Stand: 30.09.2019 15:45 Uhr

Thalia Theater: "Mary Said What She Said"

von Katja Weise
Theatervisionär Bob Wilson ist zurück am Hamburger Thalia Theater. Isabelle Huppert spielt in seiner neuen Produktion die Rolle der Maria Stuart.

In den neunziger Jahren hatte der amerikanische Theatermacher Bob Wilson am Hamburger Thalia Theater große Erfolge gefeiert - mit "The Black Rider", "Alice" oder "Time Rocker". Jetzt ist Wilson dorthin zurückgekehrt. Am Freitag war in Hamburg die Deutschlandpremiere seiner neuen Produktion zu sehen. In der Soloperformance "Mary Said What She Said" geht es um die letzten Stunden der schottischen Königin Maria Stuart. Auf der Bühne stand die oscarnominierte Starschauspielerin Isabelle Huppert.

"Mary Said What She Said": Präzise Choreographie

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Isabelle Huppert zeigt sich in der knapp 90-minütigen Aufführung als Idealbesetzung.

Erschöpft aber lächelnd zeigte sich die Schauspielerin am Ende der knapp 90-minütigen Aufführung im opulenten Königinnenkleid vor ihrem Publikum. Isabelle Huppert scheint für den hochartifiziellen Ansatz des Licht- und Raumkünstlers Bob Wilson eine Idealbesetzung zu sein. Das hat sich schon bei ihrem ersten gemeinsamen Projekt gezeigt, „Orlando“ nach Virginia Woolf. Auch „Mary Said What She Said“ ist ohne sie kaum vorstellbar. Mit fast traumwandlerischer Sicherheit hält sie Posen, die sich langsam auflösen und in Bewegung übergehen. Letztlich ist dieser Abend wie so oft bei Wilson eine Choreographie zu Licht und Ton, die in ihrer Präzision an Ballett erinnert. Den Rhythmus geben die Musik von Ludovico Einaudi und das gesprochene Wort vor.

Bob Wilson: "Isabelle Huppert ist unglaublich"

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Regisseur Robert Wilson zeigt sich begeistert und vergleicht Isabelle Huppert mit Marlene Dietrich.

Zum Tode hat Königin Elizabeth I. von England die Rivalin Maria Stuart verurteilt. Sie versucht sich in diesen letzten Stunden und Minuten, ihrer selbst zu vergewissern, verfängt sich dabei immer wieder in einem Labyrinth von Wiederholungen. Da gerät der Abend durchaus an Grenzen, aber Isabelle Huppert ist einfach eine Königin auch des Spiels: "Sie ist wirklich unglaublich. Ich kenne keine andere Schauspielerin, die kann, was sie kann", so Regisseur Bob Wilson. Sie könne gleichzeitig sehr kalt und heiß sein, darin gleiche die Französin Marlene Dietrich. Ihr schmaler Körper verschwindet auf der Bühne in dem dunklen Brokatkleid wie in einer Rüstung. Immer wieder lacht sie schrill auf, dann erstarrt ihr Gesicht mit weit aufgerissenem Mund. Typisch Wilson. Aber am Ende möchte man sich vor dieser großen Schauspielerin verneigen, die diesen Soloabend sichtlich genossen hat.

Tournee durch große europäische Städte

Das Stück hatte im Mai in Paris Uraufführung gefeiert und befindet sich derzeit auf einer Tournee durch gößere europäische Städte mit Stationen unter anderem in Wien, Florenz und Amsterdam. Im Hamburger Thalia Theater folgten am Sonnabend zwei weitere Vorstellungen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 28.09.2019 | 06:55 Uhr

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