Stand: 10.05.2019 20:00 Uhr

Kunstfestspiele Herrenhausen mit großem Programm

von Agnes Bührig

Die Regisseure Peter Sellars und Romeo Castelluci, Musik im Geiste Zappas, Werke von Muntendorf und Messiaen sowie den gesamten Shakespeare in neun Tagen - das sind einige der Höhepunkte der diesjährigen Kunstfestspiele Herrenhausen, die bis zum 26. Mai 2019 laufen. Am 12. Mai steigt rund um das Festivalgelände in Hannover die große Geburtstagsparty, denn das interdisziplinäre Kunstfestival wird zehn Jahre alt.

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Der Kanadier Claude Vivier schrieb die Oper "Koperinkus" 1978 und 1979.

Die Oper "Kopernikus" des kanadischen Komponisten Claude Vivier eröffnete die Kunstfestspiele Herrenhausen am 10. Mai. Eine deutsche Erstaufführung eines Opernstoffes vom Ende der 1970er-Jahre, neu inszeniert von Peter Sellars. Für die Kunstfestspiele sei die Oper besonders geeignet, sagte der Leiter des Festivals, Ingo Metzmacher im Vorfeld der Eröffnung. Denn wie einst der Sternengucker Kopernikus sei auch Vivier ein Visionär gewesen, sagt Metzmacher. "Man sagt, dass Vivier, der sehr früh in Paris ermordet wurde, ähnlich wie Mozart gespürt hat, dass sein Tod früh kommen würde. Das gibt der ganzen Musik einen visionären Ton, hinein in eine Zukunft, die Vivier nicht mehr erlebt hat."

Visionen als Markenzeichen

Künstlerische Visionen sind das Markenzeichen des spartenübergreifenden Festivals: In der Musiktheater-Video-Arbeit "Land" von Daniel Kötter und Hannes Seidl können sich die Besucher stundenlang auf einer Grasfläche vor einem Videofilm mit grüner Landschaft niederlassen und zur Ruhe kommen. In der Performance von Julia Mihály, die an der Musikhochschule Hannover studiert hat, können sie ihren Blick auf die 68er-Generation mithilfe von Live-Elektronik, Bewegungssensoren und Computeranimationen auffrischen.

Zappa und alle Dramen von Shakespeare

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Frank Zappa gab 1979 in der Eilenriedehalle ein Konzert vor 4.000 Gästen.

Frank Zappa wird in der Eilenriedehalle erklingen, einem von zwei neuen Spielorten der Kunstfestspiele Herrenhausen in Hannover. Vor 4.000 Zuschauern gab die Ikone des Underground hier vor 40 Jahren ein Konzert. Seine letzte Platte spielte Zappa mit dem Ensemble Modern ein, das diese Stücke nun erneut präsentiert.

Der zweite neue Ort ist das Kulturzentrum Faust, wo die britische Theatergruppe Forced Entertainment neun Tage lang alle 36 Shakespeare-Dramen spielen wird, an einem Tisch sitzend, mit Flaschen und Tassen als Figuren.

Wem das zu puristisch ist, der gehe hinaus in die Herrenhäuser Gärten und lausche Olivier Messiaens durch die Vogelwelt inspiriertem "Catalogue d'oiseaux", gespielt zu vier Tages- und Nachtzeiten vom Klaviervirtuosen Pierre-Laurent Aimard.

Große Jubiläumsparty am 12. Mai

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Ingo Metzmacher, Intendant der Kunstfestspiele in Herrenhausen, hat am Mittwoch das Programm für 2019 vorgestellt.

Bunter wird es am 12. Mai auf der Party zum zehnjährigen Jubiläum der Kunstfestspiele. Das gesamte Festivalgelände verwandelt sich in eine Kulturmeile mit Installationen, Performances und Konzerten mit Künstlern wie zum Beispiel Aron Attingen, sagt Mitorganisatorin Claudia Pahl. "Attingen kommt ursprünglich aus Neuseeland, hat aber auch in Paris und London gelebt und ist eigentlich ausgebildeter Jazzpianist und ein Meister der Improvisation. Er ist - vielleicht auch ein bisschen seiner neuseeländischen Heimat geschuldet - extrem an Rhythmen interessiert. Wenn er Klavier spielt, dann betrachtet er seine Finger eher als Schlagstöcke."

Die Kunstfestspiele Herrenhausen präsentieren in ihrem Jubiläumsjahr also ein Programm, das alle Grenzbereiche der Kunst auslotet.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 10.05.2019 | 07:20 Uhr

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