Kay Buchheim im studio © Kay Buchheim/M.A.Littler

Kay Buchheim und der "Klang der Angst"

Stand: 09.04.2021 11:22 Uhr

Der Hamburger Musiker Kay Buchheim wird durch den Fonds "Kultur hält zusammen" unterstützt. Mit seinem Projekt "Klang der Angst" möchte der Komponist Angst in etwas Positives umwandeln.

von Anina Pommerenke

Plötzlich war die Panik da. Aus heiterem Himmel hat sie Kay Buchheim heimgesucht im vergangenen Herbst. Der Musiker, der normalerweise für Produktionen wie Lazarus am Hamburger Schauspielhaus Abend für Abend auf der Bühne steht, ist auf die Suche nach dem Grund gegangen. "Dass dieser Stress und diese Bedrohung durch das Auftrittsverbot entstanden ist, dass habe ich lange Zeit verdrängt. Ich habe lange Zeit versucht, mir nichts anhaben zu lassen", sagt Kay Buchheim. "Diese Einschränkungen, bei dem was generell für mich das Wichtigste ist: kreativ zu arbeiten, Dinge fertig zu stellen und das auch aufzuführen, das ist für mich eigentlich der Punkt gewesen."

Doch anstatt die Angst mit Medikamenten in den Griff zu bekommen, hat Buchheim sich für einen anderen Weg entschieden. Die Angst in seiner Musik zu verarbeiten und ihr mit Kreativität entgegen zu treten. "Ich verarbeite Dinge aus meinem Privatleben oder aus gesellschaftlichen Zusammenhängen, aber auch alles was mir so begegnet", schildert der Musiker. "Das wird alles bei mir in der Musik verarbeitet. Daher war es naheliegend zu sagen, ich will mich diesem Thema auf meine Art stellen."

Kay Buchheims Interesse für die Kraft von Musik entstand früh

Wie erzeugt Musik Angst? Dieser Frage ist Buchheim seither nachgegangen - und bei seinen Recherchen zunächst in der Filmmusik fündig geworden "Das fängt eigentlich beim Independent-Kino der 80er Jahre an", sagt Buchheim. "Ich bin damals als Teenager noch viel ins Kino gegangen und hab über Filme von Wim Wenders, David Lynch, Jim Jarmusch und Kaurismäki einen Zugang zur Wirkung von Musik und Bild gefunden."

Gerade im Film konnten sich viele Avantgarde-Komponisten ausprobieren, so Buchheim, denn im Konzertsaal wollte sich das damals noch niemand anhören. Er selbst hat als Theatermusiker schon für alle Lebenslagen und Stimmungen komponiert - und hat sich gerade erst unter dem Pseudonym "Port de la Selva" auf das Parket der Instrumentalmusik getraut.

Weitere Recherchen zum Thema durch Fördermittel

Sich nun ausgiebig mit Atonalität, außergewöhnlichen Spielweisen von Instrumenten, extremen Frequenzschwankungen - also einer allgemeinen Bedrohung für das "westliche Ohr" auseinander zu setzen - war schon ein Kindheitswunsch. "Ich bin als Kind immer von meinen Eltern ins klassische Konzert geschleppt worden. Ich fand diese Phase immer toll, wenn sich das Orchester einspielt - wenn einfach 100 Leute durcheinander spielen und eine Kakophonie von Klängen im Raum ist", erzählt der Komponist. "Dann kommt der Dirigent auf die Bühne. Man ist total gespannt, was jetzt passiert - und ich war dann meistens total enttäuscht."

Mit Hilfe der Fördergelder kann Kay Buchheim seine Recherchen durchführen, die in einen Kompositionszyklus übergehen sollen. Den möchte er selbst im Studio einspielen und als digitales Album veröffentlichen. Doch viel wichtiger ist der Faktor, dass er mit diesem Projekt seine Angst in etwas Positives umwandeln konnte: "Musik ist für mich der Filter, durch den die Welt durch muss, damit ich sie handhaben kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 09.04.2021 | 14:20 Uhr