil.

Der dunkle Wald

von
Seitenzahl:
816 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Heyne
Bestellnummer:
978-3-453-31765-9
Preis:
16,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 14.03.2018 | 12:40 Uhr

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