Szene aus dem Film "Shoplifters - Familienbande" von Hirokazu Kore-eda © Wildbunch

"Shoplifters": Familienfilm mit Herzenswärme

Stand: 26.05.2021 14:57 Uhr

Der japanische Meisterregisseur Hirokazu Koreeda wurde 2018 in Cannes mit der Goldenen Palme für seinen Film "Shoplifters" ausgezeichnet. Bis zum 1. Juni 2021 ist er in der Arte Mediathek zu sehen.

von Katja Nicodemus

Noch nie hat ein Film voller Herzenswärme das Konzept der Familie so klug reflektiert. Dieser Film ist so unaufgeregt wie die Musik, die ihn trägt. Dabei stellt er große Fragen: Was macht eine Familie aus? Ist Verwandtschaft eine Frage der Abstammung oder des Gefühls, der seelischen Verbundenheit? Und gibt es Bindungen, die viel stärker als Blutsbande sind? Der Film ist bis zum 1. Juni in der Arte Mediathek zu sehen.

Im Zentrum von "Shoplifters", dem Meisterwerk des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda steht eine Familie, die ihren Lebensunterhalt durch Ladendiebstähle bestreitet. Zwischen Diebeszügen und dem genüsslichen Verspeisen der erbeuteten Lebensmittel läuft der Truppe ein vierjähriges Mädchen zu: Yuri. Und wie es sich gehört, wird das blasse kleine Wesen erst einmal verköstigt.

Yuri ist unterernährt und voller blauer Flecken. Dass das kleine Mädchen misshandelt wurde, wird von den Familienmitgliedern wie nebenbei registriert. Ebenso beiläufig wird Yuri in den Alltag integriert, der sich in dem einen Zimmer eines kleinen altjapanischen Häuschens abspielt. Hier leben Mutter, Vater und Großmutter mit dem zwölfjährigen Sohn und der halbwüchsigen Tochter zusammen - und nun auch mit Yuri.

Ausführlich zeigt Koreedas Film die Diebeszüge der Familie, die ausgeklügelten Techniken des Klauens: das Warten auf den richtigen Moment, das Ablenkens der Supermarktangestellten, das Einstecken, Verstecken. Man könnte sagen, dass hier in aller Ruhe ein Berufsstand vorgeführt wird. Die Familie stiehlt nur, was sie braucht. Abends, beim Essen kommen alle wieder zusammen. Alles scheint idyllisch, friedlich zu sein. Doch dann dringen plötzlich Fernsehnachrichten über das neue Familienmitglied ins Wohnzimmer.

In Koreedas Film ist Liebe am Werk

Szene aus dem Film "Shoplifters - Familienbande" von Hirokazu Kore-eda © Wildbunch
Im Siegerfilm "Shoplifters" von Hirokazu Kore-eda nimmt eine Familie von Kleinkriminellen ein fremdes Kind bei sich auf.

Selbstverständliche Empathie, Warmherzigket, Zärtlickeit, Herzensgüte - das sind die Werte, für die die Familie der Ladendiebe steht. Jeder kümmert sich auf seine Weise um den Neuzugang. Yuri wird als Enkelin, als neues Geschwisterchen behandelt. Und die Familienmutter wird noch einmal Mutter. Etwa, wenn sie Yuri erklärt, wie sie mit Misshandlungen umgehen soll.

Irgendwann deutet sich in Kore-edas Film an, dass die Filmfamilie vielleicht gar nicht durch Verwandtschaft verbunden ist. Aber wen schert das eigentlich? Schließlich ist hier Liebe am Werk. Und die eine, unbeschwerte Reise ans Meer, ist wirklich ein Familienausflug. Mit allem, was dazu gehört: Eis essen, am Strand herumtollen, sich in der vertrauten Präsenz der anderen wiegen.

Der ideale Familienfilm - zu sehen bei Arte

Irgendwann wird sich die kleine Diebesgemeinschaft und Sehnsuchtsfamilie nicht mehr von der Außenwelt abschotten können. Und das bedeutet: Paragrafen, Schuldzuweisungen, die Konfrontation mit den Normen der Gesellschaft. Oder auch das Unverständnis des verhörenden Polizisten gegenüber einem Outlaw, der seine eigenen Werte lebt.

"Shoplifters" ist letzlich der ideale Familienfilm. Hier geht es um Nächstenliebe und Herzenswärme. Noch nie hat ein Film das Konzept der Familie so klug reflektiert, aus den Angeln gehoben - und auf eine ganz eigene, unerwartete Weise gefeiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 20.05.2021 | 07:20 Uhr