Stand: 07.12.2017 00:01 Uhr

Ludwigslust: 913 Bäume von Stürmen zerstört

von Axel Seitz

Mit einer Fläche von 127 Hektar ist der Schlosspark in Ludwigslust der größte Landschaftspark in Mecklenburg-Vorpommern. Seit mehreren Wochen ist er offiziell gesperrt, weil die beiden Herbststürme Anfang und Ende Oktober Schäden anrichteten, die der Schlosspark seit Mitte des 18. Jahrhunderts, als er angelegt wurde, bislang noch nicht erlebt hat.

Aufräumen nach den Stürmen

"Das ist wirklich tragisch"

Das Geräusch, wenn Maschinen Äste kleinhäckseln ist gleich an mehreren Stellen im Schlosspark zu hören, denn nach wie vor wird aufgeräumt. Die meisten Wege, wie die Große Hofdamenallee, sind zwar inzwischen wieder frei, doch überall sind umgestürzte Bäume, abgesägte Stämme und Berge von Ästen zu sehen. Wer sich nicht im Schlosspark auskennt, sieht die Schäden zunächst gar nicht sofort. "Beim Eichenteich/Karauschenteich sind mehrere große Buchen umgebrochen. Das war eine Fläche mit Solitär-Buchen, richtig schönen großen Bäumen. Jetzt sieht der Bereich aus wie eine Freifläche oder eine Wiese. Das ist wirklich tragisch. Besonders im vorderen Bereich, wo der gestalterische Aspekt eine große Rolle spielt", sagt Gartenmeister Holger Baethke. Er ist für den Schlosspark Ludwigslust verantwortlich.

Bäume bis zu 300 Jahre alt

In den vergangenen Wochen hat Baethke vor allem Bäume gezählt, Bäume die im Park nach den Stürmen nun nicht mehr stehen. "Ich bin hier durchgegangen, habe mir ein Buch mitgenommen und gezählt. So bin ich auf über 900 gekommen. Es kann aber sein, dass das nicht die endgültige Zahl ist, weil es einige Bereiche gab, in denen die Bäume noch übereinander liegen - und es auch zu gefährlich war, dort herumzuklettern", sagt Baethke. Genau sind es 913 Bäume, die mindestens einen Stammumfang von 50 Zentimetern haben und somit 50 bis 100 Jahre alt sind, manche sogar mehr als 200 Jahre. So hat eine einzeln stehende, besonders alte Eiche in der Nähe vom Schweizerhaus den Sturm nicht überstanden.

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In den Stumpf der 300 Jahre alten Eiche soll ein neuer Baum gepflanzt werden.

"Hier gehen die Überlegungen dahin, in diesen Torso, diesen Reststumpf des mindestens 300 Jahre alten Baumes, einen neuen Baum zu pflanzen", erklärt Dietmar Braune, der beim landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften für alle staatlichen Parks zuständig ist. "Dann kann dieser Torso über die nächsten Jahrzehnte, wenn nicht sogar über die nächsten fast 100 Jahre hier stehen - während der neue Baum heranwächst. Eiche verrottet sehr, sehr langsam."

"Solche Schäden hat es hier noch nie gegeben"

Solche Schäden wie jetzt habe es im Ludwigsluster Schlosspark noch nicht gegeben, sagt Braune. "Es gibt ein umfangreiches Parkpflegewerk aus dem Jahr 2000, auf das wir zurückgreifen können. Ich habe darin nachgesehen und auch in den Quellen noch mal recherchiert: Von einem solchen Sturm wurde darin nicht berichtet. Zwar werden immer wieder Sturmschäden erwähnt, aber diesen Verlust über so große Flächen, der ist nie beschrieben worden."

Mehrere Hunderttausend Euro Schadenssumme

Derzeit kann Dietmar Braune noch keine abschließende Schadensumme nennen, denn die Aufräumarbeiten dauern noch Monate und welche Kosten noch entstehen, ist nicht absehbar. Natürlich haben die gefällten Bäume auch einen Wert, der bei einem Verkauf gegengerechnet werden kann, aber auf mehrere Hunderttausend Euro wird sich der Schaden in Ludwigslust letztlich belaufen. Erstaunlicherweise fielen die Bäume weder auf Gebäude noch auf Skulpturen. "Das ist der glückliche Umstand, den wir verzeichnen können. Das grenzt eigentlich an ein Wunder, bei den über 900 Bäumen, die hier gefallen sind." Und gerade am Kaisersaal, der Freifläche mit acht großen Vasen, haben  Bäume ganz knapp die Skulpturen verfehlt - vielleicht zwei Meter von ihnen entfernt liegen jetzt noch die umgefallenen Bäume.

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