#actout: Prominente aus Film und Theater fordern mehr Diversität

Stand: 05.02.2021 11:54 Uhr

185 schwule, lesbische, bisexuelle, trans, queere und nicht-binäre Schauspieler*innen haben unter dem Hashtag #actout ein Manifest im "SZ-Magazin" veröffentlicht - für mehr Diversität und Sichtbarkeit.

Collage von sechs Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich über das Manifest #actout geoutet haben  Foto: Kalaene/Pedersen/Anspach/Reinhard/Arnold
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Zu den Unterzeichner*innen gehören unter anderem Godehard Giese, Emma Bading und Ulrich Matthes. Worum geht es den Unterzeichner*innen, Vanessa Wohlrath aus der NDR Kultur Redaktion?

Vanessa Wohlrath: Was diese 185 Schauspieler*innen in ihrem Schreiben fordern, ist: mehr Sichtbarkeit und mehr Diversität in Film, Fernsehen und Theater. Denn was sie alle miteinander verbindet, ist eigentlich ganz simpel: Die Schauspieler*innen können sich in der Öffentlichkeit nicht zeigen, wie sie sind. Im privaten Leben ist das kein Problem, da hatten viele von ihnen bereits ihr Coming-out - und das oft mehrmals. Aber: "Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten", heißt es in dem Manifest.

Den Darsteller*innen wurde in allen Fällen dazu geraten, die eigene sexuelle Orientierung, Identität und Gender geheim zu halten, um ihre Karrieren nicht zu gefährden. Das fange schon an der Schauspielschule an, ziehe sich dann weiter über Film-Castings bis hin zu Filmpreisverleihungen. Eine der Unterzeichnerinnen, die Tatort-Schauspielerin Karin Hanczewski, erzählt zum Beispiel in dem Interview mit dem SZ-Magazin, dass sie ihre Partnerin mal mit auf den roten Teppich nehmen wollte, ihre Agentin ihr aber davon abriet.

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Patrick Güldenberg während der Hörspiel-Produktion "Die Vermessung der Welt" beim NDR © NDR/Fritz Meffert
5 Min

#actout-Manifest auch mit norddeutscher Beteiligung

Reporterin Anina Pommerenke hat mit zwei Schauspielern aus dem Norden gesprochen, die das Manifest unterzeichnet haben. 5 Min

Also, beim Lesen des Gesprächs mit einigen der Unterzeichner*innen kam mir oft der Gedanke: Das sind ganz schön veraltete und klischeebehaftete Strukturen, die die Film- und Theaterbranche hier offensichtlich vorgibt und auch lebt. Dabei - so schreiben die Schauspieler*innen auch in ihrem Manifest - gäbe es weitaus mehr Geschichten und Perspektiven als nur die des heterosexuellen weißen Mittelstands, die angeschaut und gefeiert würden. Zitat: "Diversität ist in Deutschland längst gesellschaftlich gelebte Realität. Die Zuschauer*innen sind bereit. Die Welt verändert sich, wir tragen alle dazu bei!"

Offensichtlich herrscht also in der Film- und Theaterbranche seitens der Darsteller*innen ein großes Bedürfnis danach, mehr unterschiedliche und neue Geschichten darzustellen und zu erzählen. Wie sind denn bisher die Reaktionen auf dieses Coming-out?

Das Echo in den Sozialen Netzwerken bisher ist sehr groß und weitgehend positiv. Die SZ veröffentlichte Donnerstagabend bereits einige Stimmen aus den Interviews auf ihrem Instagram-Kanal und postete das Cover des SZ Magazins, auf dem alle Unterzeichner*innen des Manifests mit einem Foto abgebildet sind. Und darauf gibt es Stand jetzt schon tausende Likes, unter anderem von der Schauspielerin Laura Tonke und der "Taubenleben"-Autorin Paulina Czienskowski. Ein User postet darunter: "Großartige Aktion!", eine weitere kommentiert: "Sollte doch heutzutage kein Problem mehr sein." Und wieder ein anderer User hält seinen Daumen hoch, schreibt aber dazu: "Trotzdem schade, dass es einfach immer noch thematisiert werden muss. Jeder Jeck ist anders - und das ist gut so!"

Neben dem Insta-Post von der SZ haben sich noch viele weitere Unterstützer*innen unter dem Hashtag #actout geäußert, beispielsweise die Sängerin und Schauspielerin Carolin Karnuth einfach nur mit einem Herz in Regenbogenstreifen. Und die Schauspielerin Maren Kroymann dankt den Unterzeichner*innen und schreibt: "Ich fühle mich durch Euch auf meinem Lebens- und Berufsweg als schon lange geoutete Kollegin großartig unterstützt."

Das Gespräch führte Hans-Jürgen Mende.

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Eva Meckbach © picture alliance/dpa Foto: Horst Galuschka

"Ich habe gemerkt, dass die Menschen mich anders sehen"

Eva Meckbach ist eine von 185 Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich im "SZ-Magazin" geoutet haben. Ein Gespräch. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 05.02.2021 | 09:20 Uhr