Stand: 06.08.2020 10:20 Uhr  - NDR Kultur

Schulstart in Hamburg - Gibt es einen Plan B?

von Ole Wackermann

In den Schulranzen gehört neuerdings auch ein Mund-Nasen-Schutz. Das gilt bereits für die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat der Unterricht am Montag wieder begonnen. Hamburg ist am Donnerstag in dieses besondere Schuljahr gestartet. Schulsenator Rabe hat sich erst diese Woche entschieden, eine Maskenpflicht einzuführen. So stemmt sich die Stadt Hamburg, ebenso wie viele andere Bundesländer, gegen steigende Corona-Infektionszahlen.

Die Hamburger Schülerin Luisa mit Mund-Nasen-Schutz © NDR Foto: Ole Wackermann
Freut sich über die Rückkehr zum Präsenz-Unterricht: die Hamburger Schülerin Luisa.

Es ist kaum ein Unterschied zu hören, wenn Luisa ihren Mund-Nasen-Schutz aufsetzt hat. Ihre Maske hat ein cooles Flecktarnmuster. Sie startet diese Woche in das Schuljahr der achten Klasse. Nur an ihrem Platz im Klassenraum darf sie den Corona-Schutz abnehmen. Ein bisschen komisch findet sie das schon. Aber es wird Zeit, dass sie wieder richtig zur Schule gehen kann: "Wir hatten so lange Homeschooling, und jetzt noch die Sommerferien. Ich freue mich, dass wir wieder in die Schule können", sagt Luisa.

Video-Chat kann Unterricht vor Ort nicht ersetzen

Der Schuleiter am Marion-Dönhoff Gymnasium in Hamburg Christian Gefert vor seiner Schule © NDR Foto: Ole Wackermann
Schulleiter Christian Gefert gibt zu bedenken: "nicht alle Schulen haben funktionsfähige Kommunikationsplattformen".

Erleichtert ist auch Christian Gefert, Schulleiter am Marion-Dönhoff Gymnasium in Hamburg. Denn ein Video-Chat kann eben nicht all das ersetzen, was Schule ausmacht. "Wir hören natürlich von vielen Schülerinnen und Schülern die Sehnsucht nach Schule, nach Begegnung. Schule ist ein sozialer Ort und unsere Schülerinnen und Schüler vermissen diesen." Aber auch, welche Chancen digitales Lernen bietet, habe die Corona-Krise gezeigt, meint der Schulleiter. Zum Beispiel für selbstständiges Arbeiten. Das deutsche Bildungssystem sei jedoch noch längst nicht soweit, diese Chancen ausreichend zu nutzen: "Die Probleme fangen da an, dass nicht alle Schulen funktionsfähige Kommunikationsplattformen haben. Von Lernplattformen ganz zu schweigen." Oder so einfache Dinge wie Programme für Video-Kommunikation, die auch wirklich handhabbar seien. Das ende bei der Frage: "Wer soll diese Systeme an den Schulen warten?"

Homeschooling: Jugendliche verbringen weniger Zeit mit Schule

Wenn nun die Infektionszahlen weiter stiegen und der Unterricht wieder online stattfinden müsste, wäre das für viele Schülerinnen und Schüler eine Bildungskatastrophe, befürchten Experten. Eine Umfrage des Münchener ifo-Instituts hat ergeben: Während der Corona-Krise hat sich die Zeit, die Jugendliche mit Lernen für die Schule verbracht haben, halbiert. "Was dagegen stark zugenommen hat, sind Computerspiele und soziale Medien. Wir sind jetzt so in einem Bild, dass Schülerinnen und Schüler während der Corona-Krise anderthalb Stunden mehr mit Fernsehen und Computerspielen verbracht haben als mit schulischen Aktivitäten." Das betreffe gerade Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen, sagt der Ökonom Ludger Wößmann vom ifo-Institut. Seine Kollegin Katharina Werner ergänzt: Nur ein Viertel der Befragten gebe der Bildungspolitik in Corona-Zeiten gute Noten. "Man kann also sagen, dass insgesamt im Politikfeld der Bildung, anders vielleicht als auf anderen Politikfeldern, die Bevölkerung der Politik ein eher schlechtes Zeugnis ausstellt."

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Tschentscher: Plan B bei steigenden Corona-Infektionen in Hamburg

Was aber, wenn die Infektionszahlen weiter steigen? Geht es dann zurück zum Homeschooling? Gibt es überhaupt einen Plan B, fragen Journalisten Hamburgs Ersten Bürgermeister Tschentscher. Er sagte: "Wir werden einen Plan B, einen Plan C haben, falls es zu neuen Situationen kommt, sodass wir dann auch adäquat handeln können. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht zu sagen: 'Wir haben ein schrittweises Konzept, wir handeln auf Sicht'."

Online-Unterricht: Ein Junge sitzt an seinem Schreibtisch und hört seinem Lehrer über den Laptop zu. © imago

AUDIO: Studie: Deutlich weniger Lernzeit während Corona (8 Min)

Der Bürgermeister fährt auf Sicht, viele Schulen haben sich dagegen schon Gedanken gemacht, wie zum Beispiel eine Mischung aus Online- und Präsenzunterricht aussehen könnte. Aber auch sie hoffen, dass der Plan B, den es noch gar nicht gibt, am Ende nicht gebraucht wird. Genauso wie Schülerin Luisa. Sie sagt: "Ich wäre schon traurig. Das Homeschooling war okay, aber in der Schule lenkt man sich nicht so einfach ab. Klar, man kann quatschen, aber trotzdem konzentriert man sich auf eine Weise. Und zu Hause kann man sich immer ablenken.

Der Schuleiter am Marion-Dönhoff Gymnasium in Hamburg Christian Gefert mit Mund-Nasen-Schutz seiner Schule © NDR Foto: Ole Wackermann

AUDIO: Schulstart Hamburg - gibt es einen Plan B? (4 Min)

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 06.08.2020 | 10:20 Uhr