Stand: 22.02.2019 14:56 Uhr

Portrait: Cartoonist Hans Traxler wird 90 Jahre

von Agnes Bührig
Zeichner und Karikaturist Hans Traxler wird am 21. Mai 90 Jahre alt. Seine Zeichnung "Die Elche" gehört zu seinen bekanntesten Werken.

Er ist Mitbegründer der Satirezeischrift "Titanic", machte in den 1980er-Jahren mit seinen Zeichnungen von Helmut Kohl als Birne von sich Reden und gilt als einer der bedeutendsten Cartoonisten der Gegenwart: Hans Traxler. Anlässlich seines 90. Geburtstag dieses Jahr wird im Deutschen Museum für Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover am Freitagabend eine Ausstellung eröffnet, die eine weitere Facette seines Schaffens beleuchtet: das Schreiben und Zeichnen von Kinderbüchern.

Auf einer Alm wohnt die alte Martha. Ihr einziger Gefährte ist Schwein Emil, von dem sie sich dereinst einen leckeren Braten erträumt. Doch auf dem Weg zum Schlachthof macht sie in letzter Sekunde kehrt - das Schwein hat Schwein. "Komm Emil, wir gehen heim" heißt das Kinderbuch von 2004. Es geht auf eine Geschichte zurück, die Traxler selbst als Kind erlebt hat, allerdings mit einem Schaf namens Susi.

Illustrationen für wissbegierige Kinder

"Während des Krieges und in den Jahren nach dem Krieg haben die Menschen gehungert. Meine Eltern hielten auch ein Schaf im Garten. Das sollte geschlachtet werden, damit wir endlich mal wieder was zu Essen haben. Natürlich haben wir Zeter und Mordio geschrien, aber mein Vater, der hätte das auch selbst nicht gekonnt - das Schaf hat den Krieg überlebt, aber das war die Initialzündung", erzählt Traxler.

Hans Traxler zeichnet farbenfroh und mit klarem Strich. In der Ausstellung sind die Bilder von Schwein Emil sowie die zur Geschichte um die Leuchtgans Paula in Gänze zu sehen: eine Gans, die sich trotz Sockel und Kabel an den Füßen auf Reisen macht. Dazu kommen Illustrationen für wissbegierige Kinder über Goethe, Mozart oder Darwin, die in Zusammenarbeit mit Peter Härtling entstanden. Die Arbeitsweise unterscheide sich dabei nicht von der für Erwachsene. "Ich gebe mir bei Kinderbüchern besondere Mühe, und das aus zwei Gründen: Zum ersten ist das eine Möglichkeit, sich auf großen Seiten zeichnerisch auszutoben, und das hat man sonst eigentlich nirgendwo. Und zum anderen sind Kinder die besten Leser", so Traxler.

Traxler hinterfragt die Welt

Mit unaufdringlichem Humor hinterfragt Hans Traxler die Welt wie sie ist. "Wenn Kühe Propeller hätten" heißt die erfrischende Serie, in der Fische lernen, Menschen zu angeln oder Papageien ihren Besitzern das Sprechen beibringen. Und, wie man es bei einem erfahrenen Cartoonisten vermutet, tauchen dabei immer wieder auch gesellschaftliche Missstände auf, sagt die Direktorin des Wilhelm Busch Museums, Gisela Vetter-Liebenow. Zum Beispiel im Kinderbuch "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" aus dem Jahr 2017.

Bild vergrößern
Die Direktorin des Wilhelm Busch Museum Gisela Vetter-Liebenow.

"Es ist keine heile Welt, in der alles rosarot ist, sondern es ist eine Welt, in der auch das vorkommt, was wir hören: Dass die Tiere ihren Lebensraum verlieren, dass die Tiere durch Jäger getrennt werden und plötzlich ein kleiner Elefant eben verloren geht und alleine dasteht. Eine auch für Kinder ganz spannende Mischung von etwas, was sie selbst auch immer wieder wahrnehmen", so Gisela Vetter Liebenow, Leiterin des Deutschen Museum für Zeichenkunst Wilhelm Busch.

Text und Bild sind bei Traxler eine Einheit

Hans Traxlers eigener beruflicher Weg ist ihm schon mit zehn Jahren klar. Mit 17 Jahren, kurz nach dem Krieg, verkauft er seine erste Karikatur. 1951 schließt er an der Städelschule in Frankfurt sein Studium der freien Malerei ab, wird Gründungsmitglied der Neuen Frankfurter Schule um die Satirezeitschrift "Pardon". Doch nicht nur die Einzelkarikatur, auch das Erzählen in Bildern und Texten entwickelt der 1929 in Nordböhmen geborene Zeichner, erzählt Gisela Vetter-Liebenow: "Er gehört für mich in diesen Bereich der Künstler, die wir seit Wilhelm Busch als begnadete Zeichner und Schriftsteller sehen und Autoren, die eine Gabe haben, Text und Bild in eine Einheit zu gießen. Und die das, was das Bild sagt, durch den Text nochmal auf eine weitere Ebene heben können, aber auch gleichzeitig im Zueinander der beiden sehr viel Witz und sehr viel Humor entfalten."

Und das verstehen auch schon junge Leserinnen und Leser, wie die 120 Zeichnungen im Wilhelm Busch Museum zeigen. Eine Ausstellung für die ganze Familie, die umfangreich einen bisher eher vernachlässigten Teil von Hans Traxlers Werk beleuchten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 22.02.2019 | 19:00 Uhr