Besucher einer Vorstellung der Hamburger Kammerspiele gehen am Eingang an einem Aushang vorbei, der auf die geltenden 2G-Regeln im Haus für den Theaterbesuch hinweist. © picture alliance/dpa | Markus Scholz

Neue Corona-Regeln: So läuft es in den Kultureinrichtungen

Stand: 28.11.2021 10:41 Uhr

Wegen steigender Infektionszahlen wurden die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie vielerorts noch einmal verschärft. Das betrifft auch Kultureinrichtungen. Wie stellen sie sich auf die neue Lage ein?

von Anina Pommerenke

Was genau wo gilt: Es ist nicht immer ganz einfach in dieser dynamischen Lage, den Überblick zu behalten. Fest steht: Die vier Nordbundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen haben in dieser Woche ihre Regeln verschärft oder Verschärfungen angekündigt. Das betrifft auch Kultureinrichtungen.

2G und Maskenpflicht im Europäischen Hansemuseum

Vorreiter in Sachen 2G war die Hansestadt Lübeck. Eine Woche bevor die 2G-Regel bei Kulturveranstaltungen im gesamten Land verpflichtend wurde, hatten sich städtische und nicht-städtische Einrichtungen gemeinsam auf eine Verschärfung der Regeln geeignet. So haben seit dem 15. November nur Geimpfte und Genesene Zugang zum Europäischen Hansemuseum. In den Ausstellungsräumen gilt darüber hinaus Maskenpflicht. Laut Sprecherin Marilena Meyer reagieren die Gäste verständnisvoll. Wohl auch, weil nicht geimpfte Menschen ihre bereits erworbenen Tickets stornieren konnten.

Außenfassade und Eingang des Europäischen Hansemuseums © Europäisches Hansemuseum Foto: Thomas Radbruch
Im Europäischen Hansemuseum in Lübeck reagierten die Gäste verständnisvoll auf 2G, so Sprecherin Marilena Meyer.

Das Hansemuseum macht das Beste aus den aktuellen Gegebenheiten: Das Worst-Case-Szenario wäre, wieder schließen zu müssen. Man hoffe sehr, dass sich die Situation nicht weiter verschärft und trage daher nach Möglichkeiten zur Eindämmung des Corona-Virus bei: "Schließlich sind Museen und andere Kulturinstitutionen wichtige Orte für Unterhaltung, Identität und Bildung", sagt Meyer. Gleichzeitig wolle man alles dafür tun, dass die Gäste weiterhin die Ausstellungen besuchen und sich dabei sicher fühlen können.

Kunstmuseum Wolfsburg: Leichter Rückgang der Besucherzahlen

Auch das Kunstmuseum Wolfsburg musste auf die neue Allgemeinverfügung reagieren und 2G mit Maskenpflicht einführen. Überrascht sei man nicht gewesen, so ließen sich die neuen Regelungen schnell umsetzen, berichtet Sprecherin Katharina Derlin. Dennoch gebe es immer wieder Einzelanfragen, die Mitarbeiter*innen verunsichern würden. Zum Beispiel: "Was ist, wenn ein 18-jähriger Schüler in einer Schulgruppe nicht geimpft ist und die Lehrerin die Verantwortung übernehmen würde? Was ist, wenn eine werdende Mutter sagt, sie kann derzeit nicht geimpft werden?" Im Großen und Ganzen hätte sich aber nicht viel verändert, so Derlin. Schon vorher hätten die meisten Gäste einen Impfausweis vorgelegt. Sie glaubt aber, dass die allgemeine Situation Besucherinnen und Besucher verunsichert. Das macht sie an einem leichten Rückgang der Besucherzahlen fest.  

