Stand: 09.09.2019 12:06 Uhr

Norddeutsche Denkmäler laden zum Entdecken ein

Am "Tag des offenen Denkmals" konnten Interessierte am 8. September rund 8.000 Denkmäler besichtigen und Heimatgeschichte hautnah erleben. Vom Modell-Gabelstaplerfahren für Kinder bis zum wissenschaftlichen Vortrag gab es rund um die Bauwerke zahlreiche Veranstaltungen. Allein in Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern standen rund 1.200 Denkmäler für die Besucher unentgeltlich offen.

Hamburg: Olivia-Jones-Familie führte kostenlos durch die Große Freiheit

Dragqueen Olivia Jones in Olivias Show Club in Hamburg. © NDR Foto: Claudia Timmann
Beim Tag des Denkmals leiten Mitglieder der Olivia-Jones-Familie kostenlose Touren durch die große Freiheit.

Nicht nur was schön und alt ist, steht unter Denkmalschutz: Auch das Hamburger Vergnügungsviertel auf St. Pauli ist kulturhistorisch bedeutend. Gleich zwölf Gebäude auf der Großen Freiheit sind denkmalgeschützt. Am Tag des Denkmals führten Mitglieder der Olivia-Jones-Familie kostenlos durch die legendäre Straße. Die Tour führte vom Beatles-Platz unter anderem durch das Hermann-Bartels-Haus und das Dollhouse bis hinein in den Backstage-Bereich von Olivias Show Club. Der Rundgang endete in der katholischen St. Joseph Kirche, die an diesem Tag ausnahmsweise die Krypta öffnete.

Viele Denkmäler in Hamburg haben speziell für Familien mit Kindern ein Programm entwickelt. Im Hafenmuseum konnten Kinder beispielsweise mit funktionstüchtigen ferngesteuerten Modell-Gabelstaplern eigenhändig nachempfinden, wie der Containerumschlag im Hamburger Hafen in den 1970er-Jahren abgelaufen ist. Außerdem gab es zahlreiche Familienrallyes unter anderem über die Elbinsel Kaltehofe.

Weitere Highlights beim Tag des offenen Denkmals in Hamburg

  • Astronomiepark Hamburger Sternwarte in Bergedorf
  • Fahrten mit den historischen Dampfschiffen "Claus D", "Otto Laufer" und Tiger" auf der Elbe
  • Rundgang "Die Moderne und der Denkmalschutz am Dulsberg" über die Umbrüche des Neuen Bauens in den 1920er-Jahren

Insgesamt sind in Hamburg mehr als 130 Veranstaltungen geplant.

Niedersachsen: Historisches Museum Hannover lädt zum Fest ein

Das historische Museum Hannover lud anlässlich des Tag des Denkmals zum Museumsfest ein. Neben der Sonderausstellung "Hanno(ver)wandelt" gab es zahlreiche Mitmach-Aktionen. So konnten Besucher sich im Stil der vergangenen Jahrzehnte verkleiden, an der Schallplattenbörse ihre Wunschhits abspielen lassen oder sich einen professionellen Tanz-Crashkurs geben lassen.

Die offizielle Eröffnung des Landes Niedersachsen fand dieses Jahr in Worpswede statt. Denn in der Künstlerkolonie lässt sich der Einfluss der frühen Moderne auf die zeitgenössische Kunst besonders gut beobachten. Anlässlich des Tags des Denkmals gab es ein Podiumsgespräch zum Motto "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur". Außerdem war die Wanderausstellung "Auf dem Weg zum Bauhaus", im Worpsweder Rathaus zu sehen.

Weitere Highlights beim Tag des offenen Denkmals in Niedersachsen

  • Senffabrik Leman in Eystrup (Hoya) - Vorführung der Produktion mit historischer Dampfmaschine
  • Gloger-Orgel in St.-Severi-Kirche in Otterndorf bei Cuxhaven - Orgelkonzert mit anschließender Führung
  • Museumsdorf Cloppenburg - Führung "Abschied vom Fachwerk?"

In Niedersachsen öffnen mehr als 600 Denkmäler ihre Türen

Schleswig-Holstein: Metallgießen in der Howaldtswerft

In Schleswig-Holstein wurde in den Großstädten ein abwechslungsreiches Programm aus Familienprogramm und Bildungsveranstaltungen angeboten. In einer historischen Metallgießerei auf dem Gelände der Kieler Howaldtswerft konnten Kinder eigenständig Zinnfiguren herstellen. Auf Wunsch wurden persönliche Tierkreiszeichen oder der Kielfisch gegossen. Die Stadt Lübeck bot in der Großen Börse des Rathauses einen Vortrag des Kunsthistorikers Hans-Rudolf Meier an. Der Professor von der Universität Weimar wurde anlässlich des Bauhaus-Jubiläums über die Umbrüche in der Kunst des 20. Jahrhunderts sprechen.

