Stand: 17.02.2020 13:46 Uhr  - NDR Info

Vom Wendland nach Berlin: Sängerin Catt im Porträt

von Ocke Bandixen

Vor rund vier Jahren starb Roger Willemsen. Zu seinem Vermächtnis gehört unter anderem sein Haus in Wentorf bei Hamburg, in dem jährlich einige Stipendiaten wohnen dürfen, um sich in Ruhe und Konzentration ihrer Kunst zu widmen. Die junge Sängerin Catharina Schorling aus dem Wendland ist seit einigen Tagen dort. Auf der Bühne nennt sie sich Catt und hat schon von sich reden gemacht.

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Catharina Schorling aus dem Wendland ist Stipendiatin der Roger Willemsen Stiftung.

Es dauert nur einen Moment, dann ist Catt ganz da. Kopfüber stürzt sie sich in die Musik und alles, was dazugehört. Die blonde junge Frau macht sonst alles gleichzeitig, meint man. Sich neue Musik ausdenken, bei Instagram präsent bleiben, und auf Tour gehen. "Ich war im Herbst 2018 mit Judith Holofernes auf Tour, da habe ich Keyboard gespielt, Background gesungen und meine Bläser dabeigehabt. Das ist immer spannend", erzählt Catt. "Danach war ich noch mit Sarah Connor unterwegs, was noch mal anders war. Arenagröße, da musste ich dann auch tanzen, was lustig war."

Dass sie jetzt einige Monate lang nur an ihrer eigenen Musik arbeiten kann, ist schon ungewöhnlich. In Ruhe, in ganz eigener Atmosphäre, zwischen Bücherwänden und Plattensammlungen im Willemsen-Haus in Wentorf. "Ein toller Flügel steht da. Ist schon erstaunlich, was für eine Wärme dieses Haus ausstrahlt", sagt Catt.

Vom Wendland in die Berliner Musikszene

Catharina Schorling, so ihr gebürtiger Name, stammt aus einem winzigen Dorf im Wendland. Mitte 20 ist sie und hat längst Niedersachsen verlassen und ist in die Berliner Independent-Musikszene eingetaucht. Kurz hat sie ein Studium probiert, bevor sie ihr erstes kurzes Album aufgenommen hat. Im vergangenen Sommer ist es erschienen.

Dichte Klavierklänge, verspielte Jazzwendungen, verwehte Stimmen, Groove. Man meint, eine junge Joni Mitchell zu hören, vielleicht Kate Bush. Aber mit Klavier und Posaune. Kaum einzuordnen. "Im Wendland gab es nur Klassik, Lehrer für Pop oder Jazz gab es dort nicht. Und deshalb war es auch wichtig, wegzugehen, so sehr ich das Land auch liebe", so die Sängerin.

Erste Solo-Tournee im Frühjahr 2020

Ihr erstes Video hatte sie auch im Wendland gedreht, im Freibad, das im Herbst für den Dreh noch ein bisschen länger geöffnet blieb. Ihr Vater spielte darin einen Bademeister, ihre Mutter brachte Pizza vorbei.

Im Frühjahr geht sie das erste Mal allein auf Tournee. Als die, für die die Leute aus dem Haus gehen, sagt sie. Stolz klingt das, und nur wenig aufgeregt. Was sie in der Villa machen wird? Mal sehen. Musik schreiben. Auf jeden Fall wird von ihr zu hören sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 16.02.2020 | 09:55 Uhr

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