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Ein Schild mit der Aufschrift "Reihe gesperrt" ist an einer Stuhlreihe in einer Veranstaltungshalle angebracht. © picture-alliance /Andreas Franke Foto: Andreas Franke

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"Ziemlich hoppla hopp", kam die Änderung aus Sicht vom Pressesprecher am Theater Vorpommern Hans Heuer. Wegen der hohen Inzidenzen und Überlastungen einiger Intensivstationen hatte das Land Mecklenburg-Vorpommern kurzfristig die Notbremse gezogen und die Maßnahmen deutlich verschärft. Im Theater gilt jetzt statt 3G die 2G-Plus-Regel. Das bedeutet, dass nur noch geimpfte oder genesene Menschen Zutritt erhalten - diese müssen aber auch noch einen aktuellen, negativen Corona-Test vorlegen. Zum Glück seien Theatergänger zu 99 Prozent umsichtige Menschen, so Heuer, die seinen Erfahrungen der vergangenen anderthalb Jahre zufolge nicht ausfällig oder aufmüpfig werden. Trotzdem hat er sich zum Ziel gesetzt, alle Besucherinnen und Besucher der kommenden Tage noch einmal persönlich am Telefon über die neuen Voraussetzungen für den Theaterbesuch zu informieren: "Da alle Plätze ausgebucht sind, ist das ein ziemlich großes Unterfangen".

2G-Plus: Theater Vorpommern hilft bei Testcenter-Suche

Doch es lohnt sich. Denn gerade für ältere Menschen, die eventuell auch noch im ländlichen Raum wohnen, ist es manchmal gar nicht so einfach, ein Testcenter in unmittelbarer Umgebung zu finden. Heuer ist es ein Herzensanliegen, jeder einzelnen Person dabei zu helfen. Auch wenn es gelegentlich eine knappe Stunde gedauert habe, bis dann eine Apotheke in der Nähe ausfindig gemacht war, die auch Tests anbietet. Eine Herausforderung dabei sei auch, dass die Testcenter wegen der 3G-Regelung am Arbeitsplatz ohnehin alle überlaufen seien.

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Textblatt einer Sängerin beim Weihnachtsmarkt-Chorsingen auf dem Roncalli Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus. © NDR Foto: Thomas Jähn

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Die meisten wollen laut Heuers Schilderungen trotz der neuen Regelungen kommen. Sie fühlen sich im Theater einfach sicherer als zum Beispiel im Supermarkt. Und auch die Kontrollen laufen mittlerweile problemlos. Meistens hätten die Besucher Impfnachweis oder Test schon parat: "Das Disziplinierte und dass die Zuschauer so toll mitmachen, das hat mich in diesen Pandemie-Zeiten auch sehr berührt".

Schwierigkeiten gibt es laut Heuer allerdings vereinzelt in Vorstellungen mit Kindern. Denn auch die über 7-Jährigen müssen nun einen Test machen - da gäbe es von Seiten der Eltern viele Rückzieher. Vielleicht auch, weil man den Kindern das unangenehme Testen ersparen wolle. Dennoch können sich die drei Theater des Hauses nicht beschweren. Insgesamt sind wegen des Schachbrettmusters zwar weniger Plätze verfügbar - doch die würden nachgefragt. Heuer kann sich über viele ausgebuchte Vorstellungen freuen und ist daher mit dem Zuspruch der Zuschauer sehr zufrieden - auch wenn er verstehen kann, dass viele Menschen in solchen Zeiten nicht unbedingt auf zusätzliche Kontakte aus sind. 

Hamburger Deichtorhallen: Viel Platz zum Abstand halten

Wenig überrascht von den verschärften Maßnahmen waren die Deichtorhallen in Hamburg. Wie Sprecherin Angelika Leu-Barthel betont, schließe man sich aber dem dringenden Appell an, sich impfen zu lassen: "Nur so kommen wir wieder in einen normalen Alltag und zu unbeschwerten Kunstgenuss. Wir vermissen unsere großen Eröffnungen mit über 1.000 Gästen, bei denen die Lust an der Kunst und die Freude über eine Ausstellung so richtig zu spüren ist". Wegen der großzügigen Räumlichkeiten, die viel Platz zum Abstand halten bieten, und einer guten Klimaanlage glaubt sie, dass ein Besuch der Deichtorhallen ohne großes Risiko möglich ist.

Auch Julia Ditsch vom Niedersächsischen Landesmuseum Oldenburg berichtet, dass die Umstellung problemlos verlaufen sei - und das Publikum auf das Überprüfen der Nachweise an der Museumskasse sehr verständnisvoll reagiere. Auch wenn es mal etwas länger dauere.

Pommersches Landesmuseum: Kunsthandwerkermarkt abgesagt

Zu sehen ist der Eingang des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. © NDR Foto: Mike-Thomas Römisch
Den Rückgang der Besucherzahlen bekommt das Pommersche Landesmuseum in Greifswald schmerzlich zu spüren.