Wer es lieber etwas ruhiger hat, konnte den Tag des offenen Denkmals zum Anlass nehmen, auf das Land zu fahren und dort beeindruckende historische Kirchen und Klöster bestaunen. Zum Beispiel den Ratzeburger Dom. Der Grundstein für das Gotteshaus wurde bereits im Jahre 1154 gelegt. Die Gesamtanlage mit Dom und Kloster gilt als eine der am vollständigsten erhaltenen spätromanischen Dom-Anlagen Europas.

Weitere Highlights beim Tag des offenen Denkmals in Schleswig-Holstein

  • Edelsteinschleiferei und Schmuckatelier x-lucive in Lübeck (Offene Werkstatt - Herstellung an alter Handschleifmaschine)
  • Modelleisenbahn mit 600 Meter Gleislänge im Laboratorium einer ehemaligen Schießpulverfabrik in Rendsburg
  • Ausstellung "Paradiesische Pflanzen in Judentum, Christentum und Islam" im Bibelgarten des St.Johannis-Kloster in Holm

Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein in diesem Jahr mehr als 150 Veranstaltungen zum Tag des Denkmals.

Mecklenburg-Vorpommern: Beim Staatstheater hinter die Kulissen blicken

Das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin erlaubte zum Tag des offenen Denkmals einen Blick hinter die Kulissen. In mehreren Führungen wurden den Besuchern historische Instrumente sowie Bühnenbild und Technik erklärt. Außerdem wurde eine Tastführung für blinde und sehbehinderte Menschen angeboten.

Weitere Informationen
Gutshaus Ganzow in Gadebusch © Sönke Borgward

Tag des offenen Denkmals 2019 in MV

Am Sonntag waren zum Tag des offenen Denkmals zahlreiche historische Gebäude geöffnet - darunter auch das Gutshaus Ganzow in Gadebusch oder das Schloss Ludwigslust. mehr

Im ehemaligen Franziskanerkloster St.-Katharinen in Rostock gab es bereits am Samstagabend ein Konzert im Orgelsaal. Studierende der Hochschule für Musik und Theater präsentierten im Orgelsaal Mozartlieder und einige Lieder aus Franz Schuberts "Die schöne Müllerin".

Weitere Highlights beim Tag des offenen Denkmals in MV

  • "Studenten in der sozialistischen Gesellschaft" - Vortrag in der Mensa der Universität Greifswald
  • Historische Ziegelei in Benzin mit angrenzender Lorenbahn
  • Ausstellung "Brückenkunst" im historischen Lübecker Speicher in Demmin

Rund 280 historische Gebäude und Anlagen können in Mecklenburg-Vorpommern besucht werden.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz organisiert Tag des offenen Denkmals

Seit 1993 ermöglicht es der "Tag des offenen Denkmals", der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert wird, historische Bauten, archäologische Stätten und Parks intensiver kennenzulernen. Viele der teilnehmenden Denkmäler sind für gewöhnlich nicht zugänglich. In diesem Jahr fand die Eröffnung des bundesweiten Festtags in Ulm statt.

Mit dem Motto "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" wurde insbesondere die stilprägende Epoche des Bauhauses und der Umbruch in Kunst und Architektur des frühen 20. Jahrhunderts gewürdigt. Aber auch andere epochale Veränderungen in der Architektur, so beispielsweise stilistische Wandlungen von der Romantik zur Gotik, wurden thematisiert. Häufig sind Umbrüche in Kunst, Architektur und Kultur eng mit Errungenschaften in Technik und Wissenschaft verknüpft. So führte die Massenproduktion von Stahl, die durch die Industrialisierung möglich geworden war, unter anderem dazu, dass sich das Stadtbild zahlreicher Metropolen von vertikal zu horizontal wandelte.

Weitere Informationen
Schweriner Schloss © NDR Foto: Torsten Schmeling aus Schwerin

Wie viel Denkmalschutz brauchen wir?

Denkmalschutz wird häufig mit dem Alten und Schönen assoziiert. Doch wer bestimmt, ob ein Objekt schützenswert ist? Das ist das Thema der NDR Debatte. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Echo am Morgen | 08.09.2019 | 09:00 Uhr