Markus Söder © picture alliance/dpa Foto: Peter Kneffel

Kanzlerkandidatur: "Söder hat nur noch eine winzige Chance"

Stand: 12.04.2021 17:00 Uhr

Die CDU-Spitze will Armin Laschet als Kanzlerkandidaten - doch auch Markus Söder von der CSU möchte kandidieren. Ein Gespräch mit dem Journalisten und Söder-Kenner Roman Deininger.

Markus Söder © picture alliance/dpa Foto: Peter Kneffel
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Herr Deininger, glauben Sie, dass jemand wie Markus Söder an dieser Stelle zurückzieht?

Roman Deininger: Ich glaube nicht, dass Markus Söder schnell zurückzieht. Ihm ist jetzt daran gelegen, seine Stärke in der Union zu demonstrieren. Die Stärke - das sind die Umfragen, und das ist die Unterstützung, die er offenbar in vielen Parteigliederungen der CDU hat. Ich glaube, ihm ist daran gelegen, das in den nächsten Tagen sichtbar zu machen. Aber dass er eine ernsthafte Chance hätte, diese klaren Bekenntnisse der CDU-Gremien zu Armin Laschet irgendwie rückgängig zu machen und doch Kandidat zu werden, das glaube ich nicht.

Markus Söder hat immer gesagt, dass sein Platz in Bayern sei - aber nun könne er sich plötzlich doch vorstellen, ins Kanzleramt zu wechseln. Wie ist es eigentlich zu diesem Sinneswandel gekommen?

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Deininger: Ich glaube, das ist der Duft der Macht, der Söder anzieht. Markus Söder ist zwar wirklich jemand, der immer Landespolitiker war und dessen Traum es immer war, bayerischer Ministerpräsident zu werden. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sich niemand ernsthaft hätte vorstellen können, dass er irgendetwas in Berlin wird, geschweige denn Bundeskanzler. Das ist ja erst in der Corona-Krise realistisch geworden, als er so einen nationalen Durchbruch als Krisenmanager erlebt hat. Und mit der Möglichkeit ist die Versuchung gestiegen - der er am Ende offenbar erlegen ist und seinen Hut in den Ring geworfen hat.

Es wird darüber spekuliert, dass sich Laschet und Söder treffen werden. Das erinnert ein bisschen an Wolfratshausen, als hinter verschlossenen Türen ausgekungelt worden ist, wer denn nun Kanzlerkandidat wird. Ist das auch in diesem Fall realistisch?

Deininger: Söder hat bei seiner Pressekonferenz den Vorschlag gemacht, dass sich CDU und CSU in größeren Delegationen treffen. Er will das eher formalisieren, als das auf eine persönliche Begegnung der beiden Spitzenleute zu reduzieren. Doch vor Überraschungen sind wir in dieser Sache nicht gefeit, und alles kann passieren. Aber ich würde eher sagen, dass die CSU jetzt dafür gesorgt hat, dass dieses Schauspiel noch einige Tage länger andauert.

Wenn Markus Söder Bundeskanzler würde - was würde das an Bajuwarisierung für das Land bedeuten?

Deininger: Ich glaube, da kann ich Sie beruhigen. Eine Bajuwarisierung würde nicht eintreten, Sie müssten keine Weißwurst zum Frühstück essen. Markus Söder ist ja ein hemmungsloser Pragmatiker, und das wird ihm oft - oft auch zu Recht - als Opportunismus vorgeworfen. Aber die positive Seite davon ist, dass er, wo er jetzt erkannt hat, dass die Merkel-Linie ganz grob in der deutschen Politik weiter Erfolg verspricht, er diese auch verfolgen würde. Es würde also unter einem Kanzler Söder keine schrecklichen Überraschungen geben, auch nicht in Norddeutschland. Er wird höchstens endlich mit Daniel Günther zum Wattwandern gehen.

Wie konservativ ist eigentlich dieser Protestant aus Franken?

Deininger: Da müssten wir erst mal klären, ob man über den alten oder den neuen Söder redet. Der alte Söder war ein eher konservativer Knochen, der zum Beispiel in der Flüchtlingsdebatte durchaus rechts der Mitte unterwegs war. Und dann hat er sich nach diesem sehr schlechten Ergebnis bei der Bayerischen Landtagswahl 2018 neu erfunden. Seitdem gibt er den eher mittigen, grün angehauchten, Frauen fördernden, sanften Landesvater. Der ist nicht mehr sonderlich konservativ.

Früher, als Franz Josef Strauß noch Vorsitzender der CSU war, gab es rechts von ihr nichts Ernstzunehmendes. Mittlerweile gibt es dort aber die AfD. Wie stellt sich Söder ihr gegenüber?

Deininger: Selbst in der Phase, als Söder versucht hat, abtrünnige Unionswähler, die zur AfD übergelaufen waren, mit einer Flüchtlingsrhetorik zurückzuholen, die in moralischen Grenzbereichen unterwegs war, hat er die Abgrenzung von der AfD schon klar vollzogen. Im Grunde kann man sagen, dass er seit Herbst 2018 klare Kante gegen die AfD zeigt. Man kann Söder viel nachsagen, aber eine rechte Dumpfbacke ist er nicht.

Kann er auch internationales Parkett? Kann man ihn sich zum Beispiel bei der UN-Vollversammlung vorstellen?

Deininger: Das ist auf jeden Fall das Politikfeld, auf dem er die stärkste politische Erziehung bräuchte, wenn er wirklich Kanzler werden würde. Andererseits ist es so, dass auch andere deutsche Ministerpräsidenten den Sprung ins Kanzleramt gemacht haben - Gerhard Schröder zum Beispiel. Die waren ja vorher auch keine ausgewiesenen Außenpolitiker und haben es trotzdem irgendwie hinbekommen. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass die Bayern eine äußerst selbstbewusste Nebenaußenpolitik betreiben. Söder saß schon bei Putin und hat sich schon ein paar Mal mit Macron getroffen. Da spiegelt sich das Selbstbewusstsein und die Hybris der CSU aufs Trefflichste. Insofern hat Söder schon ein bisschen internationale Erfahrung.

Jetzt muss ich Sie festnageln: Wer wird es werden - Laschet oder Söder?

Deininger: Es wird Armin Laschet. Söder hat nur noch eine winzige Chance, der Pfad wird für ihn immer enger. Ich glaube, dass er uns in Bayern erhalten bleibt - was immer ich davon halten soll.

Das Gespräch führe Jürgen Deppe.

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NDR Kultur | Journal | 12.04.2021 | 18:00 Uhr