Alarmierende Rückmeldung gibt es dagegen aus dem Pommerschen Landesmuseum. Schon im vergangenen Jahr hatten sich die Besucherzahlen fast halbiert. Zuletzt verzeichnete das Haus verhältnismäßig wenig Besucher. Aber seit Einführung der 2G-Plus-Regelung sei niemand mehr gekommen, berichtet Sprecherin Julia Kruse. An diesem Wochenende hätte außerdem ein traditioneller Kunsthandwerkermarkt stattfinden sollen. Aufgrund der 2G-Plus-Regel habe es im Vorfeld aber so viele Absagen von Standbetreibern gegeben, dass das Museum sich dazu entschieden hat, die gesamte Veranstaltung abzusagen. Ein schmerzlicher Verlust für das Haus, denn die Veranstaltung hat in den Vorjahren auch gerne mal 3.000 Besucher angelockt. Für das gesamte Haus seien die neuen Maßnahmen also deutlich zu spüren, berichtet Kruse. Sie hofft nun darauf, dass in der Weihnachtszeit noch ausreichend Menschen den Museumsshop besuchen.

Bremen galt bislang wegen der hohen Impfquote und vergleichsweise niedrigen Inzidenzen als "Insel der Glückseligen". Doch seit einer veränderten Corona-Verordnung ist hier am vergangenen Donnerstag Warnstufe 2 eingetreten. Deswegen gilt in Kultureinrichtungen ab sofort 2G. Die Lage in der Kunsthalle Bremen ist laut Sprecherin Jasmin Mickein entspannt. Die meisten Besucher*innen hätten die 2G-Anforderungem schon zuvor erfüllt. Und auch die Empfehlung, eine Maske zu tragen, sind die Gäste ihren Schilderungen zufolge nachgekommen.

 

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Die Vorderseite der Bremer Kunsthalle mit einer roten Fahne im Vordergrund auf der steht: "Kunsthalle Bremen Aufgeschlossen!"  Foto: Silke Rudolph

Kulturpartner: Kunsthalle Bremen

Die Kunsthalle Bremen ermöglicht eine Reise durch mehr als 600 Jahre Kunstgeschichte an einem Tag. extern

Zu sehen ist der Eingang des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. © NDR Foto: Mike-Thomas Römisch

Kulturpartner: Pommersches Landesmuseum

Das preisgekrönte Bauensemble beherbergt herausragende Exponate, die 14.000 Jahre wechselhafte Geschichte der Region Pommern erzählen. extern

Blick auf das im Renaissancestil gebaute Oldenburger Schloss. © NDR Foto: Julius Matuschik

Kulturpartner: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Im Herzen Oldenburgs liegen das Schloss, das Augusteum und das Prinzenpalais, die zusammen das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg bilden. extern

Außenansicht der Halle für aktuelle Kunst. © Deichtorhallen Hamburg

Kulturpartner: Deichtorhallen Hamburg

Internationale Kunst und Fotografie bilden den Schwerpunkt der Deichtorhallen Hamburg. extern

Der Stralsunder Theater bei Nacht. © NDR Foto: Moritz Werthschulte aus Stralsund

Kulturpartner: Theater Vorpommern

Der Spielplan präsentiert ganzjährig ein anspruchsvolles und unterhaltsames Programm in den Sparten Musiktheater, Schauspiel und Ballett sowie im Konzertbereich. extern

Kunstmuseum Wolfsburg © Wolfsburg Marketing Foto: Wolfsburg Marketing

Kulturpartner: Kunstmuseum Wolfsburg

Das Kunstmuseum Wolfsburg bietet mit seiner großen Ausstellungshalle einen idealen Rahmen zur Präsentation internationaler zeitgenössischer Kunst. extern

Blick in einen Saal des Burgklosters zu Lübeck im Europäischen Hansemuseums © Europäisches Hansemuseum Foto: Thomas Radbruch

Kulturpartner: Europäisches Hansemuseum Lübeck

Das Europäische Hansemuseum verschmilzt das alte Lübecker Burgkloster mit einer modernen Museumsanlage. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.11.2021 | 06:20 Uhr

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