Stand: 26.08.2020 17:01 Uhr

Die neue Saison am Theater Vorpommern

Das Theater Vorpommern ist schon früher als andere Theater in die neue Spielzeit gestartet, denn die Pause war allen zu lang. Bereits Mitte Juli hat das Vier-Sparten-Haus mit den Theatern Greifswald, Stralsund und Putbus mit den Proben wieder losgelegt. Die ersten Premieren sind gelaufen, weitere stehen noch aus.

von Juliane Voigt

Das Theater Greifswald mit Blick auf den Besuchereingang. © dpa-Zentralbild Foto: Stefan Sauer
Bereits seit Juli wird am Theater Greifswald wieder gespielt. Die neue Saison ist vielseitig.

Da sind sie wieder: Orchesterklänge im Greifswalder Theater. Das Philharmonische Orchester spielt das erste Konzert. 15 Musikerinnen und Musiker sitzen über die Bühne verteilt. Nach der langen Pause spielen sie zum ersten Mal wieder gemeinsam. Dirigent Florian Csizmadia dirigiert "Das Lied von der Erde" von Gustav Mahler.

Komponiert hat Mahler das sinfonische Werk für großes Orchester und zwei Solisten. Nach dessen Tod hat Arnold Schönberg es für eine Kammerbesetzung umgeschrieben, erläutert Florian Csizmadia: "Das war ein Projekt von Schönberg in Wien, mit einer Konzertserie, die Verein für musikalische Privataufführungen hieß. Es gab nur ein auserlesenes Publikum, also fast so wie heute in Corona-Zeiten bei uns. Er wollte wie er gesagt hat, Musteraufführungen machen, die supergründlich geprobt und dann auch nur für ein Kennerpublikum gedacht waren."

Platz für knapp 120 Gäste

So elitär darf sich das Publikum jetzt fühlen. Knapp 120 Plätze sind benutzbar. Und die Vorstellungen sind sozusagen ausverkauft. Die Spielzeit ist für den Intendanten des Theaters Vorpommern Dirk Löschner sowas wie ein Experiment: "Der Titel der Spielzeit lautet 'System relevant?'. Mit dem Fragezeichen setzen wir natürlich auch ein Fragezeichen dahinter, dass alles festgefügt scheint und man sofort meint, auszumachen, was denn systemrelevant ist und was nicht. Und offenbar sind es die Künste eher weniger. Das sehen wir naturgegeben anders." Das Haus wolle sich so an der Diskussion darüber beteiligen, was geschützt und wiederaufgebaut werden soll.

Soziale Missverhältnisse aufdecken

Zum Beispiel mit dem ersten Sozialdrama der Theatergeschichte: "Woyzeck" von Georg Büchner hatte bereits im Greifswalder Haus Premiere. Regie hatte Schauspieldirektor Reinhard Göber, der auch die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich als wichtiges gesellschaftliches Thema sieht: "Da ist Woyzeck natürlich als erstes deutsches Sozialdrama ein Riesenpunkt. Wie geht es Leuten in geschlossenen Zeiten wie in der Corona-Zeit? Wer ist prekär, wer hat immer noch das Geld? Wer hat welche Möglichkeiten, wer hat sie nicht?" Begleitet wird Woyzeck von einer hausinternen Stückentwicklung zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Titel "Humankapital".

Ballett unter besonderen Bedingungen

Währenddessen probt auch das Ballett Vorpommern für die Premiere Mitte September. Das Stück "The Juliet Letters" zu Musik von Elvis Costello ist eine Uraufführung von Ballettchef Ralf Dörnen. Das Stück bot sich gerade in dieser Zeit an, sagt er: "Es handelt von jemandem, der Briefe liest und damit allein ist. Und diese Briefe kommen zum Leben um ihn herum. Es ist eine besondere Herausforderung fürs Ballett. Tanz ist Bewegung im Raum und die Tänzerinnen und Tänzer bleiben nicht in ihrem Quadratmeter stehen, sondern müssen sich bewegen und das ist - wie ich jetzt auch auf den Proben merke - sehr schwierig."

Diese Woche wird das Theater Vorpommern in den Häusern Greifswald und Stralsund mit "Humankapital" und der Barockoper "Dido und Aeneas" noch zwei Premieren feiern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 27.08.2020 | 10:20 Uhr