Stand: 11.08.2017 12:11 Uhr  | Archiv

Ein absurder Spaß: "Facebook-AGB - Das Musical"

von Wolfgang Loock

In Bremen hat ein sehr ungewöhnliches Theaterstück Premiere gefeiert: "Facebook-AGB - Das Musical". Die drögen, allgemeinen Geschäftsbedingungen des sozialen Netzwerks wurden von vier Schauspielern erzählt, getanzt und gesungen - und so zu einer herzzerreißenden Liebesgeschichte.

Als die Musik verklungen und auch der letzte Abschnitt der Facebook-Nutzungsbedingungen erzählt und besungen war, gab es tosenden Applaus vom Publikum. Peer Gahmert, zusammen mit Tim Gerhards verantwortlich für Buch und Regie des Stücks, ist zufrieden und erleichtert, dass das ungewöhnliche Zusammenspiel zwischen einem komplizierten, juristischen Fließtext und einem einfachen Musical bestens funktioniert: "Während der ganzen Proben wird man immer angespannter. Heute Abend haben wir gemerkt, dass die Leute unsere Arbeit annehmen und dass da Reaktionen kommen."

Juristische Texte treffen auf eingängige Melodien

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Der Cast von "Facebook-AGB - Das Musical": Mateng Pollkläsener, Ludmilla Euler, Lena Neckel, Damiaan Veens.

Die Premiere war ausverkauft. Auf der Bühne stehen nur zwei blinkende Datenserver und vier Mikrofonständer. Im Hintergrund ist eine Treppe zu sehen. Das war's. Die Stimmung erzeugen Nebel und Licht. Etwa 200 Zuschauer sitzen auf der Holztribüne, teilweise sogar auf Kissen davor und lauschen den Schauspielern, wie sie ihnen die "Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook inklusive Datenrichtlinie und Cookierichtline" vortragen, vorsingen und vortanzen. Zum Teil in quälend langen Monologen, die kein Mensch versteht. Dann wieder mit eingängiger leichter Musik, wie man sie aus den Musicals kennt.

Eine Story dahinter gibt es auch: Eine Liebesgeschichte zwischen der Autorin der Nutzungsbedingungen und einem noch unbekannten Informatiker, der nach einem total komplizierten Text für sein neues Netzwerk im Internet sucht. Das klingt nicht nur skurril, sondern ist es auch. Gerade das fand das Publikum aber lustig. Eine Zuschauerin: "Wie kann man aus einem Text, den niemand lesen will, ein Musical machen, das die Leute unterhält? Aber es hat wirklich Spaß gemacht!". Ein anderer Besucher lobte den Informationswert der Darbietung: "Es war interessant, die AGB einmal von der Bühne zu hören - denn lesen tut man sie ja nicht."

Ein absurder Spaß der unterhält

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Der Cast des Musicals war gespannt auf die Reaktionen im Publikum.

Und auch die Darsteller sind froh, dass das AGB-Musical so gut ankommt. Mateng Pollkläsener freut sich, dass er nach den langen Proben endlich vor Publikum spielen durfte: "Wir brauchten jetzt wirklich Leute, die sich das angucken, diese Reaktionen, den Kick. Jetzt haben wir gemerkt: Da wird geschmunzelt, da wird gelacht, da wird reagiert auch auf Dinge, die wir vorher so gar nicht einkalkuliert haben."

 "Facebook-AGB - Das Musical" läuft noch am 13., 16., 17. und 18. August in derSpedition am Güterbahnhof in Bremen.  

Weitere Informationen
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Es gibt ein Musical, das die Nutzungsbedingungen von Facebook in Musik kleidet. So könnte man noch andere dröge Texte den Menschen nahebringen, meint Erik Heinrich in seiner Glosse. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 11.08.2017 | 08:00 Uhr

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