Eine leere Theaterbühne wartet auf Künstlerinnen und Künstler © IMAGO / Wilhelm Mierendorf Foto:  Wilhelm Mierendorf

Oster-Lockdown: Reaktionen aus der Kultur zu den Beschlüssen

Stand: 25.03.2021 08:47 Uhr

Die Kultur- und Veranstaltungsbranche leidet. Seit einem Jahr herrscht Stille in den Theatern und Clubs. Viele Theater hatten mit der Öffnung an Ostern gerechnet, doch das wird nichts. Reaktionen aus dem Norden.

Eine leere Theaterbühne wartet auf Künstlerinnen und Künstler © IMAGO / Wilhelm Mierendorf Foto:  Wilhelm Mierendorf
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von Linda Ebener

In Berlin läuft momentan ein Pilotprojekt mehrerer Einrichtungen. Gestartet sind die Berliner Philharmoniker, sie haben ihr erstes Konzert seit langem gegeben - und zwar vor Publikum. 1.000 Gäste sind in die Berliner Philharmonie gekommen - jeder einzelne wurde vorher getestet. Das könnten sich auch viele andere Theaterleiterinnen und -leiter vorstellen. Linda Ebener hat mit einigen gesprochen.

Große Enttäuschung über geschlossene Theater zu Ostern

Petra Bolek vom Theater Die Komödianten in Kiel sagt: "Unser Hygienekonzept steht, damit könnte man spielen. Wir alle wissen, dass die Menschen sich nicht in den Theatern anstecken." In Hinblick auf das Beispiel der Testläufe aus Berlin verweist Bolek darauf, dass es in den ganz großen Häusern auch "alles großartig funktioniere". Sie könne sich vorstellen, viele Gäste "wären auch getestet gekommen, wenn man gesagt hätte 'nur mit Test', weil es die Möglichkeit gibt, das kostenlos zu machen."

Die große Enttäuschung, dass es zu Ostern keine Theaterbesuche geben wird, ist ihr in die Augen geschrieben. "Immer fallen wir hinten runter - an uns wird nicht gedacht“, sagt sie und meint die Corona-Gespräche der Ministerpräsidenten und von Kanzlerin Merkel. "Uns fehlt allen die Livekultur. Es ist einfach sehr schade, dass das jetzt offensichtlich gar kein Thema war." In diesen Öffnungsstrategien sei die Kultur bei der Konferenz sicherlich kein Thema gewesen, vermutet Bolek. "Kultur wird da gar nicht mehr besprochen. Und das ist kein gutes Jahr."

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). © dpa-Pool/dpa Foto: Kay Nietfeld

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Hin und Her in der Politik zermürbt Theaterleitung

Eigentlich sollte es ab Gründonnerstag eine sogenannte "Osterruhe" geben. Dieser Beschluss wurde am Mittwoch wieder von Bundeskanzlerin Angela Merkel gekippt. Dieses ständige Hin und Her in der Politik zermürbt auch die Theaterleiterinnen und -leiter, wie Michael Knoll vom Theater Geisler in Lübeck. "Man wird so müde. Das nagt natürlich an der Psyche, immer wieder Spielpläne neu zu entwickeln und sie dann wieder zu verwerfen." Sie hätten im November überlegt, wann es weiter gehen könne. "Da haben wir gesagt: Wir rechnen mal mit Januar. Also bauen wir ein Bühnenbild für das Stück, was wir dann vielleicht spielen. Das ist jetzt hinfällig", so Knoll.

Amelie Deuflhard: "Wir brauchen klare Rahmenbedingungen"

Hinfällig sind auch die Öffnungen der Museen in Hamburg. Gerade mal eine Woche waren sie geöffnet - dann waren sie schon wieder zu. Für Intendantin Amelie Deuflhard von Kampnagel in Hamburg ist das deprimierend. "Ich muss meinem Betrieb immer wieder was anderes erzählen, das produziert auch Frust bei meinen Mitarbeiter*innen. Ich erwarte nicht, dass irgendjemand die Virusentwicklung prognostiziert, aber wir brauchen klare Rahmenbedingungen.“

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Die Hamburger Deichtorhallen. © picture alliance/imageBROKER Foto: Michael Nitzschke

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Das fordert auch Michael Knoll. Einfach von jetzt auf gleich das Theater zu öffnen sei nicht möglich. "So ein Nagelstudio macht als Beispiel montags wieder auf, wenn es am Sonntag heißt, 'ihr könnt öffnen'. Das kann ein Theater nicht. Wir brauchen zwischen vier und sechs Wochen Vorlaufzeit, bis wir wieder starten können." Deswegen seien Stufenpläne, die sich an Inzidenzen ausrichteten, "schlichtweg nicht machbar".

Clubs haben riesige Lüftungsanlagen: "Das gibt es in keiner Schule"

Aber nicht nur die Theater sehnen sich nach der Öffnung, sondern auch die Diskotheken, wie zum Beispiel das Index im niedersächsischen Schüttorf, die größte Diskothek Deutschlands. Geschäftsführer Holger Bösch könnte sich vorstellen, sofort zu öffnen. "Da gibt's von Seiten der Clubs ganz ausgeklügelte Hygienekonzepte, wie man einen Restart durchführen kann." Gerade die Clubs in Deutschland seien alle nach dem Versammlungsstättengesetz genehmigt worden. "Alle Clubs haben Riesen-Lüftungsanlagen. Bei uns gibt es die Möglichkeit, dass man innerhalb von einer Stunde zehn Mal komplett die ganze Luft durch Frischluft austauschen kann. Das gibt es in keiner Schule, in keinem Großraumbüro, in keinem Supermarkt. Das gibt es nur in Clubs."

Lüftungsanlagen wurden teilweise seit 2020 auch in einzelnen Theatern eingebaut. Doch bis wir die wieder besuchen dürfen und sich der Vorhang öffnet, heißt es erst mal - abwarten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 25.03.2021 | 06:55 Uhr