Schloss Güstrow: Renaissance-Pflaster und Brunnenhaus entdeckt

Stand: 21.03.2021 07:00 Uhr

Das Güstrower Schloss gehört zu den bedeutendsten Renaissance-Bauwerken Norddeutschlands. Derzeit ist es eine große Baustelle, und bei den Bauarbeiten gab es überraschende Entdeckungen.

von Axel Seitz

Es sind nur Steine, Pflastersteine einer Straße, über die allerdings gerade keiner gehen darf. "Wir haben ein historisches Renaissance-Pflaster entdeckt und vermuten, dass es eine Straße ist, die um 1588 bestanden hat und dann durch den Bau des Torhauses beendet wurde", erzählt Claudia Henning, Abteilungsleiterin des zuständigen Bau- und Liegenschaftsamtes Schwerin. "Im Zusammenhang mit dem Bau des Torhauses ist die Erde zwischen der Straße und der anliegende Stützmauer zugeschüttet worden."

Henning und alle anderen an der Güstrower Schlosssanierung Beteiligten waren von diesem Fund völlig überrascht, denn dass sich fast vier Meter unter dem vorhandenen Straßenniveau eine jahrhundertealte andere Straße befindet, war in keinen Plänen verzeichnet.

Altan-Wand muss gesichert werden

Direkt neben dem freigelegten Renaissance-Pflaster steht die Altan-Wand, inzwischen abgestützt mit einem Gerüst und unter einer Plane gesichert. "Altan ist ein sogenannter Vorbau oder Eingangsbereich. Im eigentlichen Sinn ist es eine Befestigungsmauer, die sich an das Torhaus anschließt, und wurde wahrscheinlich zur gleichen Zeit errichtet." Die Denkmalpflege habe bestätigt, dass es ein sehr wichtiger Bauteil sei.

Arbeiten am Dach des Güstrower Schlosses sind abgeschlossen

Jürgen Schröder ist der Projektleiter dieser großen Baustelle. Während quasi unter dem Torhaus und somit auch unter dem Schloss das historisches Feldsteinpflaster freigelegt wurde, haben mehr als 30 Meter höher die Handwerker fast unbemerkt von der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten im Dach gearbeitet. "Mit der Arbeit sind wir fertig, damit haben wir im September 2019 begonnen und sind im November 2020 fertig geworden", sagt er. "Das war eine sehr aufwendige Geschichte. Sämtliche Einbauteile der gesamten Dachkonstruktion mussten abgebürstet und abgesaugt werden, um Salze, die aus dem Holzschutzmittel herausgekommen sind, herunter zu bekommen."

Schutt aus mehreren Jahrhunderten

Claudia Henning und Jürgen Schröder © NDR Foto: Axel Seitz
Zuständig für die Sanierung: Claudia Henning vom Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin und Projektleiter Jürgen Schröder.

Nicht nur giftige Holzschutzmittel mussten entsorgt werden, sondern auch Schutt aus mehreren Jahrhunderten, der sich unter dem Dach angesammelt hatte. Zwischen Dach und Keller ist inzwischen die Eingangsseite des Güstrower Schlosses, die Westfassade, fast vollständig eingerüstet. Bis Juli sollen an drei Gebäudeseiten die Gerüste stehen, wie der Leiter des Bau- und Liegenschaftsamtes, Robert Klaus, ankündigt: "Der Westflügel ist jetzt weitestgehend eingerüstet, der Nordflügel wird jetzt gerade parallel eingerüstet und der Südflügel wird eingerüstet, sobald wir mit der Südterrasse fertig sind. Und es wird auch alles beplant werden." An der West- und an der Südfassade sollten die Plakate auch wieder bedruckt sein, sodass man auch einen Eindruck vom Schloss haben wird.

Für die denkmalgerechte Sanierung der Fassaden und des Daches stehen insgesamt 16 Millionen Euro zur Verfügung. Im kommenden Jahr soll dann das Dach instand gesetzt werden. "Natürlich müssen die Gerüste stehen, dann wollen wir auch mit den Zimmermannsarbeiten im Dach begonnen haben. Ich hoffe, dass diese Arbeiten im nächsten Jahr auf Hochtouren laufen werden. Danach kommt die Dacheindeckung, die neu vorgenommen wird. Und dann gehen wir die Fassade entlang runter sowohl mit Putzarbeiten als auch mit dem Austausch der Fenster."

Das Güstrower Schloss vor der Sanierung 2021 © NDR Foto: Axel Seitz Das Güstrower Schloss während der Sanierung im März 2021 © NDR Foto: Axel Seitz

Unerwartete Entdeckung an der Ostseite

Wie schon an der Westseite mit dem Renaissance-Pflaster machten die Handwerker auch an der Ostseite eine unerwartete Entdeckung, wie Claudia Henning erzählt: "Wir haben die Reste des ehemaligen Brunnenhauses entdeckt. Diese Reste waren zugewuchert von Efeu unterschiedlicher Stärke. Die Efeuwurzeln haben das Mauerwerk gesprengt. Man sah nichts. Man wusste, dass da eine Mauer ist, aber dass sich dahinter ein 2x2 Meter großer Hohlraum verbirgt, davon war nicht auszugehen."

Um alle Sanierungsarbeiten abzuschließen, bleiben keine drei Jahre Zeit mehr. Denn Ende 2023 soll sich das Güstrower Schloss in neuem Glanz präsentieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 22.03.2021 | 19:00 Uhr